DGB: Skandalöser Rückgang der dualen Berufsausbildungsstellen
(Berlin) - Der Ausbildungsskandal nimmt nach Einschätzung des DGB immer größere Ausmaße an. Das bewiesen die heute (29. März 2007) präsentierten, neu ermittelten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA), wonach in den vergangenen 6 Monaten die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze um 19.100 gesunken sei, kritisierte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer. Dieses für die Wirtschaft trotz des Konjunkturaufschwungs höchst blamable Ergebnis widerspricht allen Schönredereien von Arbeitgebern und Regierung, die keine Gelegenheit auslassen, die angeblichen Erfolge des sogenannten Ausbildungspakts zu feiern. Tatsache ist, dass die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen weiter sinkt und junge Menschen nach wie vor größte Schwierigkeiten haben, eine Ausbildung zu erhalten oder gar einen Wunschberuf zu erlernen. An einer Ausbildungsplatzumlage geht deshalb kein Weg mehr vorbei, betonte Sommer.
Der DGB-Vorsitzende wies darauf hin, dass die rechnerische Ausbildungslücke gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur deshalb zurückgehe, weil die Bundesagentur auf Initiative des DGB ein Sonderprogramm für außerbetriebliche Ausbildung aufgelegt und die Plätze um 6.500 erhöht habe. Gleichzeitig sei die Nachfrage der Jugendlichen bisher um 35.700 gesunken. Dennoch entfallen auf eine freie Berufsausbildungsstelle 1,62 Bewerber (im Osten: 2,43); im Jahr 2004/ 2005 betrug das Verhältnis im bundesweiten Schnitt noch 1 zu 1,57. Zudem befänden sich nach wie vor hunderttausende junger Menschen in Warteschleifen. Allein gut 100.000 Teilnehmer absolvierten berufsvorbereitende Kurse.
Hauptschulabsolventen, vor allem mit Migrationshintergrund, hätten immer schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz, bemängelte Sommer. Nur ein Drittel der Bewerber mit Hauptschulabschluss habe im vergangenen Jahr eine nicht geförderte Berufsausbildung aufnehmen können. Gleichzeitig suche ein Fünftel der Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz finden, Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt. Damit steige die Zahl unqualifizierter und schlecht bezahlter Arbeitskräfte, deren Jobs häufig von Arbeitslosigkeit bedroht seien.
Neben der Ausbildungsplatzumlage fordert der DGB angesichts dieser trostlosen Lage auf dem Ausbildungsmarkt:
- Deutlich mehr betriebliche Ausbildungsplätze. Andernfalls gefährden die Arbeitgeber selbst die duale Ausbildung und provozieren Fachkräftemangel.
- Höhere Bildungsinvestitionen der Länder, um den Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluss oder ohne Ausbildungsreife drastisch zu reduzieren.
- Eine verstärkte sprachliche und schulische Förderung von Ausländern, deren Ausbildungsanteil zudem signifikant erhöht werden muss.
- Korrekturen, welche die jederzeitige Teilnahme von Altbewerbern in Berufsvorbereitung an einer außerbetrieblichen Ausbildung ermöglichen.
- Eine wirksame und zielgerichtete Verwendung der Mittel für die sowieso kritischen Einstiegsqualifikationen, die wie ein Langzeitpraktikum wirken. So hatte nach Angaben der BA jeder zweite geförderte Jugendliche einen mittleren oder höheren Schulabschluss, obwohl das Programm eigentlich für marktbenachteiligte Jugendliche ohne Ausbildungsplatz ausgelegt ist. Die Teilnehmerzahl der Jugendlichen mit Hochschulreife war z.B. genau so hoch wie die derjenigen ohne Hauptschulabschluss.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesvorstand
Axel Brower-Rabinowitsch, Leiter, Presse- / Öffentlichkeitsarbeit, Finanzen
Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin
Telefon: (030) 24060-0, Telefax: (030) 24060-324
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