DGB-Studie: Junge Beschäftigte besonders häufig von prekärer Arbeit betroffen
(Berlin) - Als alarmierend" bezeichnete die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock die Ergebnisse der DGB-Jugend-Studie zur Qualität der Arbeit junger Beschäftigter, die der DGB am Mittwoch (28. November 2007) in Berlin vorgestellt hat. Es ist die erste repräsentative Untersuchung, die sich den Hauptformen prekärer Beschäftigung der unter 30jährigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer widmet: befristete Arbeitsplätze, Minijobs, Zeitarbeit und unfreiwillige Teilzeitjobs.
Ausgerechnet die jüngere Generation zählt zu den Verlierern auf dem Arbeitsmarkt, sagte Ingrid Sehrbock. Unter 30-Jährige sind deutlich besser ausgebildet als Ältere und dennoch überdurchschnittlich häufig von prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen. Dabei brauchen gerade Jüngere eine Arbeit, die Planbarkeit gewährleistet sowie ein Einkommen, mit dem sie ihr Auskommen haben. Sonst wird die von uns ohnehin abgelehnte Rente mit 67 für sie zur Armutsfalle, und die viel beschworene Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt ein reines Lippenbekenntnis."
Die Studie belegt u.a., dass 53 Prozent der jungen Beschäftigten trotz ihrer kurzen Erwerbsbiographie bereits mindestens einen befristeten Arbeitsvertrag hatten, während es in der Vergleichsgruppe der über 30-Jährigen nur" 33 Prozent sind. Auch von Zeitarbeit sind Jüngere überdurchschnittlich häufig betroffen: 15 Prozent der unter 30-Jährigen gegenüber acht Prozent der Älteren.
99 Prozent der Befragten ist ein ausreichendes, leistungsgerechtes Einkommen wichtig oder sehr wichtig. Doch Wunsch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander: 38 Prozent der jüngeren Beschäftigten erhalten ein monatliches Bruttogehalt von unter 1500 Euro trotz Vollzeitarbeit.
95 Prozent der unter 30-Jährigen wünschen sich Arbeitsplatzsicherheit. Das straft all diejenigen Lügen, die uns weismachen wollen, junge Leute fänden es aufregend, wie `moderne Arbeitsnomaden´ quer durch die Republik von Unternehmen zu Unternehmen zu ziehen", unterstrich die stellvertretende DGB-Vorsitzende. Viele junge Menschen sind flexibel und auch hoch motiviert, aber nur, wenn sie existenzsichernde Arbeit zu erwarten haben, die nicht krank macht und ihnen zudem Entfaltung, Aufstiegsmöglichkeiten und ein gutes Betriebsklima verspricht."
Es müsse Politik und Unternehmer aufrütteln, wenn über die Hälfte der unter 30-Jährigen Beschäftigten angibt, sich nach der Arbeit leer und ausgebrannt zu fühlen. Sie glauben nicht, unter den gegenwärtigen Arbeitsanforderungen bis zur Rente durchzuhalten, betonte Ingrid Sehrbrock und mahnte dringendes Umsteuern hin zu guter Arbeit an. Schon heute lastet auf den bis zu 30-Jährigen ein enormer Druck. Und er wird in den nächsten Jahrzehnten angesichts der alternden Gesellschaft noch zunehmen, wenn die Jüngeren für den Wohlstand vieler sorgen müssen.
Der DGB fordert Gute Arbeit, und das ist für uns ein unbefristetes Normalarbeitsverhältnis mit sozialer Sicherung, angemessenem Einkommen, Tarifvertrag sowie Mitbestimmung im Betrieb.
Um Gute Arbeit" zu erreichen, fordert der DGB u.a.:
- Eindämmung der Zeitarbeit sowie gleiche Bezahlung und Behandlung der Stammbelegschaft und der Zeitarbeitnehmer/innen.
- Einführung gesetzlicher Mindestlöhne nicht unter 7,50 Euro pro Stunde, damit Wettbewerb nicht länger über Löhne ausgetragen wird.
- Eindämmung befristeter Arbeitsverhältnisse und einen gesetzlichen Anspruch auf Übernahme, wenn im Unternehmen Arbeitskräftebedarf besteht.
- Einschränkung der Minijobs, da sie sozialversicherungspflichtige Arbeit verdrängen.
- Gesetzliche Regelungen für Praktika nach dem Hochschulabschluss: Praktika müssen ein Lernverhältnis sein und dürfen keine reguläre Arbeit ersetzen; sie sollten auf drei Monate befristet und angemessen entlohnt werden.
- Gleichstellung von Männern und Frauen bei der Bezahlung sowie bei den Aufstiegschancen.
- Vereinbarkeit von Beruf und Familie, damit sich auch Eltern beruflich kontinuierlich weiter entwickeln können. Wichtig ist daher der Ausbau qualitativ guter Kinderbetreuungseinrichtungen sowie individuelle Arbeitszeitgestaltung im Sinne der Familien.
Ingrid Sehrbrock: Ein positives Ergebnis der DGB-Jugend-Studie ist es, dass sich fast 80 Prozent der Befragten vorstellen können, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Das zeige, dass junge Arbeitnehmerinnen weder gleichgültig sind noch resigniert haben: Sie wollen sich für ihre berufliche Zukunft einsetzen. Jetzt sind sowohl Politik als auch Unternehmen in der Bringschuld: Man muss die Jüngeren fördern. Sie sind unsere Zukunft!"
Die Studie ist eine Sonderauswertung der DGB-Jugend aus dem DGB-Index Gute Arbeit. Dafür wurden über 1000 unter 30-Jährige Beschäftigte ohne Auszubildende sowie als Vergleichsgruppe über 5000 über 30-Jährige nach ihrer Arbeits- und Einkommenszufriedenheit befragt.
Die komplette Studie finden Sie auf der DGB-Homepage:
http://www.dgb.de/themen/themen_a_z/abisz_doks/g/Gute_Arbeit_Index_Junge_Beschaeftigte.pdf.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesvorstand
Axel Brower-Rabinowitsch, Leiter, Presse- / Öffentlichkeitsarbeit, Finanzen
Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin
Telefon: (030) 24060-0, Telefax: (030) 24060-324
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