Pressemitteilung | Deutscher Bauernverband e.V. (DBV)
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Die Agrarmärkte im Jahr 2005 / Eine Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes

(Berlin) - Zum Jahresende hat der Deutsche Bauernverband (DBV) die Bilanz auf den Agrarmärkten des Jahres 2005 bewertet und einen Ausblick auf mögliche Entwicklungen im Jahr 2006 gegeben. Auf den meisten Hauptmärkten zeigte sich im Jahresverlauf eine recht ausgeglichene Situation, die den Landwirten vergleichsweise stabile, zum Teil sogar festere Preise brachte.

Der Markt für Bio-Erzeugnisse erfuhr im Jahr 2005 abermals eine Belebung. Nach Erhebungen der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) sind im Vergleich zum Vorjahr die Umsätze in den ersten drei Quartalen 2005 sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch im klassischen Naturkostbereich durchschnittlich um 10 bis 15 Prozent gewachsen. Wenngleich die Preissituation die Landwirte überwiegend nicht befriedigt, ist doch bei Getreide, Kartoffeln und Fleisch eine Preiserholung im Vergleich zum Vorjahr festzustellen. Für 2006 ist mit einer anhaltenden Nachfragesteigerung zu rechnen. Lebensmitteleinzelhandel und Discounter werden ihr Sortiment an Biolebensmitteln ausweiten.

Das abgelaufene Milchwirtschaftsjahr 2005 war vor allen Dingen durch eine steigende Milchanlieferung gekennzeichnet. Bei Käse haben aufgrund der gestiegenen privaten Nachfrage die Absatzzahlen angezogen, dagegen sind deutlich rückläufige Absatzmengen für alle anderen Bereiche zu erkennen. Exporte und Importe wiesen überwiegend rückläufige Tendenzen auf. In fast allen Produktsegmenten gaben die Preise nach. Dies führte dazu, dass auch im Jahr 2005 die Milchpreise nachgegeben haben. Im Jahr 2005 ist mit einem durchschnittlichen Milchpreis von 27,5 Cent/kg (3,7 Prozent Fett, 3,4 Prozent Eiweiß) zu rechnen. Für das Jahr 2006 wird erwartet, dass sich die Milchanlieferung auf dem Niveau der Vorjahre stabilisiert. Dies würde bedeuten, dass trotz der Erhöhung der Garantiemenge in Deutschland um 139.300 t eine weitere Zunahme der Anlieferung eher unwahrscheinlich ist. Der Buttermarkt in 2006 wird unter noch schwierigeren Vorzeichen stehen als in 2005. Durchaus positive Ausblicke sind für den Eiweißmarkt in 2006 vorhanden. Zusammen mit der Verwertung von Molke ist zu erwarten, dass der Käsemarkt auch in 2006 weiterhin positive Impulse im Milchmarkt setzen wird.

Die Getreideernte des Jahres 2005 war durchwachsen: Nach zunächst guter Bestandsentwicklung führte widrige Witterung zur Ernte für Verdruss bei den Landwirten und verminderten Mengen und Qualitäten. Mit 23,4 Millionen Tonnen Winterweizen blieb die Erntemenge hinter der letztjährigen Rekordernte (25,43 Millionen Tonnen) zurück, die einen Preis- und Mengendruck auf den Märkten in Europa ausgelöst hatte. Erstmals wurden von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 200.000 Tonnen Roggen zur Verarbeitung zu Bioethanol ausgeschrieben. Die regional sehr heterogen verteilten Erntemengen und Qualitäten sowie Transportprobleme aufgrund von Niedrigwasser führten zu sehr unterschiedlichen Preisen. So liegt Eliteweizen im Süden und Südwesten der Republik derzeit bei Erzeugerpreisen von 97 Euro/t bis 110 Euro/t, wohingegen in hafennahen Regionen im Norden und Nordosten Preise von 116 Euro/t bis 120 Euro/t erzielt werden. Zur kommenden Ernte wird in Europa und auch Deutschland mit einer leichten Ausdehnung des Weizenanbaus gerechnet. Insgesamt wird jedoch ein leicht verringerter Getreideanbau prognostiziert.

Trotz einer erneuten Ausdehnung der Schweineproduktion von etwa 3 Prozent und einer Zunahme der Importe von Ferkeln und Schlachtschweinen haben sich die Schweinepreise aus Erzeugersicht im Kalenderjahr 2005 gut gehalten. Im ersten Halbjahr wurde das schwache Vorjahresniveau um 10 Cent/kg übertroffen. Mitte des Jahres rutschten die Erzeugerpreise zwar unter das Vorjahresniveau, zeigten aber dann wieder einen deutlichen Aufwärtstrend. Auch für das kommende Jahr 2006 wird mit einem weiteren Anstieg der Schweinefleischproduktion in Deutschland gerechnet. Aus den vorläufigen Ergebnissen der Viehzählung von Anfang November zeichnet sich eine Ausdehnung des Schweinebestandes um etwa 2 Prozent ab. Gemessen an den Schlachtungen zeigt Deutschland seit einigen Jahren eine ständig steigende Tendenz zu immer höheren Produktionszahlen. Bei stagnierendem Schweinefleischkonsum kommt somit dem Export in Drittländer eine immer wichtigere Rolle zu. Die gute Nachfrage nach Schweinefleisch auf den Weltmärkten nimmt das Angebot offensichtlich auf, so dass das im laufenden Jahr zufrieden stellende Preisniveau auch im kommenden Jahr wieder erreicht werden kann.

Unmittelbar vor der mit der Agrarreform beschlossenen Entkopplung der Rinderprämien gab es Ende 2004 und zu Beginn des Jahres 2005 einen merklichen Anstieg der Schlachtungen von Bullen und Schlachtkühen. Hierdurch bedingt gingen die Erzeugerpreise deutlich zurück. Im weiteren Verlauf des Jahres 2005 sank die Eigenerzeugung Deutschlands um 8 Prozent auf ein vergleichsweise niedriges Niveau. Dies wiederum führte bei Jungbullen und Schlachtkühen zu einem kräftigen Preisanstieg. Der Preisvorsprung gegenüber dem Vorjahr erreichte im Juli mehr als 60 Cent/kg Schlachtgewicht. Im weiteren Verlauf des Jahres gaben die Preise aufgrund erhöhter Einfuhren von lebenden Rindern wieder nach, blieben aber über dem Vorjahresniveau. Im kommenden Jahr 2006 muss mit einem weiteren Rückgang der Rinderbestände gerechnet werden, das Tempo des Abbaus dürfte sich aber verlangsamen, da viele Bullenmäster auch unter den neuen agrarpolitischen Rahmenbedingungen noch Chancen für eine erfolgreiche Mast in Deutschland sehen.

Der Eierverbrauch in Deutschland wird sich zwar auf dem Vorjahresniveau behauptet haben, dennoch dürfte erstmals der Selbstversorgungsgrad unter die 70 Prozent-Marke gesunken sein. Nicht nur die deutsche Erzeugung sank 2005, auch EU weit lag der potenzielle Legehennenbestand unter dem Niveau von 2004. Nachdem 2004 der Anteil von Eiern aus Bodenhaltung im Lebensmitteleinzelhandel sprunghaft gestiegen war, hat sich der Zuwachs im Jahresverlauf 2005 deutlich verlangsamt. Auf in absoluten Mengen noch immer niedrigem Niveau konnten Bio-Eier zulegen. Die Verbraucherpreise zeigen, dass der Zuwachs der Boden¬haltungsware unter Preisdruck zustande kam. Im Jahr 2006 ist im Vergleich zum Vorjahr mit einer kleineren Eiererzeugung zu rechnen. Von der Angebotsseite her gibt es daher Chancen für eine erzeugerfreundliche Preisentwicklung, auf der Nachfrageseite ist mit anhaltend stabilen Tendenzen zu rechnen.

Die Geflügelfleischproduktion in Deutschland stieg im Verlauf dieses Jahres erneut. Die Schlachtungen von Hähnchen dürften um rund 3 Prozent und die von Puten um gut 1 Prozent zugelegt haben. Die Importe von Geflügelfleisch übertrafen 2005 die Vorjahreslinie. Obwohl auch die Exporttätigkeit wuchs, dürfte der Markt insgesamt umfangreicher mit Geflügelfleisch versorgt gewesen sein als 2004. Die Preise auf Großhandelsebene zogen im Verlauf des Jahres 2005 an. Sowohl im Hähnchen als auch im Putensektor wurde die Vorjahreslinie seit dem zweiten Quartal übertroffen. Auch die Erzeugerpreise für Masthähnchen konnten sich im Verlauf des Jahres deutlich festigen und lagen seit Juli wieder über der Vorjahreslinie.

Die Obsternte in Deutschland hat aufgrund der Witterungsverhältnisse bei Äpfeln zu einer annähernd vergleichbaren Erntemenge geführt wie im Vorjahr. Hingegen wurden die Erntemengen des Vorjahres beim Steinobst und bei Birnen nicht erzielt. Bei Erdbeeren wurde eine überdurchschnittliche Ernte verzeichnet. Die Saison 2005/2006 ist bei Tafeläpfeln auf einem sehr niedrigen Preisniveau gestartet. Inzwischen wurde zumindest in manchen Gebieten das vorjährige Preisniveau wieder erreicht. Nun hängt es von den Ergebnissen in den konkurrierenden Ländern ab, wie sich der Markt weiter entwickeln wird, neue Bestandsmeldungen unter anderem aus Frankreich sind kein gutes Vorzeichen. Der Anbau von Freilandgemüse wurde zum ersten Mal in 2005 – nach der miserablen Preissituation in 2004 – auf etwa 110.000 Hektar eingeschränkt. Besonders deutliche Anbaueinschränkungen gab es bei Zwiebeln und Kopfkohl. Die Gemüseernte im Jahre 2005 hat mit etwa 3 Millionen Tonnen nicht die Rekordernte des Vorjahres erreicht.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Bauernverband e.V. (DBV), Haus der Land- und Ernährungswirtschaft Dr. Michael Lohse, Pressesprecher, Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit Claire-Waldoff-Str. 7, 10117 Berlin Telefon: (030) 31904-0, Telefax: (030) 31904-205

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