Die Bologna-Reform in Deutschland - Was noch zu tun ist!
(Berlin) - Wer Bologna sagt, denkt in erster Linie an eine der ehrwürdigsten Hochschulen Europas. Seit 1999 steht der Name aber auch für eine europaweite Studienreform in 45 Staaten: die Bologna-Reform, benannt nach dem Ort ihrer Entstehung. Ziel ist die europaweite Vergleichbarkeit von Hochschulabschlüssen durch Einführung von Bachelor und Master bis 2010. Der DIHK verspricht sich von der Studienreform eine bessere berufliche Qualifizierung der Hochschulabsolventen, höhere Internationalität und verbesserte Möglichkeiten der Anrechnung beruflicher Erfahrung. Am 17./18. Mai treffen sich die Bildungsminister der beteiligten Nationen zum vierten Mal in London, um die Umsetzung zu überprüfen und weitere Schritte einzuleiten. Der DIHK zeigt, wie es um die Fortschritte in Deutschland bestellt ist.
Die Umstellung geht voran
Die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master kommt oberflächlich betrachtet gut voran: Drei Jahre vor Ablauf der Frist 2010 sind 48 Prozent des Studienangebotes auf die neuen Abschlüsse umgestellt. Im Gegensatz zu den Fachhochschulen tun sich die Universitäten aber bei der Umstellung schwer. Dort sind erst 30 Prozent der Studiengänge reformiert. Studiengänge wie Jura oder Medizin haben mit der Umstellung noch nicht einmal begonnen. Hintergrund: Der Nutzen der Reform wird in einigen Bereichen immer noch bezweifelt.
Der DIHK fordert eine schnellere und konsequentere Umstellung aller Studiengänge. Ein Nebeneinander von Bachelor und Master sowie Diplom, Magister und Staatsexamina verringert die europaweite und nationale Akzeptanz der Abschlüsse bei Unternehmen und Studierenden.
Sorge um Praxiswissen
Die Beschäftigungsfähigkeit der Bachelor-Absolventen ist ein wichtiges Ziel der Reform. Um dieses Ziel ist es einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zufolge schlecht bestellt: 20 Prozent der Studienangebote vermitteln Sozialkompetenz, Praxiswissen und internationale Kompetenzen kaum oder gar nicht.
Der DIHK fordert die mutige Neukonzeption der Studieninhalte. Praxisphasen, Fallstudien und eigenständige Projektarbeiten müssen stärker in die Studiengänge integriert werden. Hierfür müssen sich auch die Hochschullehrer regelmäßig didaktisch weiterbilden.
Europaweit große Unterschiede
Die europaweite Vergleichbarkeit der Abschlüsse ist bisher nicht überzeugend. Die Studiengänge werden jeweils durch nationale Agenturen akkreditiert. Die Qualität der Studiengänge und die Akkreditierung sind aber europaweit sehr heterogen, die Qualitätssicherungsverfahren unterscheiden sich stark.
Der DIHK fordert, die Qualität im gesamten europäischen Hochschulraum sicherzustellen. Akkreditierung ist hier zwar der richtige Weg, das Akkreditierungssiegel muss aber europaweit verlässlich für die Qualität eines jeden Studiengangs bürgen. Die nationalen Agenturen müssen grenzüberschreitend zusammenarbeiten und verbindliche Qualitätskriterien entwickeln.
Mangelnde Anrechnung beruflicher Kompetenzen
Über den Bologna-Prozess hinaus müssen auch Kompetenzen aus der beruflichen Aus- und Weiterbildung anerkannt und auf Studieninhalte angerechnet werden.
Der DIHK fordert, dass die bundesländerspezifisch unterschiedlichen Regelungen zum Hochschulzugang vereinheitlicht werden. Die Hochschulen sollten auch diejenigen zum Studium zulassen, die kein Abitur haben, sondern eine berufliche Ausbildung. Berufserfahrung muss dazu führen, ein Studium zu verkürzen: Eine Anrechnung der Berufspraxis auf ein Studium ist daher unerlässlich.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
Pressestelle
Breite Str. 29, 10178 Berlin
Telefon: (030) 203080, Telefax: (030) 203081000
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