Ein Jahr nach der Wahl – wo bleibt das Herz für unsere Kinder?
(Berlin) - Der Koalitionsvertrag versprach einen Aufbruch, in dem Familien endlich „im Mittelpunkt“ stehen. Doch nach einem Jahr Regierungsarbeit zieht die Deutsche Kinderhilfe eine Bilanz, die schmerzt: Hinter glänzenden Versprechen und Milliarden-Zahlen sind wir ernüchtert.
Kinderbetreuung ein Balanceakt für Familien
Der Alltag von Familie sollte erleichtert werden – doch Kinderbetreuung bleibt ein Balanceakt ohne Netz. „Wenn der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen im August 2026 kommen soll, während heute schon das System kollabiert, fragen wir uns: Wo ist die Vision, die über das Verwalten des Mangels hinausgeht?“, so Dr. Luisa Becker-Ritterspach, Expertin für Bildung der Deutschen Kinderhilfe.
Bildung – Ein Tropfen auf den heißen Stein
„Vier Milliarden Euro für Kitas klingen gewaltig, sind angesichts der systemischen Defizite aber kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“, kommentiert Yade Lütz, Expertin für frühkindliche Bildung der Deutschen Kinderhilfe. Aufgrund der mangelhaften Personalausstattung in den meisten deutschen Kitas, bleibt fatalerweise nicht nur die Qualität in der frühkindlichen Bildung auf der Strecke, die hohen Belastungen führen nicht selten auch zu pädagogischem Fehlverhalten gegenüber den Kindern.
Diagnose Stillstand: Deutschlands Kinder brauchen JETZT Hilfe
“Auch bei der Kindergesundheit muss dringend mehr passieren. Depressionen, Angst- und Essstörungen – mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland ist psychisch belastet. Doch nach einem Jahr Regierungszeit liegen weder die angekündigte Strategie „Mentale Gesundheit für junge Menschen“ noch die Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche vor. Stattdessen wurde das vom Bund geförderte Modellprojekt „Mental Health Coaches“ eingestellt – ein fatales Signal an die Jugend, die JETZT dringend Hilfe benötigt.
Kinderarmut wird nicht aktiv bekämpft
Noch immer fehlt es in Deutschland an einer soliden finanziellen Absicherung, die Kinderarmut effektiv bekämpft und jedem Kind von Anfang das Recht auf soziale Sicherheit gewährt. Das Kindergeld wurde erhöht. Es gibt einen Sofortzuschlag von 25 Euro. Doch an den strukturellen Problemen von Kinderarmut ändert das nichts. Auch die jüngsten Vorschläge der Reformkommission zur Sozialstaatsreform vermögen das nicht zu verbessern. „Die angedachte Zusammenlegung verschiedener Sozialleistungen ist zur Bürokratie- und Zugangsvereinfachung für bedürftige Familien sinnvoll, aber sie allein füllt keine Kühlschränke und sichert keine Bildungschancen“, so Dr. Luisa Becker-Ritterspach. „Politik für Kinder darf kein Rechenexempel sein, das am Ende immer mit einem Minus für die Schwächsten schließt“, mahnt die Deutsche Kinderhilfe. Die Bundesregierung muss aufhören, Familien als Kostenfaktor zu sehen. Sie sind das Fundament unserer Gesellschaft. Ein Jahr ist vorbei – es ist Zeit, dass Familien endlich in den Fokus der Politik gerückt werden.
Schutz unserer Kinder vor Gewalt muss verbessert werden
Im Hinblick auf den Schutz unserer Kinder vor Gewalt zieht die Deutsche Kinderhilfe eine kritische Bilanz nach einem Jahr unter der neuen Bundesregierung. Es ist dringend notwendig, verstärkte Maßnahmen zum Schutz vor häuslicher und sexualisierter Gewalt zu ergreifen. Besonders im Kampf gegen Missbrauchsdarstellungen im Internet sehen wir großen Handlungsbedarf.
Ein zentrales Anliegen der Deutschen Kinderhilfe ist die Unterstützung des neuen Vorschlags der EU-Kommission zur freiwilligen Chatkontrolle. Diese Maßnahme ist aus unserer Sicht entscheidend, um die Verbreitung von Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder effektiv zu bekämpfen. Dana Zelck, Fachreferentin für Gewaltschutz bei der Deutschen Kinderhilfe, betont: „Es liegt in unserer Verantwortung, die Verbreitung von CSAM (Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs) zu stoppen und den Schutz unserer Kinder zu gewährleisten. Der aktuelle EU-Kompromiss bietet eine sinnvolle Lösung, die sowohl den Schutz der Privatsphäre respektiert als auch effektive Strafverfolgung ermöglicht.“
Wir appellieren an die Bundesregierung, diesen Vorschlag aktiv zu unterstützen und schnell die notwendigen rechtlichen Grundlagen auf europäischer Ebene zu schaffen. Unsere Kinder haben ein Recht darauf, in einer sicheren Umgebung aufzuwachsen. Daher muss die Bundesregierung endlich Verantwortung übernehmen und entschlossen handeln. Trotz der Einführung einer Gewaltschutzstrategie gibt es erhebliche Defizite, insbesondere bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention. Gunnar Hinrichs, Fachreferent für Gewaltschutz, fordert: „Wir müssen Kinder endlich als eigenständige Opfer häuslicher Gewalt anerkennen, dies normativ festlegen und ausreichend spezifische Unterstützungsangebote schaffen.“
Wir werden auch weiterhin wachsam bleiben und die Regierung an ihre Verpflichtungen erinnern, um den Schutz von Kindern vor Gewalt nachhaltig zu verbessern.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutsche Kinderhilfe - Die ständige Kindervertretung e.V., Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin, Telefon: 030 24342940
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen


