Ein Viertel hat schon heimlich ins Partner-Handy geschaut
(Berlin) - Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? In einigen Beziehungen scheint dieser Satz auch im Digitalen zu gelten: Ob WhatsApp-Nachrichten, Social-Media-Accounts, Fotos oder Browserverlauf – das Smartphone der Partnerin oder des Partners ist nicht für alle tabu. 26 Prozent derjenigen, die schon einmal in einer Beziehung waren, haben das Handy ihres Partners oder ihrer Partnerin bereits ohne ausdrückliche Erlaubnis durchsucht. Besonders verbreitet ist das heimliche Handy-Schnüffeln unter Jüngeren: Bei den 16- bis 29-Jährigen geben 43 Prozent an, schon einmal einen Blick in das Smartphone der Partnerin oder des Partners geworfen zu haben. Die Motive reichen von Neugier bis Untreueverdacht – und die Gefühle danach sind gemischt: Manche fühlen sich bestätigt oder erleichtert, andere enttäuscht, wütend oder haben ein schlechtes Gewissen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 1.449 Personen in Deutschland ab 16 Jahren.
Demnach sagen 10 Prozent der Befragten mit Beziehungserfahrung, sie hätten das Smartphone ihrer Partnerin oder ihres Partners bereits öfter heimlich durchsucht. 16 Prozent haben es vereinzelt getan, weitere 10 Prozent haben es zwar noch nie getan, können sich aber vorstellen, es künftig zu tun. 60 Prozent schließen die heimliche Durchsuchung des Partnerhandys aber kategorisch aus. Die häufigsten Gründe für das heimliche Durchsuchen sind Neugier und Misstrauen. 31 Prozent derjenigen, die schon einmal das Partner-Smartphone durchsucht haben, sagen, sie seien einfach neugierig gewesen. Ebenfalls 31 Prozent hatten den Verdacht, dass ihr Partner oder ihre Partnerin untreu ist. 25 Prozent vermuteten, dass der Partner oder die Partnerin bei einem anderen Thema unehrlich ist. 23 Prozent nennen frühere Vertrauensbrüche als Grund. 17 Prozent sagen, sie hätten grundsätzlich das Bedürfnis, genau zu wissen, mit wem der Partner oder die Partnerin schreibt.
Nach dem heimlichen Blick ins Handy folgt jedoch nicht nur Erleichterung. 25 Prozent fühlten sich danach bestätigt, 23 Prozent erleichtert. Gleichzeitig waren 22 Prozent enttäuscht, jeweils 20 Prozent hatten ein schlechtes Gewissen oder waren wütend. 18 Prozent sagen, es sei ihnen eher egal gewesen, 14 Prozent waren verunsichert.
„Das Smartphone ist für viele Menschen der persönlichste digitale Raum überhaupt, mit privaten Nachrichten und Fotos, aber auch mit Gesundheitsdaten, Zahlungsinformationen oder beruflichen Zugängen“, sagt Bitkom-Expertin Leah Schrimpf, Leiterin Digitale Gesellschaft. „Digitale Grenzen sind Beziehungssache und können gemeinsam besprochen werden. Manche Paare teilen Passwörter oder Standorte freiwillig, andere möchten bewusst getrennte digitale Räume behalten.“
Auch auf der anderen Seite haben viele entsprechende Erfahrungen gemacht: 16 Prozent aller Befragten geben an, dass ihr eigenes Smartphone bereits ohne ausdrückliche Erlaubnis von einer aktuellen oder ehemaligen Partnerin beziehungsweise einem Partner durchsucht wurde. Weitere 8 Prozent sind sich nicht sicher, vermuten es aber. Unter den 16- bis 29-Jährigen berichten 22 Prozent, dass ihnen dies bereits passiert ist, weitere 12 Prozent vermuten es. Mitunter geschieht die digitale Nähe aber auch freiwillig: 20 Prozent aller Befragten haben in einer Beziehung bereits ihre Social-Media-Passwörter mit Partner oder Partnerin geteilt.
Auch unabhängig von Partnerschaften gilt: Smartphones enthalten heute eine Vielzahl sensibler Informationen. Nutzerinnen und Nutzer sollten die eigenen Geräte und Konten deshalb regelmäßig auf Sicherheit und Zugriffsrechte zu überprüfen.
Bitkom gibt Tipps zum Schutz des eigenen Smartphones:
* Starke Displaysperre nutzen: Statt einfacher Muster oder kurzer PINs besser einen längeren Gerätecode verwenden und zusätzlich Fingerabdruck oder Gesichtserkennung aktivieren.
* Vorschauen auf dem Sperrbildschirm begrenzen: Nachrichteninhalte, Codes oder sensible App-Benachrichtigungen sollten erst nach dem Entsperren sichtbar sein.
* Software aktuell halten: Updates für Betriebssystem und Apps schließen Sicherheitslücken und sollten zeitnah installiert werden.
* App- und Kontozugriffe prüfen: Regelmäßig kontrollieren, welche Apps Zugriff auf Standort, Fotos, Kontakte oder Mikrofon haben und welche Geräte mit Apple-ID, Google-Konto, Messenger- oder Social-Media-Accounts verbunden sind.
* Passwörter nicht unbedacht teilen: Zugangsdaten sollten grundsätzlich privat bleiben. Wer sie teilt, sollte dies bewusst tun und Passwörter bei Bedarf ändern.
* Standortfreigaben im Blick behalten: Geteilte Standorte lassen sich in den Einstellungen von Smartphone, Apps oder Cloud-Diensten überprüfen und jederzeit deaktivieren.Apps mit sensiblen Inhalten zusätzlich schützen: Banking- oder Authentifizierungsapps sollten so eingestellt sein, dass sie auch beim entsperrten Smartphone nicht ohne zusätzliche Identifizierung geöffnet werden können. Das lässt sich auch für weitere Apps, etwa Nachrichten oder Fotos, einrichten.
Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.449 Internetnutzerinnen und -nutzer in Deutschland ab 16 Jahren online befragt. Die Befragung fand im Zeitraum KW 3 bis KW 4 2026 statt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragen lauteten: „Wurde Ihr Smartphone schon ohne Ihre ausdrückliche Erlaubnis von Ihrer aktuellen oder ehemaligen Partnerin bzw. Ihrem Partner durchsucht, also z. B. Nachrichten gelesen, Social-Media-Accounts, Fotos oder der Browserverlauf überprüft?“; „Und haben Sie schon ohne ausdrückliche Erlaubnis das Smartphone Ihrer aktuellen oder ehemaligen Partnerin bzw. Ihres Partners durchsucht?“; „Warum haben Sie ohne Erlaubnis das Smartphone Ihrer Partnerin bzw. Ihres Partners durchsucht?“; „Wie haben Sie sich danach gefühlt?“ und „Welche der folgenden Dinge haben Sie in einer Beziehung bereits selbst getan?“
Quelle und Kontaktadresse:
Bitkom e.V., Nina Paulsen, Pressesprecher(in), Albrechtstr. 10, 10117 Berlin, Telefon: 030 27576-0
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