Pressemitteilung | DEGAM - Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V.
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Endlich: Zuckersteuer muss kommen!

(Berlin) - Zeit für vorsichtigen Optimismus: Nach Jahren des Stillstandes plant die Bundesregierung ab 2028 die Einführung einer Zuckersteuer – nicht auf alle Lebensmittel, aber nach Zuckergehalt gestaffelt als gezielte Abgabe auf gesüßte Getränke.

Die DEGAM unterstützt die geplante Besteuerung von besonders zuckerhaltigen Lebensmitteln schon lange. „Es ist höchste Zeit, dass Deutschland in der Verhältnisprävention endlich aufholt – und dazu gehört auch eine Zuckersteuer. Während andere Länder längst Erfahrungen mit höheren Steuern auf Zucker, Tabak und Alkohol sammeln, sammeln wir Argumente, warum man es nicht machen kann oder soll. Eine Zuckersteuer auf gesüßte Getränke wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung“, kommentiert Prof. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM.

Ein übermäßiger Konsum von Zucker ist mit der Entstehung zahlreicher chronischer Erkrankungen wie Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies assoziiert. Prof. Bettina Engel, Sprecherin der DEGAM-Sektion Prävention, erklärt: „In der hausärztlichen Praxis sehen wir jeden Tag die Folgen des übermäßigen Zuckerkonsums. Wir sehen auch, dass es in der Regel sehr schwer ist, das individuelle Verhalten zu ändern, wenn ungesunde Lebensmittel am billigsten sind und außerdem intensiv beworben werden.“

Höhere Preise und mehr Transparenz

Die Idee einer Steuer ist simpel: Über höhere Preise für besonders zuckerhaltige Getränke kann deren Konsum gesenkt werden. Internationale Erfahrungen zeigen zudem, dass Hersteller dann ihre Rezepturen durchaus ändern und weniger Zucker beimischen.

Auch in Puncto Transparenz ist noch Luft nach oben: Zucker in industriell verarbeiteten Lebensmitteln ist oft nur schwer erkennbar, da er unter verschiedenen Bezeichnungen geführt wird (Saccharose, Maltose, Fruktose, Agavendicksaft etc.) und Zuckerzusätze auch in Produkten enthalten sind, die nicht primär als süß wahrgenommen werden. So fällt es besonders schwer, eine „gesündere“ Entscheidung zu treffen. Vor diesem Hintergrund spricht sich die DEGAM für klare Kennzeichnungspflichten aus.

Die DEGAM weist noch auf einen weiteren problematischen Aspekt hin: Zucker wirkt im zentralen Nervensystem ganz ähnlich wie der Konsum von Drogen. Die DEGAM fordert, dass dieses Suchtpotenzial klar sichtbar gemacht wird. „Natürlich ist der Staat nicht dafür verantwortlich, wer was und wieviel isst oder trinkt. Er sollte aber – wie bei anderen Suchtmitteln auch – dafür Sorge tragen, dass leicht zugängliche Nahrungsmittel nicht krank machen“, ergänzt Dr. Ilja Karl, stellvertretender Sprecher der DEGAM-Sektion Prävention.

Steuer als Teil eines Gesamtpakets

Die DEGAM setzt sich für ein interdisziplinär abgestimmtes Vorgehen ein: Die Zuckersteuer sollte ein wichtiger Bestandteil eines Gesamtpaketes sein: Neben der Besteuerung von Softdrinks und anderen stark zuckerhaltigen Lebensmitteln müssen auch die Zugänge zu gesunden Nahrungsmitteln vereinfacht werden, so dass eine gesunde Ernährung insgesamt selbstverständlicher wird. Gleichzeitig gilt es natürlich auch, die Bewegungsangebote in den Lebenswelten – also in Kita, Schule, Beruf – auszubauen.

Quelle und Kontaktadresse:
DEGAM - Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V., Natascha Hövener, Pressesprecher(in), Schumannstr. 9, 10117 Berlin, Telefon: 030 20 966 98 00

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