Pressemitteilung | DEGAM - Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V.
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Primärversorgung: konstruktive Vorschläge ableiten

(Berlin) - In einer aktuellen Evaluation der Techniker Krankenkasse (TK) werden die Vorteile der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) angezweifelt. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) weist auf die begrenzte Aussagekraft der Evaluation hin und macht sich gleichzeitig dafür stark, verbindliche und evidenzgestützte Standards als zentrale Elemente eines Primärversorgungssystems festzulegen.

Deutschland steht vor einem echten Umbau im Gesundheitswesen: Im Sommer wird das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einen Referentenentwurf zur Einführung eines Primärversorgungssystems vorstellen. Bereits jetzt werden die Pläne lebhaft diskutiert. Dazu gehört auch eine neue Evaluation der Techniker Krankenkasse (TK), die Ende letzter Woche vorgestellt wurde und einige Aufmerksamkeit erzielt hat: Die Ergebnisse zeigten keine Vorteile in der Steuerung und Mehrkosten in der Versorgung durch die TK-HZV-Verträge.

Verbindlichkeit als zentrales Element

Die DEGAM weist auf die begrenzte Aussagekraft der Evaluation hin und hält fest: Es ist international gut belegt, dass eine verbindliche Primärversorgung dazu beiträgt, die Qualität der Versorgung zu steigern, Krankenhauseinweisungen zu reduzieren und die Kosten zu senken. „Dabei kommt es vor allem auf die Verbindlichkeit an: Wird ein Vertrag mit geringer Verbindlichkeit und begrenzter Versorgungstiefe evaluiert, lassen sich daraus keine allgemeinen Aussagen über ein künftiges verbindliches Primärversorgungssystem ableiten“, kommentiert Prof. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM.

Vizepräsidentin Prof. Jutta Bleidorn ergänzt: „Wenn Versicherte zwar eingeschrieben sind, aber weiterhin direkte gebietsärztliche Zugänge nutzen und wenn Überweisungen keine priorisierende Funktion haben, wird nicht ein verbindliches Primärversorgungssystem evaluiert, sondern eine begrenzt steuernde Parallelstruktur. Geringe Effekte solcher Modelle sprechen daher nicht gegen hausärztliche Steuerung, sondern gegen ihre unzureichend verbindliche Ausgestaltung.“

Evidenzgestützte Kernelemente ableiten

Gleichzeitig empfiehlt die DEGAM, die Ergebnisse der Evaluation ernst zu nehmen, um daraus konstruktive Vorschläge abzuleiten. „Die Auswertung ist ein guter Anlass, erneut darauf hinzuwirken, dass wir uns darüber abstimmen, welche evidenzgestützten Kernelemente hausärztlicher Steuerung in ein verbindliches Primärversorgungssystem gehören. Dafür setzt sich unsere wissenschaftliche Fachgesellschaft ein“, so Vizepräsident Prof. Marco Roos. „Es ist uns ein großes Anliegen, uns an der gesundheitspolitischen Debatte zu beteiligen, um wissenschaftlich gestützte Anforderungen an die künftige Systemarchitektur eines Primärversorgungssystems einzubringen.“

Konkret bedeutet das: Ein Primärversorgungssystem wird nur dann sein Potenzial zur Steuerung entfalten, wenn alle steuernden Elemente umgesetzt werden: strukturierte Einschreibungen, verbindliche Koordinationsprozesse, Medikationsmanagement sowie definierte Schnittstellen zwischen Haus- und Gebietsfachärzten.

HZV in Baden-Württemberg als gelungenes Beispiel

Ein gutes Beispiel für die Implementierung dieser steuernden Elemente ist die HZV, wie sie von der AOK in Baden-Württemberg umgesetzt wird: Dort ist die HZV Teil einer umfassenden regionalen Versorgungsarchitektur, mit verbindlicher Koordination, Facharztprogramm-Anbindung, Multimorbiditätszuschlägen, Pflegeheim- und Palliativmodulen sowie digitaler Vernetzung. Die wissenschaftliche Evaluation konnte klar zeigen, dass es weniger Krankenhauseinweisungen gab, Gebietsfachärzte weniger in Anspruch genommen wurden, die Patientenzufriedenheit stieg und Kosten gespart werden konnten.

Quelle und Kontaktadresse:
DEGAM - Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V., Natascha Hövener, Pressesprecher(in), Schumannstr. 9, 10117 Berlin, Telefon: 030 20 966 98 00

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