Ernte mit großen Schwankungen / Erntepressefahrt: Anstieg der Produktionskosten macht Landwirten schwer zu schaffen
(Emling / München) - Die Landwirte in Bayern gehen dieses Jahr je nach Region mit sehr unterschiedlichen Erwartungen in die Ernte. Dies wurde heute bei der traditionellen Erntepressefahrt des Bayerischen Bauernverbandes gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten deutlich. In Nordbayern ist die Stimmung trübe, zum Teil sehr trübe. In Südbayern dagegen erwartungsfroh, sagte der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner am 21. Juli 2008 bei der Besichtigung von Getreidebeständen in Emling im Landkreis Erding. Das Ergebnis der bayerischen Getreideernte 2008 dürfte mit ca. 7 Mio. Tonnen (ohne Körnermais) durchschnittlich ausfallen. Aufgrund der Aussetzung der Flächenstilllegung stieg die Getreideanbaufläche im Jahr 2008 um 4,2 Prozent auf 1,28 Mio. Hektar in Bayern. Somit liegt das Ergebnis über der Getreidemenge von 6,8 Tonnen im Jahr 2007. In Deutschland zeichneten sich ebenfalls erhebliche Schwankungen bei den Erträgen ab, vor allem im ost- und norddeutschen Raum litt das Getreide unter den ausbleibenden Regen im Mai und Juni. Expertenschätzungen gehen von 43 bis 44 Mio. Tonnen Getreide aus, aufgrund der Aufhebung stillgelegter Flächen wären dies 4 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahr.
Die ersten Ernteergebnisse zeigten enorme Spannweiten. In Trockengebieten Frankens und der Oberpfalz würden teils katastrophale Erntemengen gemeldet: Nur 35 Dezitonnen je Hektar bei Wintergerste, wo sonst 65 Dezitonnen je Hektar im Durchschnitt der Jahre gedroschen würden. Ähnlich bei Raps: Anstatt über 30 bis 40 Dezitonnen je Hektar lägen die ersten Meldungen bei 20 bis 30 Dezitonnen je Hektar. Die viehhaltenden Betriebe fürchten in diesen Regionen um die Futtergrundlage für ihre Tiere im Winter. Gras verdorrt und der Mais lechzt nach Wasser. Ertragseinbußen von 20 bis 50 Prozent werden bei Mais jetzt schon erwartet, berichtete Sonnleitner.
Ganz anders dagegen stelle sich die Situation in Südbayern und in Gebieten Nordbayerns dar, wo ausreichende Niederschläge für ein gutes Wachstum sorgten.
In der Kornkammer Bayerns, in Niederbayern würden nach ersten Schätzungen die Erträge bei Gerste, Weizen und Raps das sehr gute Vorjahrniveau aber auch nicht erreichen.
Wenn man den Expertenmeinungen glauben schenken darf, liegen der weltweite Verbrauch und die weltweite Produktion von Getreide im Wirtschaftsjahr 2008/09 gleich auf. Damit bleiben die Lagerbestände weltweit auf einem niedrigen Niveau, sagte Bauernpräsident Sonnleitner. Diese Faktoren sorgten zwar für einen erfreulichen Anstieg der Preise für Getreide. Allerdings schlagen die enorm gestiegenen Produktionskosten bei den Betrieben zu Buche. Zählt man alle Preissteigerungen der letzten beiden Jahre für Dünger, Pflanzenschutz, Trocknung, Kraftstoffe und Saatgut zusammen, summierten sich diese auf über 270 Euro je Hektar zusätzliche Ausgaben. Dies entspricht einer Steigerung von 54 Prozent.
Angesichts der Diskussion über steigende Lebensmittelpreise kritisierte der Bauernpräsident, die Produktion von Bioenergie als Hauptursache zu sehen. In der EU seien es zwei Prozent der Getreideernte, die für Biokraftstoffe verwendet würden. Daraus die Gründe für den Preisanstieg bei Nahrungsmitteln abzuleiten, stelle einfachstes Rechnen auf den Kopf. Von Ernteschwankungen gingen ganz andere Preiswirkungen aus. Vielmehr müsste sich die Gesellschaft über den großen Flächenverbrauch Sorgen machen. Allein in Bayern würden täglich rund 25 Fußballfelder oder 20 Hektar Fläche verbraucht und zusätzlich würde ein Vielfaches an weiteren Nutzflächen den Bauern über Ausgleichsmaßnahmen entzogen. Würden diese Flächen genutzt, könnten rein rechnerisch jährlich mehr als 31 000 Menschen zusätzlich ernährt werden.
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