EU bestätigt BLLV: Die schulische Auslese ist zu früh / BLLV-Präsident Albin Dannhäuser fordert ideologiefreie Nachdenklichkeit
(München) - Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) sieht sich durch die massive Kritik der Bildungsminister der Europäischen Union an der frühen Auslese von Kindern in deutschen Schulen bestätigt. BLLV- Präsident Albin Dannhäuser stellte fest: Auch wenn Schulpolitik Sache der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und der deutschen Bundesländer ist, muss zur Kenntnis genommen werden, dass in allen Industriestaaten der Welt mit Ausnahme Deutschlands, Österreichs und Luxemburgs die Schüler nicht bereits nach einer vierjährigen Grundschulzeit, sondern deutlich später verschiedenen Schularten zugewiesen werden. Die Erfolge der PISA-Siegerländer im internationalen Vergleich beweisen, dass eine längere gemeinsame Schulzeit die Leistungsentwicklung nicht schmälert, sondern eher fördert. Der BLLV- Präsident weiter: Vordringlich wäre es, vom schulpolitischen Mythos Abschied zu nehmen, dass durch frühe Auslese und leistungshomogene Klassen Schülerinnen und Schüler besser gefördert würden. Bisher haben die beiden PISA-Studien dafür keine Belege geliefert.
Dass die frühe Auslese fragwürdig ist, wird durch die hohe Zahl der Schüler, die die gewählte Schulart wechseln, bestätigt: So verließen im Schuljahr 2004 über 14. 000 Schüler das Gymnasium und 5.900 Schüler die Realschule vorzeitig. Traurige Tatsache ist auch, so Dannhäuser, dass die gesamte Grundschulzeit inzwischen unter dem Druck des frühen Auslesezeitpunkts nach der vierten Jahrgangsstufe leidet. Spätestens ab der dritten Jahrgangsstufe dreht sich alles um Punkte, Noten und Berechtigungen. Dadurch würde die Grundschule pädagogisch deformiert und verkomme mehr und mehr zum sozialen Rüttelsieb. Feststehe, dass in keinem der durch die PISA-Studien untersuchten Länder der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulkarriere so groß ist wie in Deutschland und in keinem Bundesland so groß wie in Bayern. Ein Akademikerkind hat eine 10-mal höhere Chancen das Abitur abzulegen als ein Arbeiterkind! Kinder aus bildungsfernen Familien haben kaum eine Chance, sozialbedingte Defizite innerhalb von vier Grundschuljahren auszugleichen. Dannhäuser: Ein demokratisches Schulsystem müsste diese soziale Benachteiligung wenigstens abmildern und dürfte sie nicht auch noch verstärken.
Nach dem Berufsverständnis von Lehrerinnen und Lehrern sei es das zentrale Ziel, Schüler zu fördern statt auszulesen, zu ermutigen statt zu enttäuschen, anzunehmen statt auszugrenzen. Auch wenn es in Deutschland und Bayern keinen gesellschaftlichen Resonanzboden für eine längere gemeinsame Schulzeit an öffentlichen Schulen gebe, werde der BLLV das frühe, sozial ungerechte und kaum leistungsfördernde Auslesesystem nicht akzeptieren. Der BLLV vertritt die Idee einer längeren gemeinsamen Schule für alle Kinder bereits seit der Reichsschulkonferenz 1920. Er hat sie 1946 bei der Neugestaltung des Schulwesens wiederholt. Dannhäuser appellierte an die verantwortlichen Bildungspolitiker, sich international nicht durch dogmatische Strukturen zu isolieren, sondern Alternativen wenigstens zuzulassen.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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