Pressemitteilung | DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.
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Euro auf der Jagd nach immer neuen Rekorden!

(Berlin) - Der starke Euro wird zunehmend zu einer Belastung für die deutsche Exportwirtschaft – zwischenzeitlich hat er sogar die 1,60-$-Marke geknackt. Aktueller Auslöser ist die US-Finanzmarktkrise und die in Folge abgekühlte US-Konjunktur. Aber auch das langjährige Handelsbilanzdefizit der USA schwächt den Dollar und stärkt den Euro. Rufe nach Devisenmarktinterventionen werden deshalb immer lauter. Der DIHK zeigt, weshalb die Eurostärke die deutsche Konjunktur noch nicht abgewürgt hat und warum Interventionen fehl am Platze sind.


Optimismus überwiegt noch…

Mit ihrer gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit schultern die Betriebe die Lasten der Aufwertung derzeit ganz gut. So sind die deutschen Exporte 2007 stärker gewachsen als der Welthandel – auch, weil häufig das Qualitätssiegel „Made in Germany“ überzeugt. Die Nachfrage nach deutschen Produkten ist deshalb weniger preissensibel. Der DIHK rechnet für 2007 trotz der eingetrübten Weltkonjunktur und der Eurostärke mit einem Exportwachstum von real 6 Prozent.


… doch etliche Anbieter geraten in Bedrängnis …

Einbußen bei den Exporterlösen müssen aber vor allem die Unternehmen hinnehmen, die im Euroraum produzieren und in den Dollarraum exportieren. Insbesondere Vorleistungshersteller geraten gegenüber ihren Konkurrenten aus dem Dollarraum preislich immer mehr ins Hintertreffen. Auch müssen viele Unternehmen auslaufende Kurssicherungsgeschäfte derzeit teuer verlängern.


… und suchen nach Auswegen …

Angesichts dieser Belastungen werden von den Unternehmen wieder verstärkt Standortwechsel in Betracht gezogen. Die jüngste DIHK-Umfrage zu den Auslandsinvestitionen zeigt: Der Anteil der Unternehmen, die aus Kostengründen in Nordamerika investieren wollen, hat sich binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt (11 Prozent in 2007 ggü. 24 Prozent in 2008). Neben dem Natural Hedging lohnen sich zunehmend Beteiligungen an US-Firmen. Zudem schaffen sich die Unternehmen mit der Produktion von Vorleistungen in Niedriglohnländern Luft – das zeigt die gestiegene Bedeutung des Kostenmotivs bei den Auslandsinvestitionen in den MOE-Ländern.


… und neuen Märkten …

Die Einbußen im US-Geschäft (-5,9 Prozent in 2007) machen viele Unternehmen durch hohe Zuwächse bei den Ausfuhren in die Wachstumsmärkte Asiens und Mittel- und Osteuropas sowie in die rohstoffreichen Länder des Nahen Ostens und Russland wett. Allein der Ausfuhranteil in die EU-Beitrittsländer 2004 (ca. 10 Prozent aller Exporte) liegt mittlerweile sichtlich über dem Volumen des US-Geschäfts (7,5 Prozent). Insbesondere der hohe Investitionsbedarf dieser Länder in ihre Infrastruktur sorgt für eine weiterhin hohe Nachfrage nach deutschen Spezialmaschinen verbunden mit einem After-Sales-Service vor Ort.


… oder profitieren sogar vom Euro

Nur ein kleiner Teil der deutschen Ausfuhren ist von der Aufwertung direkt betroffen. Denn das Gros der Exporte (rund 80 Prozent) wird mittlerweile in Euro fakturiert – Tendenz steigend. Zudem profitieren die Unternehmen beim Rohstoffimport von der Eurostärke. So hat die Euroaufwertung um rund 20 Prozent seit letztem September nahezu die Hälfte des Preisanstieges beim Öl aufgefangen – sonst wäre die Inflationsrate noch höher. Vor dem Hintergrund wachsender Inflationssorgen – insbesondere durch Zweit-Runden-Effekte – hat die EZB wohlweislich auch die Zinsen unverändert gelassen.


Der DIHK fordert: Wettbewerbsfähigkeit erhalten!

Die Exporterfolge trotz des Eurohöhenfluges zeigen: Eine gute Standortpolitik und eine gestiegene Wettbewerbsfähigkeit sind der beste Schutz vor Wechselkursschwankungen. Dann geht es ohne Devisenmarktinterventionen – selbst, wenn eine Abwertung kurzfristig Entspannung brächte. Das Ende der moderaten Arbeitskostenentwicklung sowie ein staatlicher Regulierungskurs auf dem Arbeitsmarkt sind jedenfalls die falschen Signale.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Ute Brüssel, Pressesprecherin Breite Str. 29, 10178 Berlin Telefon: (030) 203080, Telefax: (030) 203081000

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