Flugabrechnung / IATA gefährdet den BSP / DRV fordert sofortigen Stop der geplanten Migration
(Berlin) Der Deutsche Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV) fordert die International Air Transport Association (IATA) auf, den für 1. Dezember 2004 geplanten Wechsel des Providers für den Billing and Settlement Plan (BSP) sofort abzusagen. Andernfalls entstünden für Reisebüros und IATA-Carrier unkalkulierbare Risiken, warnt der DRV. Die IATA-Agenturen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit künftig nicht mehr die Qualität der Daten erhalten, die sie benötigen.
Der DRV wendet sich mit dieser Position ausdrücklich gegen den Plan der IATA, das Abrechnungs- und Clearing-Verfahren auf europäischer Ebene in zwei Stufen zu zentralisieren: Zum Beginn des kommenden Jahres soll EDS den bisherigen Provider in Deutschland für den BSP, T-Systems, ersetzen. 2006/07 soll dann wiederum das Abrechnungsverfahren der IATA auf einen globalen Provider zentralisiert werden. Die IATA erhofft sich durch weniger Software-Varianten und weniger Rechenzentren eine Kostenersparnis in dreistelliger Millionenhöhe.
DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. H. Jochen Martin hierzu: Es ist eine Tatsache, daß diese Migration mit all ihren Problemen und Folgen durch die IATA-Zentrale in Genf den Reisebüros nicht rechtzeitig für eine abgestimmte und reibungslose Lösung mitgeteilt wurde. Dieses Vorgehen erklärt sich daraus, daß die IATA hier ein Überrollmanöver fährt. Offensichtlich ist es die Absicht der IATA, für weniger Leistung mehr zu kassieren und sowohl Reisebüros als auch Fluggesellschaften an sich zu binden. Hinzu kommt, daß die bisher gelaufenen Vorbereitungen unprofessionell und riskant zu Lasten der Reisebüros und Fluggesellschaften gelaufen sind. Wenige Wochen vor dem geplanten Start seien entscheidende Punkte noch immer nicht geklärt:
- Die Schnittstellen zwischen BSP und den Agenturen müssen noch angepaßt werden.
- Den IATA-Agenturen wird die Möglichkeit genommen, durch Sonderauswertungen die Berechnungen der IATA und der Carrier nachzuvollziehen. Die Abrechnungsdaten sollen künftig nur noch als PDF-Dateien geliefert werden, die sich zwar betrachten, aber nicht weiterverarbeiten lassen. Eine automatische Auswertung für Reporting und Controlling wird dadurch nicht mehr möglich sein.
- Die Service-Rechenzentren der Backoffice-Anbieter haben bis heute keine Vertragsentwürfe, keine Preise und keine Informationen über die Service-Levels erhalten.
- Das Abrechnungsverfahren über die Commerzbank Offenbach als Clearingbank des BSP muß angepaßt werden.
- Die Funktionalitäten des BSP werden reduziert.
- Ob das Airline Document Based Information System (ADOBIS) weiterhin angeboten werden kann, ist höchst ungewiß. ADOBIS ermöglicht den Reisebüros, über BSP abgerechnete Dokumente und Tickets auszuwerten, beispielsweise nach Umsätzen je Airline
oder nach Passagieren pro Flug. Die Software wird von Reisebüroketten als Instrument zur Verkaufssteuerung genutzt.
- Anfragen der Agenten zur Software Isis sollen in Zukunft aus Sydney heraus bearbeitet werden.
Diese Verschlechterungen schaden dem Markt. Sie sind weder für die IATA-Agenturen noch für die IATA-Carrier hinnehmbar, stellt der DRV klar. DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin richtet an die verantwortliche IATA-Zentrale in Genf vier Forderungen:
1. Sofortiger Stop der für Anfang 2005 geplanten Migration des BSP.
2. Keine Veränderung des BSP bis zur Migration 2006/07, mit der die weitere Globalisierung des Abrechnungsverfahrens begonnen werden soll.
3. Die IATA-Agenturen und Consolidator müssen in den dafür vorgesehenen Gremien der IATA in Deutschland gemeinsam mit den Luftverkehrsgesellschaften, insbesondere Lufthansa, in die Vorbereitung einbezogen werden.
4. Erhalt der vollen Funktionalitäten des BSP.
Der DRV setzt bei der Neugestaltung des BSP auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der IATA. Das Ziel ist eine effiziente und technologisch hochwertige Lösung, die den Anforderungen der IATA-Agenturen und der Luftverkehrsgesellschaften gerecht wird. Was die IATA bislang vorgelegt habe, sei ungenügend, betont DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin.
Info: Der Billing and Settlement Plan (BSP) ist das zentrale Abrechnungsverfahren der Fluggesellschaften mit den IATA-Agenturen. Der BSP rechnet die Flugscheine einheitlich über ein Rechenzentrum ab und wickelt das Inkasso zentral durch eine Clearing-Stelle ab.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Reisebüro und Reiseveranstalter Verband e.V. (DRV)
Albrechtstr. 10, 10117 Berlin
Telefon: 030/28406-0, Telefax: 030/28406-30
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