Forum auf der transport logistic: Elektronische Maut - Ein System für Europa? / Deutsches Mautsystem als Vorreiter in der EU
(Berlin / München) - "Das deutsche Mautsystem kann zum Vorreiter für ein europäisches Mautsystem, das Mehrwertdienste anbietet, werden. Damit hätte das deutsche System ein hervorragendes Alleinstellungsmerkmal und könnte international vermarktet werden." erklärte Prof. Dr. Gerhard Zeidler, Präsidiumsmitglied Deutsches Verkehrsforum und Präsident des Präsidialrats DEKRA e.V., auf der Messe transport logistic vor Fachpublikum.
Nach Zeidlers Worten müsse jedoch die Politik zur Etablierung von Mehrwertdiensten umgehend einen Rechtsrahmen schaffen, sonst könne die Wirtschaft nicht investieren.
Markus Ferber MdEP, Mitglied des Europäischen Parlaments sieht für das deutsche System gute Vermarktungsmöglichkeiten: "Aktuell diskutieren wir die Revision der Eurovignetten-Richtlinie, um mit einer einheitlichen Berechnung der Einbeziehung der externen Kosten in die Mautgebühr zu verhindern, dass es zu Mehrbelastungen in einzelnen Mitgliedstaaten kommt. Wir müssen aber auch von technischer Seite her ein Mautsystem in Europa haben, das nicht neue Hindernisse im grenzüberschreitenden Verkehr schafft. Sobald Galileo seine Betriebsfähigkeit erreicht hat, sollte ein interoperables europäisches System unser Ziel sein."
"Die EU-Verkehrsminister haben mit 2012 ein endgültiges Ziel für ein europäisches Mautsystem gesetzt. Das Deutsche Verkehrsforum liefert mit seinem Strategiepapier die Grundlage, um das Thema in Europa voran zu bringen", sagte Dr. Florian Eck, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Verkehrsforums, bei der Veranstaltung. Dass die deutsche Wirtschaft ihre Hausaufgaben gemacht habe, konnte sie bei der Anwenderkonferenz zu Mautmehrwertdiensten bewiesen, so Eck weiter: "Wir brauchen zweckmäßige Geschäftsmodelle für einen europäischen Mautdienst mit soliden Rahmenbedingungen. Aufgabe der Politik ist es jetzt für Planungssicherheit zu sorgen und den Transporteuren keine zusätzlichen Belastungen aufzubürden."
Zitate:
Hans-Helmut Feykes, Vorstand Schnellecke Transport AG & Co. KG: "Zuerst müssen die politischen Rahmenbedingungen festgelegt werden, damit der Spediteur die Mautkosten weitergeben kann. Die Maut darf nicht zu einer existenzbedrohenden Belastung für die Transporteure werden."
Michael C. Blum, Leiter der Geschäftsstelle Berlin Dornier Consulting GmbH, General Manager, Service Line Consulting: "Der Einsatz elektronischer Mautsysteme nimmt deutlich zu. Daher ist das Ziel der EU "ein Vertrag, eine OBU, eine Rechnung" durchaus richtig. Ich glaube jedoch auch, dass eine schrittweise Zusammenführung regional interoperabler Mautsysteme erfolgreicher sein wird, als der von der EU geplante, aufwendige Big-Bang-Ansatz. Denn für EETS-Provider stellt sich die Frage, ob das technisch-organisatorische Risiko durch die nötigen omnipotenten OBUs und Prozesse dann noch in ausgewogenem Verhältnis zur Marktattraktivität steht."
Rolf Herzog, Geschäftsführer AGES International GmbH & Co. KG: "Zunächst muss der Rechtsrahmen für die Interoperabilität der Mautsysteme in Europa geschaffen werden. Erst wenn diese Grundlage geschaffen ist, kann ein Rechtsrahmen für Mautmehrwertdienste folgen und auch erfolgreich sein."
Dr. Johannes Springer, Geschäftsführer Technik, Toll Collect GmbH: "Das satellitengestützte Mautsystem in Deutschland verfügt bereits heute über die technischen Schnittstellen für eine barrierefreie Mauterhebung in Europa. In den kommenden Monaten sind auf EU-Ebene rechtliche und organisatorische Fragen im Hinblick auf die EETS-Einführung 2012 zu klären. Daran beteiligt sich Toll Collect gemeinsam mit dem Bund als Auftraggeber sehr aktiv."
Dr. Horst Winzer, Geschäftsführer DVB LogPay GmbH: "Die spannende Diskussion über "Elektronische Maut - Ein System für Europa" hat gezeigt, dass wir technisch große Fortschritte machen, uns aber verstärkt um die Marktbedürfnisse unserer Kunden kümmern müssen. Wenn das europäische Ziel eine OBU, ein Vertrag, eine Rechnung im Markt ankommen soll, darf dies nicht zu Mehrkosten führen, sondern muss günstiger werden. Die EU Mautbetreiber können nicht erwarten, für Leistungen der Maut Service Provider, kein Entgelt zu zahlen. Diesen Dissens gilt es in Zukunft zu überwinden."
Quelle und Kontaktadresse:
Deutsches Verkehrsforum e.V.
Ingrid Kudirka, Leiterin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klingelhöferstr. 7, 10785 Berlin
Telefon: (030) 2639540, Telefax: (030) 26395422
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