Pressemitteilung | BDP e.V. - Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen - Bundesgeschäftsstelle
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Fragebogenaktion ist dilettantisch / Psychologen kritisieren baden-württembergische Befragungspraxis bei Einbürgerung

(Berlin) - Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat die sofortige Beendigung der Befragung muslimischer Einwanderungswilliger in Baden-Württemberg mittels eines seit Jahresbeginn eingesetzten Fragenbogens gefordert.

Die Befragungspraxis in Baden-Württemberg ist völlig ungeeignet, Verfassungsfeinde und potenzielle Terroristen zu ermitteln oder die Integrationsbereitschaft von Menschen festzustellen. Es fehlen dafür jegliche methodische Voraussetzungen - z.B einheitliche Vorgaben für die Einleitung des Gesprächs und die Rahmenbedingungen, das Niveau des Sprachverständnisses usw., ganz zu schweigen von der erforderlichen Schulung der Fragesteller. Auch die Verwendung von Suggestivfragen ist abzulehnen. Zudem ist der Kontrollansatz fachlich in doppelter Hinsicht ungeeignet; zum einen aufgrund ungenügender Gültigkeit und Verlässlichkeit der Ergebnisse. Zum anderen erzeugt alles, was als Kontrolle erlebt wird, Widerstände und Abwehr statt Interesse und Sensibilisierung.

Die nach wissenschaftlichem Maßstab weitgehend unprofessionelle Konzeption und Durchführung der Gespräche wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass gebildete und sozial kompetente Einbürgerungswillige problemlos die gewünschten Antworten geben, während Menschen mit niedrigem Bildungsstand und Sprachverständnis ein hohes Risiko eingehen, als unzureichend verfassungstreu eingestuft zu werden. Sozial erwünschte Antworten lassen sich leicht antrainieren; Rückschlüsse auf die Verfassungstreue aus solchen Antworten sind spekulativ.

Der BDP unterstützt alle geeigneten Versuche, Einbürgerungswillige für die in Deutschland geltenden Grundwerte zu sensibilisieren. Die baden-württembergische Fragebogen-Aktion erfüllt diese Bedingung mit Sicherheit nicht. Der Verband steht auch für eine Qualifizierung dieses Instruments, das zudem einen diskriminierenden Eindruck erweckt und rechtsstaatlich bedenklich ist, nicht zur Verfügung.

Quelle und Kontaktadresse:
Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP), Bundesgeschäftsstelle Christa Schaffmann, Pressesprecherin Glinkastr. 5-7, 10117 Berlin Telefon: (030) 22605699, Telefax: (030) 22605698

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