Frau Schavan redet die Verhältnisse schön! / GEW zum Besuch des UN-Kommissars Muñoz: Chancenungleichheit in Deutschland wächst
(Frankfurt am Main) - Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) redet die Verhältnisse schön. Sie irrt, wenn sie behauptet, Deutschlands Bildungswesen befände sich in der tief greifendsten Reformgeschichte seit 50 Jahren. Deutschland ist bei der Chancenungleichheit immer noch Weltspitze, erklärte die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, mit Blick auf Äußerungen Schavans zur Inspektion des UN-Kommissars Vernor Muñoz. Die frühe Aufteilung zehnjähriger Kinder auf unterschiedliche Schulformen benachteilige Schüler, die auf Sonderschulen für Lernbehinderte und Hauptschulen geschickt werden, allein durch den Besuch dieser Schulen. Der Skandal: Jeder fünfte junge Ausländer in Deutschland erreicht nicht einmal einen Hauptschulabschluss. Jeder dritte Ausländer zwischen 20 bis 30 Jahren bleibt ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Auch die berufliche Ausbildung heilt die Wunden der Chancenungleichheit nicht, erklärte Demmer.
Die Chancenungleichheit habe in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Das belegten die PISA-Studien 2000 und 2003, sagte Demmer. Verbessert hätten sich lediglich die leistungsstarken Schüler vor allem an den Gymnasien. In der deutschen PISA-Studie wurde bereits 2001 darauf hingewiesen, dass auch Zwillinge sich unterschiedlich entwickelten, wenn sie eine Hauptschule oder ein Gymnasium besuchen. Die Forscher gehen davon aus, dass ein Kind, das die Hauptschule besucht, statistisch betrachtet mit 15 Jahren einen Lernrückstand von weit mehr als einem Schuljahr hat. Dieses Problem lässt sich durch noch so viel Durchlässigkeit zwischen den Schulformen nicht lösen zumal die Kinder fünf Mal häufiger nach unten durchgereicht werden als dass sie den Sprung auf eine höhere Schulform schaffen, unterstrich die GEW-Sprecherin.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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