Pressemitteilung | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
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„Für einen Kurswechsel im Bologna-Prozess!“ / Bildungsgewerkschaft zu neuen HRK-Zahlen für Bachelor- und Masterstudiengänge

(Frankfurt am Main/Bonn) - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bund, Länder und Hochschulen zu einem Kurswechsel im Bologna-Prozess gemahnt. „Nur eine Studienreform, die von der Überzeugung der Lehrenden, Studierenden und der beruflichen Praxis getragen wird, kann nachhaltigen Erfolg haben“, sagte das für Hochschule und Forschung verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller am Mittwoch (15. Oktober 2008) in Frankfurt am Main.

Die vollständige Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge an den Hochschulen bis 2010 sei nicht mehr zu schaffen, stellte Keller fest. Das belegten die jüngsten Zahlen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zur Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Keller kritisierte, dass die Hochschulen in der Vergangenheit bei der Einführung der neuen Studiengänge zu wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der Studierenden und Lehrenden genommen und beiden Gruppen ein Übermaß an „Workload“ zugemutet hätten. „Die Kolleginnen und Kollegen beklagen zu Recht eine Verschulung und Verdichtung des Studiums durch zu viele Prüfungen, Klausuren und Anwesenheitskontrollen. Auch ein Bachelor- und Masterstudium muss studierbar sein und die Freiheit des Studiums respektieren“, forderte der GEW-Sprecher.

An Bund, Länder und Hochschulen richtete die Bildungsgewerkschaft drei Forderungen, um den überfälligen Kurswechsel im Bologna-Prozess zu erreichen.

„Die GEW fordert erstens eine Entschleunigung des Prozesses. Bund und Länder müssen den unnötigen Zeitdruck aus der Umstellung der Studiengänge herausnehmen - Qualität von Studium und Lehre sowie Partizipation der Betroffenen gehen vor Tempo“, sagte der Hochschulexperte.

„Wir brauchen zweitens eine Verbesserung des Betreuungsverhältnisses in den neuen Studiengängen: Vom bevorstehenden Bildungsgipfel erwarten wir daher Grünes Licht für einen `Hochschulpakt II´. Dieser soll nicht nur die notwendigen Mittel für die fehlenden Studienplätze, sondern auch zur Verbesserung der Qualität der Lehre bereitstellen“, erklärte Keller. Dafür seien nach Berechnungen der HRK und des Wissenschaftsrats (WR) mindestens 3,7 Milliarden Euro pro Jahr erforderlich.

„Drittens fordern wir die uneingeschränkte Durchlässigkeit beim Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium - weder Quote noch Note dürfen den Zugang zum Masterstudium einschränken“, sagte der GEW-Sprecher. „Die Akzeptanz des Bachelor auf dem Arbeitsmarkt ist unsicher - jede Absolventin und jeder Absolvent eines Bachelorstudiengangs müssen daher den Rechtsanspruch auf Zulassung zu einem Masterstudiengang erhalten“, unterstrich Keller.

Info: Die HRK hat heute (15. Oktober 2008) die neuesten Zahlen zur Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen vorgelegt. Demnach führen zwar mittlerweile 75,1 Prozent der Studiengänge zu den neuen Abschlüssen Bachelor oder Master, aber erst 30,9 Prozent der Studierenden sind in einem der neuen Studiengänge eingeschrieben.

Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Ulf Roedde, Pressesprecher Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201

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