Pressemitteilung | Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

Ganztagseinrichtungen für Kinder ist kein Luxus

(Berlin) - Zu dem am 15. Januar von Bundesfamilienministerin Renate Schmidt vorgestellten Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zum ökonomischen Nutzen von Kinderbetreuung erklärt der DGB-Vorsitzende Michael Sommer in Berlin:

"Ganztagseinrichtungen für Kinder sind kein sozialpolitischer Luxus. Ich bin froh, dass in dem Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) endlich klar gestellt wird, dass der ökonomische Nutzen des Ausbaus von Kindertageseinrichtungen bei weitem die Kosten für die Erweiterung des Ganztagsangebotes übersteigt. Und zwar deshalb, weil viele Mütter mit Kindern erst dann eine Chance auf Verbleib im Beruf oder eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt haben, wenn sie wissen, dass ihr Nachwuchs tagsüber gut untergebracht ist. Viele Mütter, oft sehr gut ausgebildet, fehlen uns in den Betrieben.

Das DIW stellt klar, dass die höhere Erwerbstätigkeit von Müttern nicht nur zu einer höheren Beschäftigung und damit mehr Wohlstand führt, sondern letztlich auch die öffentlichen Haushalte massiv entlasten würde. Allein die Mehreinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben könnten jährlich mehr als zehn Milliarden Euro betragen. Zugleich könnten die Kommunen mit niedrigeren Sozialhilfeausgaben kalkulieren, wenn mehr allein Erziehende Zugang zu Arbeit hätten. Auch die zusätzlichen Arbeitsplätze in Krippen, Kindergärten und Horten würden im Ergebnis zu höheren Einnahmen der Sozialversicherungen und den Etats von Bund, Ländern und Gemeinden führen. Ein bedarfsgerechtes Ganztagsangebot für Kinder aller Alterstufen ist ebenso unter dem Gesichtspunkt höherer Einkommens- und Mehrwertsteuereinnahmen im Interesse des Bundes und der Länder. Dies rechtfertigt deshalb auch eine Finanzierungsbeteiligung dieser beiden Gebietskörperschaften am Ausbau des Ganztagsangebots.

Ich bin froh darüber, dass Bundesfamilienministerin Renate Schmidt mit Hilfe dieses Gutachtens ihrer Forderung nach einer stärkeren Orientierung der Politik der Regierung an den Interessen von Familien jetzt Nachdruck verleiht. Gerade mit Blick auf den Mangel qualifizierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf unserem Arbeitsmarkt können wir es uns nicht leisten, dass Mütter viel zu häufig von Erwerbsarbeit ausgegrenzt werden, nur weil es an ausreichenden Ganztagsangeboten fehlt. Außerdem erhöht ein deutlich verbessertes Ganztagsangebot in Krippen und Kindergärten die Chancengleichheit von Männern und Frauen im Erwerbsleben.

Es geht bei einem verbesserten Angebot von qualitativ guten Ganztagsangeboten für Kinder aber um mehr als nur den ökonomischen Nutzen. Letztlich ist der Zugang für Frauen zu Arbeit und eigenem Einkommen eine wichtige Grundlage für eine gleichberechtigte Partnerschaft mit Kindern. Heute ist es noch viel zu oft so, dass Frauen sich wegen der Kindererziehung aus dem Erwerbsleben unfreiwillig zurückziehen.

Die Finanzierung des Ausbaus eines bedarfsgerechten Ganztagsangebotes für Kinder muss nach meiner Meinung von der Bundesregierung mit Anreizen für innovative Einrichtungen organisiert werden. Wir sollten uns ein Beispiel an der Schweiz nehmen, wo der Bund drei Jahre lang eine Anschubfinanzierung direkt an die Einrichtungen leistet und damit die nötigen Investitionen und Kosten des Betriebs deckt."

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) Henriette-Herz-Platz 2 10178 Berlin Telefon: 030/24060-0 Telefax: 030/24060-324

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