Gesamtkonzept für Fremdsprachenunterricht nötig / BLLV- Präsident Klaus Wenzel fordert verbindliche Aussagen / "Spracherwerb als fortwährenden Prozess vom Kindergarten bis zum Abitur begreifen"
(München) - Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat das Kultusministerium erneut daran erinnert, ein Gesamtkonzept für den Fremdsprachenunterricht an allen Schulen zu entwickeln. "Es müssen darin verbindliche Aussagen über Fremdsprachenbegegnung und Fremdsprachenunterricht beginnend vom Kindergarten über die erste Jahrgangsstufe bis hin zum Abitur getroffen werden", betonte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Das Erlernen einer Fremdsprache muss als ein fortwährender Prozess verstanden werden, in dem Inhalte und Lernziele der einzelnen Jahrgangs- bzw. Klassenstufen aufeinander aufbauen." Der BLLV hat bereits im Jahr 2007 das Kultusministerium aufgefordert, ein Gesamtkonzept zu entwickeln und Eckdaten vorgelegt - das Konzept wurde damals abgelehnt. Die Zusammenarbeit der Lehrerinnen und Lehrer verschiedener Schularten ist deshalb noch immer ungeklärt.
"Nötig sind klare Richtlinien", so Wenzel. "So ist offen, wie der Englischunterricht in den Klassenstufen fünf und sechs aller Schularten auf den Fremdsprachenunterricht der Grundschule aufbaut. Wir vermissen außerdem konkrete Aussagen über die Qualifikation der unterrichtenden Lehrkräfte", bemängelte Wenzel und plädierte dafür, im Kultusministerium ein "ein schulartübergreifendes Referat Fremdsprachenunterricht" zu schaffen.
Der BLLV-Präsident bezeichnete die Schnittstellen zwischen dem Fremdsprachenunterricht verschiedener Schularten und Schulstufen als "problematisch". Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Untersuchung der Universität Eichstätt. "Lehrerinnen und Lehrer sind auf sich selbst gestellt, weil sie nicht auf verbindliche Regeln zurückgreifen können.
So wissen Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien nicht, ob das Fremdsprachenlernen in der ersten und zweiten Klasse beginnt, welche Regelungen einheitlich für den Fremdsprachenunterricht in den Klassen drei und vier vorausgesetzt werden oder welche Personen mit welcher sprachlichen und fachdidaktisch-methodischen Ausbildung in den drei Phasen der Lehrerbildung den Fremdsprachenunterricht erteilen sollen.
Umstritten ist auch, ob der Fremdsprachenunterricht in der Grundschule stärker erlebnisorientiert oder ergebnisorientiert vermittelt werden soll, ob und in welchem Umfang er bereits in den ersten beiden Jahrgangsstufen einsetzen soll und ob er dort integrativ in den grundlegenden Unterricht eingebettet oder als Zusatzstunden in die Stundentafel aufgenommen werden soll.
Die Verunsicherung ist auch in Kindertagesstätten groß: Erzieherinnen wissen nicht, ob die Fremdsprachenbegegnung verpflichtend vorausgesetzt wird, welche Personen den Fremdsprachenunterricht erteilen sollen und wo und wie sie dafür ausgebildet werden. Unklar ist auch, welches Stundenkontingent die Fremdsprachenbegegnung in den Kindertagesstätten umfassen soll.
Offene Fragen gibt es auch für die Klassenstufen fünf und sechs: Soll der Englischunterricht auf den Fremdsprachenunterricht der Grundschule aufbauen, reicht der Anteil der Fremdsprachen in der Stundentafel aus und kann zusätzlicher Förderbedarf durch Förderangebote ausgeglichen werden? Welchen Stellenwert genießt die Fremdsprache Englisch? Welche Fremdsprachen werden an welchen Schulen in welchem Umfang und in welcher Form durch welche Lehrkräfte unterrichtet und angeboten? Welchen Stellenwert hat bilingualer Sachunterricht und ist auch ein punktueller bilingualer Sachunterricht sinnvoll?
"Die vielen Fragezeichen zeigen, wie dringend hier gehandelt werden muss", stellte Wenzel fest und sprach sich für ein Gesamtkonzept aus, in dem Mindeststundenumfänge festgelegt und verbindliche Aussagen darüber getroffen werden, wie die Zusammenarbeit der Lehrkräfte verschiedener Schularten konkret aussehen soll. "Ein systematischer Austausch über Inhalte und Methoden des jeweiligen Fremdsprachenunterrichts muss dabei ebenso institutionell verankert werden wie gemeinsame Fortbildungen und Kooperationsveranstaltungen." Er schlug vor, basierend auf einem eigenständigen Profil des Fremdsprachenunterrichts einzelner Klassenstufen bzw. Schularten "Trittsteine" zu definieren, die Niveaustufen, Lernziele oder Standards festhalten und in einer klaren Reihenfolge aufeinander aufbauen. "Die Förderschulen müssen hierbei miteinbezogen werden. Dringend erforderlich sind Aussagen darüber, welche Gewichtung den einzelnen Teilbereichen des Fremdsprachenunterrichts in den einzelnen Klassenstufen zukommt."
Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten brauchen aus Sicht des BLLV klare Aussagen über die Qualifikation der unterrichtenden Lehrkräfte. Es muss festgelegt werden, wie der erforderliche Praxisbezug zu erhöhen und die methodisch-didaktische Ausbildung der Lehramtsstudierenden im Fremdsprachenunterricht zu verbessern ist. Methodeninhalte und Umfang der Fremdsprachenausbildung in der zweiten und dritten Phase der Lehrerbildung müssen in einem solchen Konzept festgelegt werden.
"Aus Sicht des BLLV ist es notwendig und sinnvoll, zur Koordination und Abstimmung der unterschiedlichsten Handlungsebenen und Teilaspekte, ein schulartübergreifendes Referat Fremdsprachenunterricht am Kultusministerium zu schaffen. Einem solchen Querschnittsreferat muss dann die Erstellung, Umsetzung und Weiterentwicklung des Gesamtkonzepts Fremdsprachenunterricht obliegen." Wenzel appellierte an das Kultusministerium, ein solches Gesamtkonzept rasch auf den Weg zu bringen. "Wir sind zur Zusammenarbeit bereit."
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Pressestelle
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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