Pressemitteilung | Deutscher Städte- und Gemeindebund e.V. (DStGB)

Geschichte digital erforschen, entdecken und erzählen - ein E-Government Projekt der Stadt Coburg

(Berlin) - Die Inhalte des örtlichen Stadtarchivs mitgestalten, die Stadthistorie mit erlebten Geschichten vervollständigen und mit persönlichen Erinnerungen versehen? - Für die Bürger der Stadt Coburg seit Kurzem kein Problem mehr. Mittels Web 2.0 -Technologien wird den Coburgern die direkte Mitgestaltung ihres neuen Stadtarchivs eröffnet. Auf der eigens dafür vorgesehenen Internetplattform ist es möglich, die Inhalte des Stadtgedächtnisses aktiv mitzubestimmen sowie eigene kleine Bildarchive und individuelle Geschichten mit einzubringen. Die genaue Umsetzung des innovativen Projektes stellte Karin Engelhardt, Onlinemanagerin der Stadt Coburg, in einem von dem "Netzwerk Zukunftsstädte" initiierten multimedialen Online-Vortrag vor.

Unter dem Gesamtprojekt "Wir@Coburg" verfolgt die Stadt Coburg bereits seit rund drei Jahren eine umfangreiche E-Government-Strategie. Eine Pflegeplatz- sowie eine Freiwilligenbörse oder das Stadtratsfernsehen sind nur einige der vielseitigen E-Government Projekte, die derzeit in Coburg Anwendung finden. Das preisgekrönte digitale Stadtgedächtnis ist dabei das aktuellste Verwaltungsmodernisierungsprojekt und folglich die neueste Entwicklung hin zu mehr speziellen "eCity Anwendungen", die möglichst viele direkte Vorteile für den Lebens- und Wirtschaftsstandort Coburg mit sich ziehen sollen.

Diese und weitere Projekte wurden am 5. Oktober von Frau Engelhardt in einem rund 30-minütigen Online-Vortrag dargestellt. 20 Teilnehmer folgten der Einladung und nutzten die effiziente Möglichkeit der Kommunikation über die neuartige Methode der Online-Konferenz. Durchgeführt wurde die Konferenz mit Hilfe des Kommunikationstools WebEx©. Vorab wurde allen angemeldeten Teilnehmern ein Link zugesandt, der sie automatisch auf die Konferenzseite weiterleitete. Anschließend bekamen die Beteiligten die Möglichkeit, sich bei der parallel zum Powerpoint-ähnlichen Vortrag laufenden Telefonkonferenz einzuwählen und somit den Beiträgen der Dozentin zu folgen.

Offiziell gestartet wurde das Projekt "Wir@Coburg" bereits im Jahr 2008 mit der Einführung einer digitalen Pflegeplatzbörse, die sowohl die Aufführung und Beschreibung als auch den genauen Standort von freien Pflegeplätzen umfasst. Kurz darauf folgte eine Freiwilligenbörse, die es all denjenigen, die sich gerne in und um Coburg freiwillig engagieren wollen, ermöglichen soll, eine geeignete Tätigkeit für ihr freiwilliges Engagement zu finden. Die Möglichkeiten des Freiwilligenengagements reichen auf dem Portal von Besucher- und Betreuungsdiensten über Hausaufgabenbetreuung und Fahrdienste hin zur Hospizarbeit oder der Tierbetreuung. Das eingeführte Stadtratsfernsehen liefert den Coburger Bürgern wiederum seit rund einem Jahr einen umfangreichen Einblick in die Abläufe und Arbeitsprozesse des Stadtrats. Nach jeder Sitzung werden kurze Filmbeiträge und Interviews, die die Inhalte der Sitzungen kurz thematisch zusammenfassen, für den Besucher der Seite zur Verfügung gestellt. Weitere digitale Börsen und Plattformen sind derzeit in Planung, so Engelhardt.

Das deutschlandweit einmalige Projekt des "digitalen Stadtgedächtnisses" wurde in Berlin Anfang September 2009 als diesjähriger Sieger beim neunten E-Government-Wettbewerb von BearingPoint und Cisco ausgezeichnet. In der Kategorie "Next Generation Service" erreichten die Coburger mit ihrem innovativen Projekt den ersten Platz.

Wie Frau Engelhardt anhand der implementierten Powerpoint-Präsentation anschaulich darstellte, setzt sich das digitale Stadtgedächtnis dabei aus mehreren Komponenten zusammen. Der Besucher kann sowohl die eigene Stadtgeschichte erforschen als auch zahlreiche vergangene Ereignisse entdecken sowie aus seiner eigenen Geschichte erzählen. Um historische Nachforschungen anzustellen, werden Fakten aus der Coburger Stadtgeschichte in Form kurzer Einträge auf einem interaktiven Zeitstrahl dargestellt. Anhand des Zeitstrahls erhält der Besucher somit einen Einblick in sämtliche geschichtliche Ereignisse eines beliebig ausgewählten Jahres. Auf einer interaktiven Stadtkarte werden wiederum die Einträge des Zeitstrahls verortet. Ein virtueller Gang führt damit Ereignis und Ort des Geschehens für den Besucher zusammen. Zudem erhalten die Coburger über eine benutzerfreundliche Eingabemaske die Möglichkeit, ihre eigenen Erinnerungen und Geschichten mit in das digitale Stadtgedächtnis einfließen zu lassen.

Vor allem die individuellen Erlebnisse und Erzählungen lassen die Coburger Geschichte lebendig werden und machen sie für jedermann anschaulich. Durch das Zusammentragen von Geschichten aller Generationen kann so eine nahezu vollständige Coburger Stadthistorie rekonstruiert werden, erklärt Engelhardt. Ergänzt werden die Berichte durch multimediale Inhalte in Form von zahlreichen Filmbeiträgen, Fotos und anderen Dokumenten, die es ermöglichen, die dokumentierte Geschichte für den Besucher noch greifbarer erscheinen zu lassen. Auch der Geschichtsunterricht in den Coburger Schulen solle langfristig mit Hilfe des digitalen Stadtgedächtnisses lebendiger und verständlicher gestaltet werden, erklärte Engelhardt im Rahmen ihres Vortrages zu den weiteren Zielen des Projektes. Zudem wolle man gerade die Jugend wieder mehr für die Geschichte begeistern und über das Projekt das Interesse an einem Museums- oder Archivbesuch wecken.

Das digitale Stadtgedächtnis verstehe sich dabei auch als eine Art vernetzender Multiplikator, sagt Engelhardt. Letztlich werde vor allem der Austausch unter den verschiedenen Generationen gefördert und das Prinzip, dass die Jungen von den Älteren sowie umgekehrt lernen, in vollem Umfang ausgeschöpft. So werde insbesondere der generationsübergreifende Zusammenhalt der Coburger gestärkt.

Für eine gelungene Umsetzung des innovativen Projektes arbeitete das Projektteam mit zahlreichen Kooperationspartnern zusammen. Das Stadt- und Staatsarchiv, die Landesbibliothek sowie die Historische Gesellschaft seien nur einige derjenigen Partner, die ihre Ideen mit in das digitale Stadtgedächtnis haben einfließen lassen, so Engelhardt.

Nachdem Frau Engelhardt die Coburger Projektvielfalt durch ihren Online-Vortrag veranschaulicht hatte, erhielten die Teilnehmer die Möglichkeit, per Chat oder direkt innerhalb der Telefonkonferenz Rückfragen an Frau Engelhardt zu richten. Gloria Heymann, Wirtschaftsförderin der Stadt Zittau, interessierte sich für die allgemeine Reaktion der Bürger zu dem Projekt des digitalen Stadtgedächtnisses. Die Resonanz sei durchweg positiv, erklärte Engelhardt. Die Bürger würden das Angebot sehr rege nutzen und gerade viele ältere Zeitzeugen würden sich melden und ihr Wissen weitergeben wollen. Im Herbst werde man dann noch weitere kleinere Teilprojekte zum digitalen Stadtgedächtnis in Form von einzelnen Schulprojekten oder einem Projekt zu einem Mehrgenerationenhaus starten. Da rechne man erneut mit einem Schub an Aufmerksamkeit, so Engelhardt.

Was andere Kommunen und deren Verwaltungen aus diesem Projekt lernen könnten, wollte Andreas Huber, Berater bei der Publicone GmbH, im Rahmen der Fragerunde wissen. Ein Projekt dieser Art bedürfe einer langen und exakten Vorbereitung, so Engelhardt. Gerade die Aufarbeitung und die Arbeit mit historischen Daten sei nicht einfach, weswegen man grundsätzlich auf viele Kooperationspartner angewiesen sei. Das müssten auch andere Kommunen bei der Umsetzung solch neuartiger Projekte mitberücksichtigen, beantwortete Engelhardt die Frage.

Ein Teilnehmer interessierte gerade mit Hinblick auf das Interesse anderer Kommunen und deren möglicher Suche nach einem geeigneten Wirtschaftspartner, ob das Unternehmen, mit dem das Projekt gemeinsam durchgeführt wird, ein lokales oder ein überregionales Unternehmen sei. Aufgrund der Komplexität des Projektes hätte man von lokalen Unternehmen leider ausschließlich Absagen erhalten. Man habe letztlich mit dem Nürnberger Unternehmen contentXXL GmbH einen geeigneten Implementierungspartner gefunden, erklärte Engelhardt.

Der DStGB wird die Reihe der Online-Vorträge voraussichtlich Anfang nächsten Jahres mit dem Thema "Kulturwirtschaft und Kommunen" fortsetzen.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Städte- und Gemeindebund (DStGB) Pressestelle Marienstr. 6, 12207 Berlin Telefon: (030) 773070, Telefax: (030) 77307200

(el)

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