Pressemitteilung | Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V. (BDI)
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Gesundheitsgefährdung: BDI-Umfrage zeigt systematische Verstöße gegen Arbeitsschutz in deutschen Kliniken

(Wiesbaden) - Die Arbeitsbedingungen für Internistinnen und Internisten im Krankenhaus haben ein gesundheitsgefährdendes Ausmaß erreicht mit direkten Folgen für die Patientensicherheit und die Funktionsfähigkeit der Kliniken. Das belegt eine aktuelle Umfrage des Berufsverbandes Deutscher Internistinnen und Internisten e.V. (BDI) unter 488 stationär tätigen Ärztinnen und Ärzten. Die Ergebnisse zeigen eine Kombination aus hoher Arbeitsverdichtung, arbeitsrechtlich problematischen Strukturen und erheblichen gesundheitlichen Folgen für die Beschäftigten.

Rund 20 Prozent der Befragten geben an, häufig oder regelmäßig nach Nachtdiensten ohne die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit weiterzuarbeiten. Gleichzeitig berichten mehr als die Hälfte der Teilnehmenden, dass ihre Überstunden nicht korrekt erfasst oder nicht ausgeglichen werden. Damit werden zentrale Vorgaben des Arbeitsschutzrechts in zahlreichen Kliniken faktisch unterlaufen. Es handelt sich dabei nicht um individuelle Grenzüberschreitungen einzelner Beschäftigter, sondern um ein strukturelles Organisationsproblem, das sich in erster Linie aus betriebswirtschaftlichen Vorgaben ergibt.

„Was hier sichtbar wird, ist keine individuelle Überforderung, sondern ein struktureller Missstand“, erklärt BDI-Präsidentin Christine Neumann-Grutzeck. „Gesetzlich garantierte Ruhezeiten und eine vollständige Erfassung von Arbeitszeit sind keine freiwilligen Leistungen, sondern Mindeststandards des Arbeitsschutzes. Wer sie ignoriert, gefährdet nicht nur die Gesundheit der Ärztinnen und Ärzte, sondern auch die Sicherheit der Patientinnen und Patienten.“

Gesundheitliche Schäden sind längst Realität

Die Umfrage macht deutlich, dass die hohe Arbeitsbelastung längst gesundheitliche Folgen hat: 82 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Arbeitszeit ihre Gesundheit stark oder zumindest teilweise beeinträchtigt. 67 Prozent fühlen sich häufig oder sehr häufig emotional erschöpft, und 42 Prozent berichten über ein häufiges oder sehr häufiges Burnout-Gefühl. Hinzu kommt eine intensive Arbeitsverdichtung im klinischen Alltag. 71 Prozent der Befragten betreuen mehr als 20 Patientinnen und Patienten pro Schicht, 16 Prozent sogar mehr als 30.

72 Prozent der stationär tätigen Internistinnen und Internisten verbringen mehr als 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation und administrativen Aufgaben, während gleichzeitig ärztliche und pflegerische Personalressourcen vielfach als unzureichend bewertet werden.

Arbeitsmediziner und Internist Dr. Cornelius Weiß warnt vor den Folgen dieser Entwicklung: „Fehlende Ruhephasen und dauerhaft hohe Arbeitsdichte, gerade auch im Schichtdienst führen nachweislich zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Belastungen. Aus arbeitsmedizinischer Sicht sind das klare Signale für die Verantwortung her endlich tätig werden zu müssen.“

Schutzrechte müssen umgesetzt werden

Seit den Grundsatzurteilen des Europäischen Gerichtshofs 2019 und des Bundesarbeitsgerichts 2022 ist jede geleistete Arbeitsstunde, jede Nachtarbeit, jede Überschreitung der zulässigen Arbeitszeit sowie jede Ruhezeit zu erfassen. Nur so kann die Einhaltung der gesetzlichen Schutzvorgaben überprüft und sichergestellt werden. Alles andere stellt regelmäßig einen Verstoß gegen geltendes deutsches Arbeitsschutzrecht dar.

Der BDI fordert die Klinikträger daher auf, die vorhandenen Instrumente des Arbeitsschutzes und der Prävention aktiv zu nutzen, um sichere und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen in den Kliniken zu schaffen. Dazu gehört insbesondere die Einhaltung der vorgeschriebenen Ruhezeiten, eine vollständige, unkomplizierte und transparente Arbeitszeiterfassung sowie ein verbindlicher Ausgleich von Überstunden. Zudem fordert der BDI strukturelle Entlastungen durch mehr Personal, die Rückführung ärztlicher Tätigkeit auf medizinische Kernaufgaben durch den Abbau überbordender Bürokratie.

„Wer im Zuge der Krankenhausreform über Qualität, Leistungsgruppen und Patientensicherheit spricht, darf die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten nicht ausblenden“, so Neumann-Grutzeck. „Gesunde Ärztinnen und Ärzte sind keine Luxusforderung, sondern die Voraussetzung für eine verlässliche Patientenversorgung.“

Quelle und Kontaktadresse:
Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V. (BDI), Bastian Schroeder, Geschäftsführer(in), Schöne Aussicht 5, 65193 Wiesbaden, Telefon: 0611 18133-0

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