GEW fordert 10.000 zusätzliche Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs / Bildungsgewerkschaft warnt vor Mangel an Hochschullehrern
(Frankfurt am Main/Berlin) - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat ein Bund-Länder-Programm zur Finanzierung von 10.000 zusätzlichen Stellen für promovierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler (so genannte Postdocs) gefordert. Dieses Bund-Länder-Programm habe zweierlei zu leisten, erklärte das für Hochschule und Forschung verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller: "Zum einen brauchen wir ausreichend qualifizierte Fachkräfte, um den bevorstehenden Generationenwechsel in der Hochschullehrerschaft, den Ausbau der Hochschulen und die Verbesserung der Qualität der Lehre zu schultern. Zum anderen müssen Bund und Länder wirksame Impulse für die überfällige Reform der Karrierewege in Hochschule und Forschung geben."
Über die Habilitation und auf Juniorprofessuren würden zurzeit jährlich rund 2.100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für eine Professur qualifiziert. Der tatsächliche Bedarf liege nach Berechnungen der GEW jedoch sehr viel höher. "In den Jahren 2009 bis 2020 müssen allein an den Universitäten Jahr für Jahr rund 2.700 Hochschullehrerinnen und -lehrer eingestellt werden - um die aus Altersgründen ausscheidenden Professoren zu ersetzen und mehr Studierende besser ausbilden zu können. Mit dem Programm soll dem drohenden Hochschullehrermangel entgegen gesteuert werden", unterstrich Keller.
Die 10.000 zusätzlichen Postdoc-Stellen müssten mit einer "Tenure-Track-Option" ausgestattet werden. Dies heiße, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Falle einer positiven Evaluierung ihrer Hochschule auf eine Professur oder eine unbefristete wissenschaftliche Mitarbeiterstelle übernommen werden. "Der wissenschaftliche Nachwuchs wird in Deutschland viel zu lange im Unklaren darüber gelassen, ob er eine dauerhafte Perspektive in der Wissenschaft hat. Im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern im In- und Ausland werden die Hochschulen und Forschungseinrichtungen aber nur dann die qualifiziertesten Fachkräfte halten können, wenn sie ihnen berechenbare Perspektiven und faire Beschäftigungsbedingungen bieten", erklärte der GEW-Sprecher. Das sei ein zentrales Ergebnis des kürzlich von der Regierung vorlegten Bundesberichts zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (BuWiN).
Mindestens 6.000 der zusätzlichen Nachwuchsstellen sind nach den Vorstellungen der GEW an Frauen zu vergeben. "Zwar werden mittlerweile 40 Prozent der Promotionen von Frauen abgelegt, aber erst 16 Prozent der Professuren sind von Frauen besetzt. Insbesondere in der Phase zwischen Promotion und Berufung auf einen Lehrstuhl steigen zu viele Frauen aus der Wissenschaft aus. Mit der Förderung durch zusätzliche Stellen könnten Bund und Länder eine wirksame Initiative für die Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern starten", sagte Keller.
Info: An den Universitäten stehen zurzeit 23.000 Professorinnen und Professoren 1,3 Millionen Studierenden gegenüber. Um ein Betreuungsverhältnis von einer Professorin oder einem Professor auf 40 Studierende zu erreichen, das entspricht der vom Wissenschaftsrat empfohlenen Untergrenze, müsste die Zahl der Professoren auf 33.000 steigen. Um dem von der Kultusministerkonferenz für 2020 prognostizierten Anstieg der Studierendenzahl gerecht zu werden, braucht die Bundesrepublik (beim verbesserten Betreuungsverhältnis 1:40) über 44.000 Universitätsprofessorinnen und -professoren. Hinzu kommt der Ersatzbedarf wegen des Generationenwechsels: Hieraus errechnet sich ein jährlicher Einstellungsbedarf von rund 2.700.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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