Pressemitteilung | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
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GEW: „Junge Menschen brauchen eine Perspektive“ / Thöne fordert auf Mai-Kundgebung Ausbildungsplatzumlage und voll qualifizierende Ausbildung an beruflichen Schulen

(Stuttgart) - Die „skandalöse Ausbildungsplatzsituation“ hat Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), scharf kritisiert. „Junge Menschen brauchen nach der Schule eine Lebens- und Berufsperspektive. Es führt kein Weg daran vorbei: Wir brauchen die Ausbildungsplatzumlage. Wer nicht ausbildet, soll zahlen“, unterstrich Thöne während der 1. Mai-Kundgebung mit dem Motto „Deine Würde ist unser Maߓ in Stuttgart. „Wenn es nicht gelingt, zusätzliche betriebliche Lehrstellen zu schaffen, brauchen wir mehr voll qualifizierende Ausbildung in beruflichen Schulen und außerbetrieblichen Lernorten. Das Abschieben junger Menschen in Warteschleifen ist verantwortungslos.“ Das Recht auf Ausbildung müsse in die Verfassung aufgenommen werden.

„Der Ausbildungspakt zwischen Wirtschaft und Bundesregierung ist gescheitert: 2005 haben fast 200.000 Jugendliche keine Lehrstelle bekommen. In diesem Ausbildungsjahr haben die Unternehmen die betrieblichen Ausbildungsplätze um neun Prozent gekürzt“, begründete der GEW-Vorsitzende seine Forderung. Es sei höchste Zeit, dass Unternehmen und Regierung dieses eingestehen und den jungen Menschen reinen Wein einschenken.

„Wenn in einer Schule wie der Berliner Rütli-Schule jahrelang Abgänger keinen Ausbildungsplatz finden, muss man sich über Resignation und Frustration, die sich in Gewalt entladen, nicht wundern“, sagte Thöne, der viele Jahre Vorsitzender der GEW Berlin war. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf die erfolgreichen Proteste gegen den Abbau des Kündigungsschutzes in Frankreich: „Nehmen wir uns den Mut unserer Kolleginnen und Kollegen im Nachbarland zum Vorbild.“

Der Gewerkschafter griff die öffentlichen Arbeitgeber scharf an. „In der Tarifauseinandersetzung wollen die Arbeitgeber auf Biegen und Brechen den Beweis erbringen, dass es auch ohne Tarifvertrag geht. Sie wollen das Diktat und weg von dem Gedanken eines fairen, in freien Verhandlungen ausgehandelten Kompromisses“, betonte er. Thöne kritisierte die Forderungen der Arbeitgeber nach der 40-Stunden-Woche und weiteren Einschnitten beim Gehalt wie die Kürzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld: „Die Herren wissen offensichtlich nicht, was hierzulande eine Erzieherin, eine Krankenschwester oder ein Müllmann zu leisten hat und was sie dafür als Lohn bekommen. Sonst würden sie nicht so abwertend und respektlos über deren Arbeit und Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Bezahlung reden.“

Er forderte die Arbeitgeber auf Landesebene auf, endlich an den Verhandlungstisch zurück zu kommen. „Dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten will ich ins Stammbuch schreiben: Verehrter Herr Oettinger! Sie präsentieren sich gerne als moderner und dialogbereiter Ministerpräsident. Sorgen Sie endlich dafür, dass es auch auf Länderebene einen Tarifabschluss gibt, der die Arbeit der Beschäftigten anerkennt und ihnen die Sicherheit für verlässliche Arbeitsbedingungen gibt“, sagte der GEW-Vorsitzende. „Ein leistungsfähiger öffentlicher Dienst ist kein unbezahlbarer Luxus, sondern unverzichtbar für die Zukunft unserer Gesellschaft.“

Info: Die vollständige 1. Mai-Rede des GEW-Vorsitzenden Ulrich Thöne finden Sie auf der Homepage der GEW unter: www.gew.de .

Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Ulf Roedde, Pressesprecher Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201

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