GEW: Kein Weg für mehr Bildungsgerechtigkeit / Bildungsgewerkschaft zum Gutachten des Aktionsrates Bildung
(Frankfurt am Main/München) Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Vorschlag des Aktionsrates Bildung, der für die bayerische Wirtschaft heute (8. März 2007) in München ein Konzept für das Schulsystem vorgelegt hat, als widersprüchlich und unausgegoren bezeichnet. Dem Ziel größerer Bildungsgerechtigkeit kommen wir mit diesen Vorschlägen nicht näher. Mehr Ganztagsschulen und zusätzliche Investitionen in den Bildungsbereich sind natürlich richtige Forderungen. Schulranking, freie Schulwahl, Schulautonomie und Privatisierung hingegen vergrößern die Ungerechtigkeit.
Sie vertiefen die soziale Spaltung das beweisen alle internationalen Studien, sagte Marianne Demmer, für Schule verantwortliches Vorstandsmitglied der GEW, am Donnerstag (8. März 2007) in Frankfurt am Main.
Wer mehr Qualität will, sollte sich an den Schulsystemen der PISA-Siegerländer wie Finnland orientieren. Finnland hat ein durch und durch staatliches Gesamtschul-System, kein Schulranking und keine Schulinspektion.
Kinder werden hier später und nicht früher eingeschult. Nicht die frühere Einschulung, sondern die frühe Auslese der Kinder nach Klasse vier ist das Kardinalproblem des deutschen Schulsystems, sagte Demmer. Das skandinavische Land stecke alle Kraft in die Qualifizierung des Personals, eine menschenfreundliche Philosophie und die Unterstützungsmaßnahmen: von medizinischer, über sonder- und sozialpädagogische bis hin zur schulpsychologischen Betreuung.
Der Aktionsrat Bildung will mit seinem Vorschlag eines zweigliedrigen Systems das Gymnasium zementieren, betonte Demmer. Die Autoren ignorieren, dass das hochgelobte deutsche Gymnasium gar nicht so erfolgreich ist wie behauptet. Nur halb so viele 15Jährige am Gymnasium erreichten verglichen mit den Schülern im finnischen Gesamtschulsystem die höchste Kompetenzstufe im Lesen. Konkurrenz wird auf dem Rücken der Schüler ausgetragen. Wir müssen jedoch alle Kinder fördern. Dafür brauchen wir entsprechende Unterstützungsprogramme, unterstrich die GEW-Sprecherin. Ob ein zweigliedriges Schulwesen, zur Zukunft der Sonderschulen für Lernbehinderte gibt es keine Aussagen, vielleicht ein Tippelschrittchen zu mehr Chancengleichheit sein kann, komme auf die Konzeption an.
Das holländische System, das beim Vorschlag des Aktionsrates Pate gestanden hat, sei als Vorbild für mehr Bildungsgerechtigkeit denkbar ungeeignet: Es führe zwar zu besseren Ergebnissen bei den Schülern, produziere aber ein fast ebenso so großes Auseinanderklaffen der Leistungen der Kinder und Jugendlichen wie das deutsche.
Die Qualität des Bildungsangebotes in der Schule ist keine Frage des Status der Lehrerinnen und Lehrer. Die Pädagogen brauchen für die Zufriedenheit im Beruf und gute Leistungen beste Arbeitsbedingungen.
Qualität und Arbeitsbedingungen sind zwei Seiten einer Medaille, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne. Die bayerische Wirtschaft habe sich in der Vergangenheit nicht gerade dadurch ausgezeichnet, auf dieses Thema das Hauptaugenmerk zu legen.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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