Pressemitteilung | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Anzeige

GEW: „Lehrer gehen seit Jahren souverän mit Rechtschreibtheater um“ / Bildungsgewerkschaft zu Inkrafttreten der Rechtschreibreform an Schulen

(Frankfurt am Main) – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rechnet nicht damit, dass die zum 01. August in Kraft tretende Rechtschreibreform an den Schulen zu großer Aufregung führen wird. „Die Lehrkräfte gehen souverän mit jeder neuen Wendung im Rechtschreibtheater um. Das haben sie während des Kuddelmuddels in den vergangenen Jahren gelernt“, sagte Marianne Demmer, stellvertretende GEW-Vorsitzende und Schulexpertin, am Montag (31. Juli 2006) in Frankfurt am Main. Sie warnte davor, die Situation jetzt künstlich zu dramatisieren.

„Die jetzt zugelassenen Varianten sind kein Beinbruch. Erstens hat es schon immer Varianten gegeben und zweitens wird es die Schüler freuen, wenn bei schwierigen Fragen mehrere Schreibmöglichkeiten als korrekt zugelassen sind.“ Ob die absurde Tragikomödie ‚Rechtschreibreform’ damit politisch jedoch endlich ad acta gelegt werden könne, sei zweifelhaft. Demmer: „Durch die unterschiedlichen Empfehlungen bei der Variantenschreibung durch die beiden führenden Wörterbuchhersteller hat sich schnell herausgestellt, dass die angestrebte Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung auf diesem Weg nicht zu erreichen ist. Die Lehrerinnen und Lehrer werden fragen, an wessen Empfehlungen sie sich denn halten sollen.“

Rückblickend auf die verbissenen Auseinandersetzungen der letzten Jahre stellte Demmer fest, dass man mit dem betriebenen Aufwand auch eine “richtige Reform“ in Angriff hätte nehmen können. Die GEW hatte gefordert, nicht nur die s-Schreibung zu reformieren sondern auch die gemäßigte Kleinschreibung einzuführen und sich damit internationalen Gepflogenheiten anzupassen. Demmer: „Aber für diese Frage ist der Zug vermutlich auf Jahre abgefahren. Das Thema Rechtschreibreform greift so schnell wohl niemand mehr auf. Bis auf einige Rechtschreibfanatiker haben alle die Nase voll.“

Die GEW-Vize machte darauf aufmerksam, dass das wirkliche Leben dem Glaubenskrieg um die richtige Rechtschreibung der Politiker und Wissenschaftler vorauseile. Wirtschaft und neue Technologien brächten einen neuen Umgang mit Rechtschreibkonventionen hervor. Demmer: „In der Werbung sind Rechtschreibverstöße ein regelrechtes Stilmittel. Interessanterweise regt sich kein Rechtschreibpabst darüber auf, wenn auf riesigen Werbetafeln zum Beispiel ein Getränkehersteller die Kunden ins „Vreibad“ schickt.“ Zudem könne man beobachten, dass in der E-Mail-Kommunikation häufig die gemäßigte Kleinschreibung benutzt werde. Abschließend appellierte Demmer, in der Rechtschreibung ein Kommunikationselement und kleine Glaubensfrage zu sehen und nicht jeden Fehler als Hinweis auf charakterliche Mängel oder Intelligenzschwäche zu deuten.“

Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Ulf Roedde, Pressesprecher Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201

Logo verbaende.com
NEWS TEILEN:

NEW BANNER - Position 4 - BOTTOM

Anzeige