GEW: Qualität von Bildung und Arbeitsbedingungen der Pädagogen sind zwei Seiten einer Medaille / Bildungsgewerkschaft zum Weltlehrertag 2008: solide Finanzierung des Bildungssystems sichern
(Frankfurt am Main) - Die Qualität von Bildung und die Arbeitsbedingungen der Pädagoginnen und Pädagogen gehören zusammen. Sie sind zwei Seiten einer Medaille. Wer gelingende Bildungsprozesse und gute -ergebnisse erzielen will, muss hochqualifizierten und motivierten Pädagogen gute Rahmenbedingungen anbieten, sagte Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), mit Blick auf den Weltlehrertag 2008 am Sonntag. Dazu gehören mehr Zeit für Kinder und Jugendliche, kleinere Klassen und deutlich mehr Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Dies alles steht und fällt allerdings mit einer soliden Finanzierung. Nur auf dieser Grundlage kann man auch kluge Köpfe als Pädagogen gewinnen. Die OECD-Studie Bildung auf einen Blick 2008 habe kürzlich noch einmal deutlich gemacht, dass die Bundesrepublik im internationalen Vergleich bei den Ausgaben für Bildung immer weiter zurückfalle. Bei der Bildungsfinanzierung müssen wir den Hebel umlegen. Wer von heute auf morgen die Pleite einer Bank mit einer 26,5 Milliarden-Bürgerschaft aus Steuergeldern abwenden kann, sollte auch das Geld haben, um in die Zukunftsaufgabe Bildung zu investieren, unterstrich Thöne.
Er betonte, dass bei der Neuordnung der Staatsfinanzen eine verlässliche und ausreichende Finanzausstattung des Bildungsbereichs sicher gestellt werden müsse. Mindestens sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sollten in die Bildung investiert werden. In einem ersten Schritt sollten jährlich mindestens 30 Milliarden Euro zusätzlich in den Bildungsbereich fließen, um wenigstens das Niveau der Durchschnittsausgaben der OECD-Staaten zu erreichen. Dieses Signal müssten der Merkelsche Bildungsgipfel am 22. Oktober und die beginnende Föderalismusreform II setzen. Während die OECD-Länder 2005 laut Bildung auf einen Blick im Schnitt 6,1 Prozent des BIP für die Finanzierung ihres Bildungswesens ausgaben, waren dies in Deutschland gerade einmal 5,1 Prozent.
Der GEW-Vorsitzende wies darauf hin, dass Deutschland auf einen Pädagogenmangel zusteuere. Die Länder müssen jetzt investieren und deutlich mehr Lehrkräfte und Erzieherinnen ausbilden. Sonst werden in Deutschland in kürzester Zeit zehntausende Fachkräfte fehlen. Und die können dann nicht von heute auf morgen ausgebildet werden, mahnte er. Wer motivierte junge Menschen für den schönen Pädagogenberuf gewinnen wolle, müsse für gute Rahmen- und Arbeitsbedingungen sorgen. Die Länder hätten sich in den vergangenen Jahren jedoch für einen anderen Kurs entschieden: Absenkung der (Einstiegs)Gehälter, Fristverträge und Teilzeitarbeitsplätze. So schreckt man junge Menschen ab und sägt an dem Ast, auf dem wir sitzen. Wir müssen viel mehr unsere ungenutzten Potenziale aktivieren und die Fähigkeit, kreative Lösungen zu finden, weiterentwickeln, sagte Thöne. Wegen der zu niedrigen Akademikerquote verliere Deutschland im internationalen Vergleich bei den Hochqualifizierten immer mehr den Anschluss.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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