GEW: Schere öffnet sich weiter / Länder stellen 1.400 Lehrkräfte weniger ein als von der KMK erwartet
(Frankfurt am Main) Die Unterrichtsversorgung an den Schulen in Deutschland wird sich weiter verschlechtern. Das befürchtet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit Blick auf die Zahlen des Lehrerarbeitsmarktberichts 2006 der AG Bildungsforschung/Bildungsplanung an der Uni Essen/Duisburg, die der Bildungsforscher Prof. Klaus Klemm leitet. Die Wissenschaftler und die Bildungsgewerkschaft haben die Untersuchung am Donnerstag (23. November 2006) während einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.
Die Schere geht immer weiter auseinander: Die Länder stellen Jahr für Jahr viel weniger Lehrkräfte ein, als die Kultusministerkonferenz (KMK) 2003 in einer Lehrerbedarfsstudie festgestellt hatte. In vier Jahren klafft zwischen Prognose und Realität eine Lücke von 16.200 Lehrkräften, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne. Allein 2006 seien 1.400 Lehrer zuwenig eingestellt worden. Pädagogen, Eltern und Schüler spüren die Folgen immer stärker: weniger Unterricht, mehr Stundenausfall und größere Klassen. Die Landesregierungen sparen auf dem Rücken der Lehrkräfte. Sie verordnen längere Arbeitszeiten und setzen auf Arbeitsverdichtung. Pädagogen, Schüler und Bildungsqualität bleiben auf der Strecke. Offenbar sei diese Entwicklung der KMK mittlerweile so peinlich, dass sie seit 2005 darauf verzichtet hat, eigene Daten zur Lehrereinstellung zu veröffentlichen.
Lehrerinnen und Lehrer brauchen mehr Zeit für Schüler: Für erweiterte Ganztagsangebote, mehr individuelle Förderung und die Stärkung der Kinder und Jugendlichen. Denn: Bildung eröffnet Lebens- und Berufschancen, unterstrich Thöne. Mit ihrer Rotstiftpolitik verspielen die Landesregierungen die Zukunft Deutschlands. Die sinkenden Schülerzahlen nicht zu weiteren Einschnitten zu nutzen, wäre ein erster Schritt, in der Bildungsfinanzierung umzusteuern. Die Mittel dürfen nicht in bodenlosen Haushaltslöchern verschwinden.
Alle in jüngster Zeit veröffentlichten Studien haben die Unterfinanzierung des deutschen Bildungswesens und die im internationalen Vergleich unter dem Schnitt liegenden Leistungen der Lernenden kritisiert. Um international Anschluss zu halten, müsse deshalb, so der GEW-Vorsitzende, die Zahl der Akademikerinnen und Akademiker deutlich erhöht werden.
Das Diktat der Sparkommissare und der Bildungsföderalismus führen zu einer paradoxen Situation: Während in Mathe und Physik an beruflichen und Hauptschulen sowie vielen Regionen bereits heute Lehrermangel herrscht, haben über 26.000 junge Kolleginnen und Kollegen keine Stelle erhalten. Hochqualifizierte Pädagogen, die an den Schulen dringend gebraucht werden, betonte der GEW-Vorsitzende. Die Landesregierungen müssen den jungen Lehrkräften jetzt gute Einstellungsangebot machen, sonst steuern wir wegen der anrollenden Pensionswelle auf einen gravierenden Lehrermangel zu.
In den östlichen Bundesländern werde gerade der Fehler aus dem Westen
wiederholt: Statt kontinuierlich Lehrkräfte einzustellen, haben auch 2006 nicht einmal 1.150 Pädagogen zwischen Rügen und Plauen den Einstieg in den Beruf schaffen können. So nimmt man eine künftige Überalterung der Kollegien sehenden Auges in Kauf. Für qualifizierte und hoch motivierte Lehrkräfte sowie die erfolgreiche Werbung um junge Menschen zur Aufnahme eines Lehramtsstudiums brauchen wir attraktive Einstellungsangebote: Sichere Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen und Einkommen sowie ein positives Image sind die beste Versicherung gegen Lehrermangel und die Verschleuderung von Entwicklungspotenzialen junger Menschen und der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft, sagte Thöne.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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