GEW: Über Schulgrenzen hinaus Perspektiven entwickeln / Bildungsgewerkschaft zur Bundestagsdebatte über Gewalt an Schulen und Integrationspolitik
(Frankfurt am Main) Politik muss über die Schulgrenzen hinaus Perspektiven für die Zukunft junger Menschen entwickeln. Das hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) anlässlich der Bundestagsdebatte zu Gewalt an Schulen gefordert und ihre Mitarbeit angeboten. Kinder müssen in der Schule in einem integrierten System länger gemeinsam lernen. Dabei gehört die Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe auf Augenhöhe endlich auf die Tagesordnung. Der Bildungsauftrag beginnt jedoch schon im Kindergartenalter. Kostenlose Kitas verbessern die Bildungschancen von Kindern aus sozial schwächeren Schichten. Nach der Schule brauchen junge Menschen eine Lebens- und Berufsperspektive: Die Gesellschaft muss Ausbildungs- und Arbeitsplätze bereit stellen. In diesem Sinne weist die Diskussion über die Frage Gewalt an Schulen und die Abschaffung der Hauptschule hinaus, sagten GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne und Stellvertreterin Marianne Demmer, Schulexpertin der Bildungsgewerkschaft, am 05. April 2006 in Frankfurt a.M..
Scharf kritisierte Thöne den Vorstoß der bayerischen Freistaatsregierung, integrationsunwillige Zuwanderer künftig zu bestrafen. Das ist Zwangsassimilation und keine Integrationspolitik. So produziert man Frust, Gewaltpotenzial und Parallelgesellschaften, unterstrich der GEW-Vorsitzende. Eine verantwortungsvolle Integrationspolitik stocke das Angebot an Orientierungs- und Sprachkursen für Zuwanderer auf und drohe nicht mit weiteren drastischen Kürzungen wie von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) geplant. Die Realpolitik entlarvt das hohe Lied von der Integration als hohles Geschwätz. Das kraftmeiernde Geschrei mancher Politiker nach Härte und konsequentem Durchgreifen steht dem Verhalten vieler Pubertierender in nichts nach, sagte Thöne.
Er warnte jedoch davor, die Diskussion allein auf Migrantinnen und Migrantinnen zu zuspitzen. Wir stehen vor allem vor einem sozialen und weniger einem ethnischen Problem, sagte Thöne. Junge Menschen machten Armutserfahrungen. Sie spürten die Auswirkungen der Hartz IV-Gesetze, etwa der zunehmenden Kinderarmut. Junge Menschen machen die Erfahrung, dass offenbar über 20 Prozent ihrer Generation in Deutschland nicht gebraucht werden, so der Gewerkschafter.
Die Zersplitterung der Gesellschaft und das Einsortieren in gesellschaftliche Schichten und Klassen beginnt bereits bei den Zehnjährigen, in Bayern jetzt sogar im zarten Altern von sechs Jahren. So verfestigt Schulpolitik die Klassenstruktur in der Bundesrepublik statt Chancengleichheit zu verbessern, sagte Demmer. Sie wies darauf hin, dass die registrierten Gewalttaten an Hauptschulen entgegen der allgemeinen Wahrnehmung - in den vergangenen Jahren zurückgegangen sei. Dies sei auf die an vielen Schulen vorbildliche Präventionsarbeit der Lehrerinnen und Lehrer zurück zu führen. Es ist absurd: Gerade diese hochbelastete Gruppe, die Familienberater, Sozialarbeiter und Lehrerin in einer Person ist, hat in der Regel die höchste Unterrichtsverpflichtung und wird am schlechtesten bezahlt, unterstrich Demmer.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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