GEW: Wir brauchen ein integratives Schulsystem/ Bildungsgewerkschaft legt Sieben-Punkte-Programm vor / Berufliche Perspektiven für junge Menschen / Absurde Zwangs- und Abschiebungsdebatte beenden
(Frankfurt) Für ein integratives Schulsystem hat sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stark gemacht. Die Bildungsgewerkschaft legte zur Debatte um die Konsequenzen aus dem Notruf der Berliner Rütli-Schule ein Sieben-Punkte-Programm vor. Wir müssen die frühe soziale Auslese endlich überwinden und die Schüler stärker individuell fördern. Junge Menschen brauchen Ausbildungsplätze und eine berufliche Perspektive.
Wer in dieser Gesellschaft Chancen für sich sieht, nutzt auch Angebote zur Integration und hat an Gewaltexzessen kein Interesse, sagten GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne und Stellvertreterin Marianne Demmer, Schulexpertin der Bildungsgewerkschaft, am 03. April in Frankfurt a.M.. Mit den absurden Vorschlägen für Zwangsmaßnahmen gegen Schüler und junge Menschen mit Migrationshintergrund, mit denen sich konservative Politiker gegenseitig zu überbieten versuchen, muss endlich Schluss sein. Vorstöße, die in Abschiebungsmaßnahmen gipfeln, helfen überhaupt nicht weiter. Sie schüren nur Ausländerfeindlichkeit und lenken von Fragen wie der notwendigen Schulstrukturdebatte ab.
Die GEW schlägt ein gesellschaftliches Bündnis aus Gewerkschaften, Wirtschaft, Wissenschaft und Kirchen vor, das ohne Scheuklappen eine Initiative zur Weiterentwicklung des gegliederten Schulwesens startet. Die Organisationen sollten sich über die Aufgaben von Schule und ein Konzept zur Umsetzung dieser Ziele verständigen.
Wir brauchen eine Kommunal- und Schulnetzplanung, die der Bildung von Ghettos vorbeugt und für eine ausgewogene soziale Zusammensetzung in Stadtteilen und Schulen sorgt, sagten die GEW-Sprecher. Schulen könnten gezielte Integrationspolitik in staatlicher Verantwortung organisieren, die eine gesamte Generation erfasst.
Integration ist keine Einbahnstraße. Die zurzeit von konservativer Seite vorangetriebene Zwangsassimilation von Migranten wird zu Recht als Unterwerfungsversuch und Feindseligkeit empfunden. Wir brauchen interkulturelle Bildung und Erziehung von Anfang an. Dazu gehören besser als bisher ausgestattete Integrationskurse für alle Migranten und gebührenfreie Kindertagesstätten, unterstrichen Thöne und Demmer. Sie verlangten, dass interkulturelle Bildung fester Bestandteil der Ausbildung aller Pädagogen werden müsse.
Die GEW-Vertreter sprachen sich für eine kontinuierliche Sprachförderung während des gesamten Bildungsprozesses aus. Dies schließe auch die Förderung deutscher Kinder ein. Den Schulbesuch von einem bestandenen Sprachtest abhängig zu machen, lehnten sie als Verstoß gegen das Grundgesetz und internationale Abkommen ab.
Schulsozialarbeit gehört an jede Schule. Nicht nur als Ausputzer. Zur Prävention von Gewalt gehört die enge Zusammenarbeit von Schule, Schulaufsicht und Jugendhilfe, sagten Thöne und Demmer.
Sie mahnten eine bessere Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer sowie Unterstützungsangebote, etwa Supervision, an. Dazu zähle auch die Vermittlung zusätzlicher Kenntnisse in Konflikt- und Gewaltprävention.
Den besonderen Belastungen der Pädagogen muss durch entsprechende Arbeitsbedingungen und zeiten, aktiven Gesundheitsschutz und entsprechende Bezahlung Rechnung getragen werden. Gerade Lehrkräfte, die in Problemschulen unterrichten, haben vergleichsweise viele Unterrichtsstunden und werden von der Politik allein gelassen, betonten die Gewerkschafter.
Schule ist nicht die Reparaturwerkstatt aller gesellschaftlichen Probleme.
Junge Menschen brauchen Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Haupt- und Sonderschülern, die selbst mit Abschluss keine Chancen auf den Berufseinstieg haben, wird die Arbeits- und Lebenschance genommen, so die GEW-Sprecher. Wenn die Arbeitgeber ihrer gesellschaftlichen Aufgabe nicht gerecht werden, müsse der Staat in die Bresche springen. Dazu gehörten auch vollzeitschulische Berufsausbildungen, die der Ausbildung im Betrieb gleichgestellt sind. Nur gut 60 Prozent der 18- bis 21 Jährigen haben einen betrieblichen Ausbildungsplatz, bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund sind es nicht einmal 30 Prozent.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
Weitere Pressemitteilungen dieses Verbands
- GEW: „Qualität in Kitas nicht leichtfertig verspielen“ / Bildungsgewerkschaft zur Studie „Regionale Disparitäten in der Fachkraft-Quote von KiTa-Teams“
- GEW zum Positionspapier des Wissenschaftsrats zu Personalstrukturen
- GEW: „130 Milliarden Euro für Bildung!“ / Bildungsgewerkschaft zur Abstimmung im Bundeskabinett über die Einrichtung des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen

