Pressemitteilung | Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer im Deutschen Beamtenbund (GDL)

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer im Deutschen Beamtenbund (GDL): Rückzugsräume für das Zugpersonal / Vier Quadratmeter für unsere Sicherheit!

(Frankfurt am Main) - Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordert, bei Neufahrzeugen und Umbauten von Bestandsfahrzeugen zusätzliche Rückzugsräume für das Zug- und Sicherheitspersonal vorzusehen. Im Positionspapier Mindestens vier Quadratmeter für unsere Sicherheit! begründet die GDL die Notwendigkeit solcher Rückzugsmöglichkeiten und definiert die Anforderungen an die entsprechenden Räumlichkeiten.

Laut GDL verfügen immer weniger Fahrzeuge im Eisenbahnverkehr über Dienstabteile. Oftmals dienten unbesetzte Führerräume als Rückzugsmöglichkeit, doch Zugbegleitern ohne betriebliche Aufgaben oder Mitarbeitern des Sicherheitspersonals werde auch diese Möglichkeit oft verwehrt.

Erhöhtes Schutz- und Regenerationsbedürfnis

Aus Sicht der GDL besteht hier dringender Handlungsbedarf: "Dem Schutz- und Regenerationsbedürfnis der Mitarbeiter muss durch die Bereitstellung geeignete Rückzugsräume dringend Rechnung getragen werden", so der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky. "Dies gilt umso mehr angesichts der deutlichen erhöhten Belastung des Zugpersonals durch die Corona-Pandemie."


Deutlicher Anstieg an Übergriffen

Im Zuge der zunehmenden Verrohung der Gesellschaft leidet das Zugbegleitpersonal ohnehin seit Jahren unter einem massiven Anstieg verbaler Übergriffe und körperlicher Attacken. Die GDL hat die erschreckende Situation der Mitarbeiter in zwei Umfragen, zuletzt 2019, akribisch erfasst und detailliert dokumentiert: Mit Sicherheit: GDL-Umfrage 2019. "Als wäre das noch nicht genug, müssen sich die Kolleginnen und Kollegen seit Beginn der Pandemie nun auch noch mit aggressiven Impfgegnern auseinandersetzen", so Weselsky.

Grenze der Belastbarkeit überschritten

So kam es auch in den zurückliegenden Tagen der eigentlich besinnlichen Weihnachtszeit und des friedvollen Jahreswechsels erneut zu Eskalationen in den Zügen. In München etwa widersetzte sich ein Reisender ohne Mund-Nasen-Schutz äußerst aggressiv der Aufforderung eines Bahnmitarbeiters den Bahnhof zu verlassen und drohte, diesem Pfefferspray ins Gesicht zu sprühen. Bei der kurz darauf erfolgten Festnahme des Mannes stellte die Polizei neben dem Spray auch ein Messer sicher. Das ist nur ein Vorfall von vielen, bei denen verbale und körperliche Übergriffe zu verzeichnen waren.
Weselsky: "Wir meinen: Nun ist die Grenze der Belastbarkeit nicht nur erreicht, sondern bei weitem überschritten. Wir fordern den Schutz der Mitarbeiter und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Zugpersonal."

Konflikt entschärfen, Hilfe anfordern

Die Sicherheitsräume sind ein wichtiger Baustein im umfangreichen Forderungspaket der GDL zum Bereich Sicherheit, Gewalt und belastende Ereignisse. Sie erlauben es dem Zugpersonal, sich insbesondere Gefahren- oder Stresssituationen schnell zu entziehen und den Konflikt über Ansagen im Zug oder mittels Meldung an die Leitstelle zu entschärfen oder Hilfe anzufordern. "Benötigen die Betroffenen bei Übergriffen oder Konflikten Zeit, bis Hilfe eintrifft, stellt eine solche Einrichtung aus unserer Sicht eine wichtige Ergänzung zum Sicherheitsempfinden der Kollegen dar", so Weselsky.

Zur Umsetzung ihrer Forderungen appelliert die GDL an die bei Fahrzeugbestellungen beteiligten Betriebsräte, Rückzugsräume im Rahmen ihrer Mitbestimmungsrechte als hochgradig wirksame Schutzmaßnahme durchzusetzen.

Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer im Deutschen Beamtenbund (GDL) Elke Uhl, Presseabteilung Baumweg 45, 60316 Frankfurt am Main Telefon: 069 405709-0, Fax: 069 405709-129

(mn)

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