Pressemitteilung | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)

Gewerkschaften wollen europäischen Hochschul- und Forschungsraum mitgestalten

(Berlin) - „Die Bildungsgewerkschaften wollen den europäischen Hochschul- und Forschungsraum mitgestalten“, erklärte Eva-Maria Stange, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am 11. April zur Eröffnung des Berlin-Forums „Shaping the European Area of Higher Education and Research“. „Dieses Ziel erreichen wir nicht, wenn allein in den Amtsstuben der Wissenschaftsverwaltungen die Köpfe zusammengesteckt werden. Studierende, Professorinnen und Professoren, das wissenschaftliche, technische und Verwaltungspersonal müssen in die Diskussion einbezogen werden.“ Neue Formen der Partizipation müssten gefunden werden, wenn die europäischen Wissenschaftsinstitutionen kreativer, innovativer und ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden sollen.

Stange nannte vier Aspekte, die aus Sicht der Bildungsgewerkschaften beim sogenannten Bologna-Prozess eine wichtige Rolle spielen müssten. Durch den Bologna-Prozess soll ein gemeinsamer Hochschul- und Forschungsraum in Europa geschaffen werden. „Der Bildungsbereich muss aus den GATS-Verhandlungen zur Liberalisierung des Handels mit Dienstleistungen herausgenommen werden. Bildung darf nicht zur Ware verkommen. Sie muss öffentliches Gut bleiben“, unterstrich die GEW-Chefin. Sie verlangte eine regelmäßige Untersuchung der sozialen Lage der Studierenden in Europa. Die gewollte internationale Mobilität der Studierenden dürfe nicht an regionalen und sozialen Ungleichheiten scheitern.

Außerdem forderte sie die Aufnahme des Themas „Arbeitsbedingungen des wissenschaftlichen Personals an den europäischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen“ in die Agenda des Bologna-Prozesses. „Heute verhindern noch zu viele, national sehr unterschiedliche hochschul-, arbeits- und sozialrechtliche Regelungen ‚grenzenloses’ wissenschaftliches Arbeiten“, sagte Stange. Sie machte deutlich, dass die Hochschulen umfassend reformiert werden müssten. Ziel sei ein gemeinsames europäisches Verständnis von Qualität an den Hochschulen. Dieser Prozess solle durch eine aktive Politik der Qualitätssicherung, Evaluation und Akkreditierung unterstützt werden. „Das setzt voraus, dass die Lehrenden und Studierenden die Vorbereitung und Umsetzung dieser Projekte mitgestalten können“, forderte die GEW-Vorsitzende.

Info: Über 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus mehr als 25 europäischen Ländern nehmen an der Tagung vom 10. – 13. April 2003 im Berliner Harnack-Haus teil. Hinzu kommen Gäste aus Australien, Kanada und den USA.
Veranstalter des Berlin-Forums sind die Bildungsinternationale (BI), das Europäische Gewerkschaftskomitee für Bildung und Wissenschaft (EGBW) und die GEW. In der BI sind weltweit mehr als 25 Millionen Beschäftigte aus dem gesamten Bildungsbereich organisiert, darunter eine Million aus dem Hochschul- und Forschungsbereich.

Das „BI-/GEW-Berlin-Forum“ wird von Edelgard Bulmahn (SPD), Bundesministerin für Bildung und Forschung, eröffnet. Sie ist im Herbst Gastgeberin der 4. Bolognakonferenz, an die sich die gewerkschaftlichen Forderungen richten.

David Coyne für die Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission, Prof. Dr. Eric Froment, Präsident der European University Association (EUA), Martin Rømer, Generalsekretär des EGBW, und Fred van Leeuwen, Generalsekretär der BI, sind Hauptredner auf dem Berlin-Forum.

Die Veranstaltung wird von Gerd Köhler, im Geschäftsführenden Vorstand der GEW verantwortlich für Hochschule und Forschung, geleitet.

Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt Telefon: 069/789730, Telefax: 069/

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