Gewerkschaftsstudie: Über 6 Millionen potenzielle neue Mitglieder
(Berlin) - Nach einer repräsentativen Studie im Auftrag aller DGB Gewerkschaften, für die im Sommer 2007 über 5.000 Beschäftigte von TNS Infratest befragt wurden, haben die Gewerkschaften gute Chancen ihre Mitgliedschaft zu verdoppeln. Über sechs Millionen nicht organisierte ArbeitnehmerInnen fühlen sich den Gewerkschaften besonders verbunden. Darunter sind überproportional viele junge Frauen, Teilzeitbeschäftigte und Azubis vertreten.
Einer der Gründe, warum diese Interessenten noch nicht einer Gewerkschaft beigetreten sind, liegt darin, dass es in ihrem Betrieb keine Arbeitnehmervertretung gibt, erläuterte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer am Freitag (9. Mai 2008) in Berlin.
Dieses zentrale Ergebnis der Potenzialanalyse zeigt, dass die Gewerkschaften mit der konsequenten Verstärkung der betrieblichen Arbeit auf dem richtigen Weg sind. Es beweist auch, dass Gewerkschaften durchaus große Zukunftschancen in Deutschland haben, erklärte Sommer.
Weitere wichtige Ergebnisse der Potenzialanalyse sind:
- Hohe Anerkennung findet die tarifpolitische Arbeit und deren Kommunikation der Gewerkschaften, besonders in Bezug auf Beschäftigungssicherung.
- Der Rechtsschutz und die arbeitsrechtliche Beratung erhalten hohe Zustimmung und Anerkennung. Das gilt besonders für diejenigen, die den Rechtsschutz der Gewerkschaften schon in Anspruch genommen haben. Von allen Mitgliedern bewerten 61 Prozent das Angebot der arbeitsrechtlichen Beratung als gut oder sehr gut.
- Gerade Akademiker schätzen den Rechtsschutz als wichtig ein (99 Prozent), während sie die anderen Aufgaben der Gewerkschaften als weniger bedeutend erachten.
- 24 Prozent der Mitglieder haben eine nicht ausreichende Bindung an ihre eigene Gewerkschaft und können damit als austrittsgefährdet gelten. Dass sie es nicht tun, hängt vor allem mit der guten Arbeit des Rechtsschutzes, den tarifpolitischen Erfolgen sowie der Streikunterstützung zusammen. Auch in anderen Massenorganisationen hat eine vergleichbare Mitgliederzahl eine unzureichende Bindung. Die Unzufriedenheit dieser Mitglieder rührt z.B. daher, dass sie sich mehr Einsatz der Gewerkschaften für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wünschen.
- Positiv ist allerdings, dass der DGB im Vergleich zu anderen Organisationen über eine besonders hohe Zahl aktiver und engagierter Mitglieder verfügt (23 Prozent).
- Die Beschäftigten im Osten erwarten von den Gewerkschaften, dass sie sich in der Öffentlichkeit besser positionieren und mehr politischen Einfluss bekommen. Andererseits loben die ostdeutschen Beschäftigten ihre Gewerkschaften ganz besonders wegen der Erfolge bei der Beschäftigungssicherung. 96 Prozent bewerten die Flächentarifverträge als wichtig oder sehr wichtig.
- Besonders positiv auf die Bindung wirkt sich aus, dass die Gewerkschaften der hohen Erwartungshaltung der Arbeitnehmer an die Integrität ihrer institutionalisierten Interessensvertretung weitgehend genügen können sie werden hier überdurchschnittlich bewertet. Auch wird in besonderer Weise honoriert, dass sie bei Problemen rechtzeitig zur Stelle ist.
- Im Hinblick auf die weiteren, ebenfalls äußerst relevanten Erwartungen an die Gewerkschaften, Arbeitnehmern Schutz und Sicherheit zu vermitteln, die Arbeitswirklichkeit der Beschäftigten zu kennen und sich um die Probleme der Beschäftigten in den Betrieben zu kümmern, herrscht dagegen offenbar partiell der Eindruck vor, die Gewerkschaften seien abgehoben von der Wirklichkeit der Arbeitnehmer. Alle Aspekte werden lediglich durchschnittlich bewertet. Hier zeichnet sich Handlungsbedarf für die Gewerkschaften ab.
Fazit: Die Gewerkschaften untersuchen wie auch Parteien und andere Großorganisationen seit Jahren, wie sie von Mitgliedern und Nichtmitgliedern beurteilt werden. Mit dieser Potenzialanalyse haben sie ein gemeinsames neues Instrument geschaffen, um genauere Ergebnisse bei diesen Befragungen erzielen zu können. Dass dabei positive und negative Aspekte sichtbar werden, ist das Ziel solcher Studien. Als Konsequenz der vorliegenden Ergebnisse werden die Gewerkschaften ihre Stärken ausbauen und die Schwächen gezielt beseitigen. Insgesamt macht die Studie Mut für die Zukunft der Einheitsgewerkschaften.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesvorstand
Axel Brower-Rabinowitsch, Leiter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin
Telefon: (030) 24060-0, Telefax: (030) 24060-324
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