GOT-Evaluierung: Eine sichere Zukunft der GOT fordert den vehementen Einsatz des bpt!
(Frankfurt am Main) - Wenn gerüchtehalber selbst der Bundesminister die Höhe seiner eigenen Tierarztrechnung kritisiert, dann ist klar: Tierärztinnen und Tierärzte brauchen gute Argumente, um Abgeordneten, Regierungsmitarbeitenden und Tierhaltenden zu verdeutlichen, dass moderne Tiermedizin Geld kostet und eine Senkung der tierärztlichen Gebühren völlig inakzeptabel ist. Die aktuell anstehende Evaluierung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) war deshalb erneut Thema einer berufspolitischen Veranstaltung des bpt, dieses Mal im Rahmen der bpt-INTENSIV Kleintier 2026 in Bielefeld. In der von bpt-Geschäftsführer Heiko Färber moderierten Veranstaltung stellten sich auf dem Podium bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder, Dr. Bodo Kröll (Beisitzer des bpt-Präsidiums und Mitglied im GOT-Ausschuss der BTK) und Nicolas Heinrich, Geschäftsführer der AFC Public Services GmbH, den Fragen des Publikums.
Die AFC Public Services GmbH wurde erst kürzlich vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) mit der GOT-Evaluierung beauftragt. Rund 150 Tierärztinnen und Tierärzte nutzten im Anschluss an einen langen Fortbildungstag die Gelegenheit, um sich aus erster Hand über den Ablauf der anstehenden Evaluierung zu informieren.
Schwierige Ausgangslage
Von Dr. Moder wurde eingangs verdeutlicht, dass in der Politik ein Stimmungswandel stattgefunden hat, nicht zuletzt, weil beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) in den letzten Monaten sehr viele kritische Eingaben von Bürgern eingegangen sind. Selbst ein Wegfall der GOT scheint nicht mehr gänzlich ausgeschlossen, obwohl aus anderen EU-Ländern bekannt ist, dass die tierärztlichen Preise ohne Gebührenordnung deutlich höher sind. Heinrich erläuterte, dass das Ziel der Evaluierung sowohl die Überprüfung der Gebührenhöhe als auch der GOT-Struktur ist. Dazu fänden nun in einem ersten Schritt zunächst Gespräche mit betroffenen Stakeholder-Verbänden statt und dann im Anschluss, als Kernelement der Evaluierung, eine Online-Befragung von Tierärztinnen und Tierärzten. Mit der Teilnahme an dieser Online-Umfrage habe die Tierärzteschaft die Chance, aktiv Einfluss auf die Entwicklung der GOT zu nehmen.
Dr. Kröll erläuterte, dass die aktuelle Gebührenordnung strukturell auf einem mehr als 20 Jahre alten Vorschlag basiere, dessen Struktur bereits bei der GOT-Erneuerung in 2022 veraltet gewesen sei. Im Sinne einer schnellen Anpassung der Gebührenhöhe habe die Politik in Kauf genommen, dass veraltete Positionen nicht entfernt wurden. Deshalb habe der GOT-Ausschuss der BTK, dem übrigens ausschließlich bpt-Mitglieder angehörten, zur Vorbereitung der Evaluierung einen Vorschlag zur Vereinfachung der GOT-Struktur entwickelt, der u.a. eine Neugruppierung der Tierarten vorschlägt. Auch habe der Ausschuss Gespräche z.B. mit Tierhalterverbänden wie dem Deutschen Tierschutzbund oder der Reiterlichen Vereinigung (FN) gesucht, um auszuloten, bei welchen Positionen Veränderungsbedarf besteht.
Gute Tiermedizin kostet Geld
In der anschließenden Diskussion wurde schnell klar, wie Tierärztinnen und Tierärzte die Sache sehen: Die Bestimmung des Einkommens von Tierärztinnen und Tierärzten ist Aufgabe der Tierarztpraxis und kann nicht Sache der Tierhaltenden sein. Dass in der emotional geführten Debatte von vielen Tierhaltenden unterstellt wird, dass Tierärztinnen und Tierärzte ihrer Verantwortung für Tierschutz nicht nachkommen und Schuldgefühle haben müssen, wenn Sie Geld verdienen möchten, wird als Verdrehung der Tatsachen empfunden. Laut Tierschutzgesetz sei der Tierhalter für das Wohl seines Tieres in der Verantwortung. Ähnlich einem handwerklichen Betrieb müssten auch Tierarztpraxen ein bestimmtes Preisniveau einfordern, damit das ‚Unternehmen Tierarztpraxis‘ dauerhaft Bestand hat und seine Dienstleistungen im Interesse einer flächendeckenden (Notdienst-)Versorgung anbieten kann. Klar sei auch: Eine Absenkung der aktuell in der GOT festgeschriebenen Gebührensätze kommt nicht in Frage, weil dies katastrophale Auswirkungen nicht nur für die Arbeitsbedingungen angestellter Tierärztinnen und Tierärzte und TFA hätte, sondern auch die selbständige Niederlassung noch weiter unattraktiv machen würde. Lediglich der Forderung nach zusätzlicher Transparenz wurde Berechtigung zugestanden. Besonders wichtig scheint dabei eine nachvollziehbare Anpassung der Gebühren. Statt einer umfassenden Anpassung alle 20 Jahre, wäre eine regelmäßige Anpassung deutlich besser nachzuvollziehen. Die Aufteilung der vieldiskutierten Hausbesuchsgebühr, so wie es dem BMLEH von bpt und BTK bereits vorgeschlagen wurde, wurde vom Publikum positiv gesehen.
Mitmachen!
Die Online-Befragung der Tierärzteschaft wird voraussichtlich im 2. Quartal 2026, also zwischen April und Juni stattfinden. Damit dem Bundesministerium möglichst realistische Vorschläge unterbreiten werden können, ist es wichtig, dass sich viele praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte an der Umfrage beteiligen. Das sind gut investierte 30 Minuten, so bpt-Präsident Dr. Moder zum Abschluss der rund einstündigen Diskussionsrunde. Eine große Beteiligung könne auch zeigen, wie wichtig der Tierärzteschaft der Erhalt der GOT ist. Und Moder versprach: „Der bpt wird sich vehement für den Erhalt der GOT einsetzen!“
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt), Ursula von Einem, Referatsleiter(in) externe Kommunikation, Hahnstr. 70, 60528 Frankfurt am Main, Telefon: 069 6698180
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