Pressemitteilung | Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Große Versorgungslücke bei Kinderbetreuungsplätzen

(Berlin) - In Deutschland besteht eine massive Überschussnachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt das DIW Berlin nach einer Schätzung auf der Basis von Mikrodaten in seinem aktuellen Wochenbericht 14/2005. Für Kinder bereits erwerbstätiger Mütter werden rund 250.000 Plätze benötigt, dieser Bedarf kann mit dem von der Bundesregierung geplanten Ausbau der Betreuungsplätze annähernd gedeckt werden. Darüber hinaus besteht jedoch ein Bedarf für Kinder von Müttern mit einem starken Erwerbswunsch. Insgesamt könnten in ganz Deutschland über 1,2 Mill. Kinderbetreuungsplätze tatsächlich nachgefragt werden.

Im westdeutschen Durchschnitt stehen nur 2,5 Plätze für 100 Kinder unter drei Jahren zur Verfügung. Zwischen Stadtstaaten und Flächenländern bestehen dabei große Unterschiede; in Ostdeutschland ist die Versorgung mit durchschnittlich 35 Plätzen pro 100 Kindern wesentlich besser. Damit nimmt Deutschland im europäischen Vergleich einen der hinteren Plätze ein und hat somit noch einen massiven Nachholbedarf im Hinblick auf die beim EU-Gipfel in Barcelona für das Jahr 2010 festgelegte Zielmarke von 33 Prozent.

Bei der Finanzierung eines bedarfsgerechten Ausbaus der Kinderbetreuung sehen viele Kommunen aufgrund ihrer schlechten Haushaltslage häufig wenig Spielraum. Der Gemeindefinanzausgleich sollte deshalb kurz- bis mittelfristig so umgestaltet werden, dass dabei die Zahl der Kinder im vorschulischen Alter berücksichtigt wird. Ferner sollte auch an mittel- bis langfristigen Reformen weitergearbeitet werden, die eine nachhaltige Finanzierung der Betreuungsinfrastruktur für Kinder sicherstellen, indem diese Infrastrukturleistungen z. B. über eine Familienkasse finanziert werden.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Königin-Luise-Str. 5, 14195 Berlin Telefon: 030/89789-0, Telefax: 030/89789-200

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