Handwerk: Reduzierte Lehrlingsvergütung lenkt von wirklichen Problemen ab
(Stuttgart) - Das Handwerk, das die Hälfte aller gewerblich-technisch Auszubildenden beschäftigt, teilt die Meinung von DIHK-Präsident Braun, mit reduzierten Vergütungen könne man das Lehrstellenangebot ankurbeln, nicht. Im Gegenteil: Die jetzt vom Zaun gebrochene Diskussion ist kontraproduktiv und lenkt von den wirklichen Problemen ab, erklärte der Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT), Joachim Möhrle.
Natürlich freue sich jeder Handwerksmeister, wenn er ein paar Euro sparen könne, sagte Möhrle. Aber die Höhe der Ausbildungsvergütung sei nicht entscheidend. Möhrle: Wenn Handwerksbetriebe nicht ausbilden, sind die Gründe anderswo zu suchen. Sicher spiele auch in dieser Wirtschaftsbranche die allgemeine schwierige Situation eine Rolle, aber das Problem sei vielmehr die Ausbildungswilligkeit und -fähigkeit der Bewerber. Der Vorschlag, drei Lehrlinge einzustellen, aber nur für zwei zu bezahlen, greife deshalb zu kurz und treffe aus Sicht des Handwerks nicht den Kern des Problems. Viele Bewerber brächten erhebliche Defizite im Lesen, Rechnen und Schreiben aus der Schule mit: Hier Reparaturbetrieb zu sein, Defizite aufzufangen und die Auszubildenden für den Berufsschulunterricht zu qualifizieren, kostet den Betrieb viel Zeit und Geld.
Nach wie vor gebe es tausende freier Lehrstellen im baden-württembergischen Handwerk, weil es an geeigneten Bewerbern oder generell an Interessenten mangle, betonte Möhrle. Gute Schüler für einen Handwerksberuf zu interessieren werde aber nicht einfacher, indem man die Ausbildungsvergütung zurückschraube. Hinzu komme, dass die Bandbreite der aktuellen Lehrlingsgehälter in den drei Ausbildungsjahren im Handwerk in Baden-Württemberg sehr groß sei. Die Vergütungen reichten beispielsweise von rund 550 bis über 1.000 Euro im Baugewerbe und von knapp über 300 Euro bis 500 Euro im Holz- und Kunststoffverarbeitenden Handwerk. Die finanziellen Spielräume der Betriebe seien wahrhaftig eng, aber für gute Lehrlinge werde die Ausbildungsvergütung gern geleistet: Wir brauchen bestens ausgebildete Fachkräfte und mit ordentlichen Vergütungen werden mache Berufe erst interessant. Das Handwerk unternehme mit der vom Land geförderten breit angelegten Nachwuchskampagne große Anstrengungen qualifizierte Bewerber zu gewinnen: Für einen Erfolg ist die aktuelle Diskussion wenig hilfreich.
Außerdem sei es ja keineswegs so, dass ein Lehrling nur Geld koste. Möhrle: Jeder gute Ausbildungsbetrieb hat von einem solide ausgebildeten Lehrling spätestens ab dem zweiten Lehrjahr auch Gewinn.
Quelle und Kontaktadresse:
Baden-Württembergischer Handwerkstag (BWHT)
Dr. Hartmut Richter, Hauptgeschäftsführer
Heilbronner Str. 43, 70191 Stuttgart
Telefon: (0711) 26 37 09-0, Telefax: (0711) 263709-100
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