Pressemitteilung | Baden-Württembergischer Handwerkstag e.V.
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Handwerkskonjunktur im Herbst: Vorsichtig optimistisch auf niedrigem Niveau

(Stuttgart) - Die Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg trotzen den immer dichter eintreffenden negativen Meldungen über die Auswirkungen der Finanzmarktkrise. „Noch überwiegt eine vorsichtig optimistische Grundhaltung“, stellte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle fest. Die Handwerker beurteilen die Geschäftslage im 3. Quartal leicht positiv und blicken ebenso in die Zukunft. Dies ergab die aktuelle Konjunkturumfrage des Baden-Württembergischen Handwerkstages (BWHT).

Knapp 40 Prozent der befragten Betriebe berichten von einer guten, 20 Prozent von einer schlechten Geschäftslage im abgelaufenen Quartal. Die Ergebnisse des 3. Quartals sind saisonüblich leicht besser als im Vorquartal, sie liegen aber mit + 23,8 Punkten doch signifikant unter dem Vorjahresstand (32,9 Punkte). Die Betriebe erwarten für das letzte Jahresquartal weiter leicht verbesserte Werte. Eine Einschätzung allerdings, die noch vor der Finanzmarktkrise der letzten Tage erfolgte.

Hinter der durchaus noch positiven Grundstimmung des Gesamthandwerks verbergen sich allerdings deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Handwerksbranchen und insbesondere zwischen kleinen und großen Betrieben. Die kleinen Betriebe mit bis zu vier Beschäftigten, zu denen fast jeder zweite der rund 130.000 Hand-werksbetrieben in Baden-Württemberg zählt, beurteilen die Lage mit + 7,0 Punkten deutlich schlechter als die größeren Betriebe mit zehn und mehr Beschäftigten, deren Lageindikator noch klar über der 30-Punkte-Grenze liegt. Ein Blick auf die Konjunkturentwicklungen in den sieben Handwerksgruppen zeigt, dass die Geschäftslage außer im Ausbauhandwerk in allen Handwerksbereichen in Baden-Württemberg schwächer als im Vorjahr beurteilt wird. Im Kfz- und Gesundheitshandwerk sinkt der Lageindex sogar in den negativen Bereich. Eine Entwicklung, die Möhrle Sorge bereitet: „Bereits im Vorjahr wurde die Geschäftslage in diesen Gewerken deutlich schlechter bewertet als der Landesdurchschnitt.“ Die Geschäftslage im Nahrungsmittelhandwerk kann sich nur knapp über der Nulllinie behaupten und im Kfz-Handwerk kann in vielen Betrieben die Existenz nur noch über das Werkstattgeschäft abgesichert werden. Wie schon in den Vorquartalen wird der relativ hohe Gesamtindikator vor allen Dingen von der Lage im Handwerk für den gewerblichen Bedarf (Maschinen- und Anlagenbau, Zuliefererbetriebe) gestützt. Dort liegt der Branchenindikator mit +35,3 Prozent weiter deutlich an der Spitze. Jedoch hat er etwa 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr verloren. Dahinter folgen das Ausbauhandwerk ebenfalls mit einem Wert über der 30-Prozent-Grenze, die Dienstleistungen – hier sind insbesondere mit Blick auf das letzte Jahresquartal die Erwartungen besonders hoch ausgeprägt - und das Bauhauptgewerbe.

Als weiterhin stabil beurteilt der Handwerkstag die Beschäftigungslage. Im letzten Quartal haben doppelt so viele Betriebe neue Mitarbeiter eingestellt als Betriebe Arbeitsplätze abgebaut haben. Allerdings gehen nur noch fünf Prozent der Betriebe gehen von weiteren Einstellungen aus, während fast zehn Prozent befürchten, eher Mitarbeiter abbauen zu müssen. Möhrle: „Hier stößt offensichtlich der Optimismus an seine Grenzen.“ Trotzdem halten sich die Betriebe, die im kommenden Quartal betriebliche Investitionen beabsichtigen, weiterhin die Waage mit den Betrieben, bei denen keine Investitionen geplant sind.

Vor diesem Hintergrund sieht der Handwerkstag die Entwicklung bei den Arbeitskosten mit Sorge. Möhrle befürchtet, dass die deutlichen Steigerungen bei den Personalzusatzkosten und die Lohnforderungen bei den anstehenden Tarifverhandlungen zu Kostenmehrbelastungen führen könnten, die sich auf der Umsatz- und Ertragsseite nicht mehr kompensieren ließen. Das Handwerk appelliere deshalb an die Politik, ihre Möglichkeiten zur Verbesserung der Rahmenbedingungen auf der Nachfrageseite aktiv wahrzunehmen. Dazu zähle ein reduzierter Mehrwertsteuersatzes für besonders arbeitsintensive Dienstleistungen ebenso wie eine neue Formierung des Steuerbonus auf haushaltsnahe Dienstleistungen. Bodenständigkeit und Stabilität des Handwerks sollten von der Politik aufgegriffen und durch Nachfrage unterstützende Maßnahmen bei Steuern und Abgaben sowie durch das eigene Nachfrageverhalten der öffentlichen Hand bestätigt werden.

Quelle und Kontaktadresse:
Baden-Württembergischer Handwerkstag (BWHT) Eva Hauser, Referentin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Heilbronner Str. 43, 70191 Stuttgart Telefon: (0711) 26 37 09-0, Telefax: (0711) 263709-100

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