Hauptschule: Handwerkstag begrüßt Initiative von Städte- und Gemeindetag
(Stuttgart) - Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) begrüßt die Forderung von Städte- und Gemeindtag nach einer engeren Zusammenarbeit von Haupt- und Realschulen. Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle: Sinkende Schülerzahlen bieten die Chance zum Umdenken und die Chance, möglichst viele Kinder gemeinsam zu Leistung und Erfolg zu führen.
Änderungen im Schulsystem dürften nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Funktionalität diskutiert werden, Grundlage müssten auch die Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft sein, sagte Möhrle. Der Wunsch nach höherer Bildung sei ungebremst: Das ist das gute Recht aller Schüler und Eltern. Bildung müsse mehr sein, als nur ein Standortfaktor. Denn ohne einen guten Schulabschluss gehe heute fast nichts mehr. Dies habe auch eine Sonderumfrage des Handwerks gezeigt, nach der sich jeder dritte Handwerksbetrieb im Land - im Kfz-Gewerbe sogar jeder zweite - einen Bewerber mit Mittlerer Reife wünscht. Die Mär von der Hauptschule als dem passenden Bildungsweg für die vermeintlich nur praktisch Begabten, wie dies gerne von der Landesregierung propagiert werde, passe nicht mehr in unsere Zeit und längst nicht mehr zur Realität der beruflichen Anforderungen. Schon Mitte der 80er-Jahre habe der Wandel in Handwerk und Industrie eingesetzt, der nicht nur den Bedarf an einfachen Arbeitskräften reduzierte, sondern auch zahlreiche klassische Hauptschülerberufe wie Dreher, Schweißer oder Elektriker nachhaltig veränderte. Möhrle: Computergesteuerte CNC-Maschinen zum Beispiel erfordern nicht nur solide Mathematik-, Computer und Englischkenntnisse, sondern auch vernetztes und vorausschauendes Denken. Hauptschule heute aber hindere Kinder daran, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Vorausschauendes Denken vermisse er aber auch häufig in der Bildungspolitik. Es sei ein Armutszeugnis, wenn nur sinkende Anmeldezahlen zum Umdenken zwängen, während gleichzeitig zahllose Grundschuleltern mit Nachhilfe und Belohnungsprämien gegen die Zuweisung ankämpften und sich kritische Stimmen aus der Wirtschaft häuften. Er könne nicht nachvollziehen, warum sich zum Beispiel die Landesregierung bei Modellen für Verbundschulen so zögerlich verhalte. Selbst einfach umzusetzende Maßnahmen wie die Aufhebung starrer Schulbezirke und individuelle starke Profile der einzelnen Hauptschulen scheinen ein Problem zu sein, meinte Möhrle. Auch eine im Sinne der Empfehlung der EU längere gemeinsame Schulzeit dürfe kein Tabu bleiben.
Möhrle bekräftigte in diesem Zusammenhang die Forderung des Handwerkstages nach einem zügigen flächendeckenden Ausbau der Ganztagesschulen. Ein bloßes ergänzendes Betreuungsangebot am Nachmittag werde den Ansprüchen nicht gerecht: Ganztagesschulangebote sind ein wichtiger Schritt hin zu dem gemeinsamen Ziel, die Quote der nur bedingt oder gar nicht ausbildungsreifen Jugendlichen an der Schwelle vom Schul- zum Ausbildungssystem nachhaltig zu reduzieren. Schule dürfe nicht länger für viele Jugendliche eine bildungspolitische Sackgasse sein. Dies müsse Ziel aller Beteiligten sein von Schulen, Wirtschaft und Kommunen.
Quelle und Kontaktadresse:
Baden-Württembergischer Handwerkstag (BWHT)
Eva Hauser, Referentin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Heilbronner Str. 43, 70191 Stuttgart
Telefon: (0711) 26 37 09-0, Telefax: (0711) 263709-100
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