Hilfeschrei mit Ferkeln / Sonnleitner sieht Veredelungsstandort Bayern gefährdet: Finger weg von Kosten- und Bürokratieschraube
(Niederalteich/München) - Die heimischen Ferkelerzeuger schlagen Alarm: Enorme Kostensteigerungen, vor allem bei Futter und Energie treiben die Tierhalter in den finanziellen Ruin. Seit 2006 sind die Kosten der Ferkelerzeugung und der Sauenhaltung erheblich höher als die Erlöse. Wie wohl nie zuvor stecken unsere Veredelungsbetriebe in einer brutalen Preis-Kosten-Klemme, sagte der Präsident des Deutschen und des Bayerischen Bauernverbandes Gerd Sonnleitner heute auf dem Betrieb von Johann Siedersberger. Wenn sich die Lage nicht schnell nachhaltig bessert, wird es viele Ferkelerzeuger in Bayern bald nicht mehr geben. Die Ferkelpreise müssen deshalb umgehend auf mindestens 80 Euro und die Mastschweinepreise auf 2 Euro pro kg Schlachtgewicht steigen, sagte der Bauernpräsident. Allein in Bayern fahren die etwa 8000 Ferkel erzeugende Betriebe Verluste in Höhe von 90 Millionen Euro im Jahr ein. Sonnleitner appellierte an die Politik, die Veredelungsbetriebe von den Kosten zu entlasten und keine weiteren Wettbewerbsverzerrungen zu schaffen. Insbesondere die Besteuerung des Agrardiesels müsse an die europäischen Nachbarländer angepasst werden. Der Bauernpräsident forderte die Politik auch auf, die hohen, nachvollziehbaren Qualitätsstandards der heimischen Fleischerzeugung vor unkontrollierten Drittlandimporten zu schützen.
Angesichts seiner wirtschaftlichen Misere verschenkte Betriebsleiter Siedersberger drei seiner Ferkel an die Bundestagsabgeordneten Brunhilde Irber (SPD) und Bartholomäus Kalb (CSU) sowie an den Agrarausschussvorsitzenden im Bayerischen Landtag, Helmut Brunner (CSU). Mit weniger als 50 Euro je Tier seien die aktuellen Ferkelpreise völlig unzureichend. Anstatt für ein Ferkel zur Deckung der Vollkosten (ohne Gewinn) über 70 Euro zu erzielen, verursache jedes Tier einen Verlust von etwa 15 Euro; auf die letzten 12 Monate hochgerechnet seien dies auf dem Betrieb Siedersberger bei rund 3100 Ferkeln 46.500 Euro. Gleichzeit deprimiert, dass die Familie Siedersberger in den letzten 12 Monaten pro geleisteter Arbeitsstunde eine Negativentlohnung von über vier Euro hinnehmen musste, rechnete Sonnleitner vor. Wer in der Ferkelerzeugung arbeitet, muss pro Stunde vier Euro mitbringen ein kostspieliges Hobby, wenn man es von dieser Seite betrachten wollte. Von der ökonomischen Seite gesehen, müsste die Familie Siedersberger ihre Ferkel verschenken. Sie wird das heute sozusagen als Hilfeschrei mit drei Ferkeln tun.
Ursache für die Kostenexplosion seien die enorm gestiegenen Ausgaben für die Betriebsmittel. Für den Betrieb Siedersberger summieren sich die jährlichen Mehrkosten für Dünger, Pflanzenschutzmittel, Energie, Futter und Saatgut auf rund 30 000 Euro. Um diese auszugleichen, müssten knapp 400 Ferkel aufgewendet werden, sofern der Preis eine auskömmliche Höhe hat.
Die aufgezeigten Kostensteigerungen träfen die gesamte Landwirtschaft, betonte Sonnleitner.
Nicht nur Mäster, bäuerliche Vermarktungsunternehmen und Schlachtbetriebe müsste diese Notlage der Ferkelerzeuger beunruhigen. Sonnleitner appellierte auch an die Verbraucher, sich mit ihrer Nachfragenmacht für Fleisch aus heimischer Erzeugung stark zu machen. Der Bauernpräsident zeigt auf, dass die Verbraucherpreise für Schweinefleisch immer billiger geworden seien: Mussten 1970 für ein Kilogramm Kotelett noch 96 Minuten gearbeitet werden, seien es heute nur noch rund 20 Minuten.
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