ifo Institut: Reform des Kinderzuschlags im Zuge der Ausarbeitung eines Kombilohnmodells
(München) - Der erst im Jahr 2005 eingeführte Kinderzuschlag weist aus Sicht des Münchner ifo Instituts erhebliche Mängel auf. "Der Kinderzuschlag ist ein Paradebeispiel für mangelhafte Abstimmung im deutschen Transfersystem", fasst Wolfgang Meister, Arbeitsmarktexperte des Instituts, seine Analyse zusammen und zählt die wesentlichen Kritikpunkte auf:
- Durch die Einkommensanrechnung beim Kinderzuschlag besteht kaum ein Anreiz, durch eigene Anstrengung Einkommenszuwächse zu erzielen.
- Die Wirkung des Kinderzuschlags ist nicht mit der des Wohngeldes abgestimmt.
- Die Wirkung des Kinderzuschlags ist vom Alter des Kindes abhängig.
- Die Wirkung des Kinderzuschlags ist davon abhängig, ob das Kind bzw. die Kinder nur von einem oder von beiden Elternteilen aufgezogen werden.
Meister zeigt anhand von Beispielrechnungen, dass es zu Grenzbelastungen von über 100 Prozent kommen kann. Es kann passieren, dass von zwei Familien mit je einem Lohnempfänger, gleicher Anzahl von Kindern und gleichen Aufwendungen für Miete und Heizkosten die Familie mit dem niedrigeren Bruttoeinkommen ein deutlich höheres Haushaltsnettoeinkommen hat. "Das ist absurd", erklärt der Ökonom und fordert im Zuge der Ausarbeitung eines Kombilohnkonzepts, das für diesen Herbst angestrebt ist, den Kinderzuschlag auf den Prüfstand zu stellen. "Grenzbelastungen von 100 Prozent und mehr ersticken jede Initiative zur Ausweitung der Beschäftigung", so Meister. Auch die ungleiche Behandlung von Kindern (nach Alter und je nachdem, ob sie bei einem oder beiden Eltern aufwachsen) ist zu korrigieren. In allererster Linie sollte die Regelung zum Höchsteinkommen entfallen, aus der die Umkippeffekte für das verfügbare Haushaltseinkommen resultieren. Stattdessen könnte der Kinderzuschlag solange gezahlt werden, bis er durch die normale Einkommensanrechnung entfällt.
Am Ende der Diskussion muss aus Sicht des ifo Instituts ein Kombilohnmodell stehen, das die relevanten Transferleistungen integriert und durch eine Grenzbelastung von deutlich unter 100 Prozent spürbare Anreize zur Einkommenssteigerung setzt, wie es mit dem ifo-Modell der Aktivierenden Sozialhilfe bereits vorgestellt wurde.
Quelle und Kontaktadresse:
ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
Annette Marquardt, Pressesprecher
Poschingerstr. 5, 81679 München
Telefon: (089) 92240, Telefax: (089) 985369
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