ifo Institut: Zu den Beschäftigungseffekten einer Einführung von Mindestlöhnen
(München) - Die WELT zitiert in ihrer Aussage vom 10.12.2007 aus Untersuchungen des ifo Instituts (NL Dresden) zu den Auswirkungen einer Übertragung des geplanten Post-Mindestlohns in Höhe von 9,00 Euro (Ost)/9,80 Euro (West) je Stunde auf alle Branchen. Danach sei mit einer Verringerung der Zahl der Beschäftigten im Niedriglohnsektor um rund 1 Mill. Personen zu rechnen. Dies kann zu Missverständnissen führen, weil annähernd gleiche Zahlen (300 Tsd. im Osten und 800 Tsd. im Westen) vom ifo Institut bereits mit Blick auf die Einführung eines allgemeinen Mindestlohns in Höhe von 7,50 Euro genannt worden sind.
Die jetzt veröffentlichten Werte wurden nach der gleichen Methodik ermittelt, die auch in der bereits bekannten früheren Studie des ifo Instituts (NL Dresden) verwendet wurde, beziehen sich aber allein auf jene Lohnverteilung, die das Statistische Bundesamt für Betriebe mit zehn und mehr Beschäftigten des Produzierenden Gewerbes und ausgewählter Dienstleistungsbereiche ermittelt hat. In diesen Betrieben befinden sich nur etwa 18 der insgesamt 31 Millionen privaten Stellen Deutschlands. Wie die Welt korrekt berichtet, erhielten in diesen Betrieben im Jahr 2001 etwa 42 Prozent der Arbeitnehmer im Osten und 22 Prozent der Arbeitnehmer im Westen Löhne unterhalb der genannten Mindestlöhne für Briefzusteller. Unter Verwendung eines moderaten Reaktionskoeffizienten, der eher im unteren Bereich der in der Literatur veröffentlichten Schätzwerte liegt (1 Prozent Lohnerhöhung bedeuten 0,75 Prozent Jobverlust), hat das ifo Institut errechnet, dass von den Beschäftigten in diesen Niedriglohngruppen im Osten voraussichtlich 23,3 Prozent und im Westen 25,1 Prozent arbeitslos werden. Bezogen auf die Beschäftigtenzahl der genannten Betriebe entspricht dies einem Jobverlust von 9,9 Prozent im Osten und 5,5 Prozent im Westen.
Wendet man diese Prozentsätze auf die Gesamtheit aller privat beschäftigten Arbeitnehmer im Osten (4,7 Mill.) und im Westen (26,1 Mill.) an, so ergibt sich, dass flächendeckende Mindestlöhne in der genannten Höhe im Osten rund 470 Tsd. und im Westen rund 1,42 Millionen Jobs vernichten werden. Insgesamt ist also mittelfristig mit einem Abbau von etwa 1,9 Millionen Stellen in Deutschland zu rechnen, wenn die für die Briefträger der Post festgelegten Mindestlöhne in allen Branchen der Bundesrepublik Deutschland realisiert werden.
Quelle und Kontaktadresse:
ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V.
Pressestelle
Poschingerstr. 5, 81679 München
Telefon: (089) 92240, Telefax: (089) 985369
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