IHK-Arbeitsmarktradar Bayern: Arbeitskräftebedarf soll langfristig steigen
(Bayreuth) - Trotz der aktuell schwierigen Lage vieler Unternehmen fehlen in Oberfranken aktuell knapp 20.000 Arbeits- und Fachkräfte. Bei gleichbleibenden Trends dürfte sich die Arbeitskräftelücke bis 2029 auf über 30.000 ausweiten. Ein Plus von mehr als 33 Prozent. Der Wertschöpfungsverlust der Arbeitskräftelücke wird mit 3,2 Milliarden Euro beziffert. Dies geht aus dem neuen IHK-Arbeitsmarktradar Bayern hervor.
Bis 2029 fehlen mehr als 30.000 Beschäftigte: Wertschöpfungsverluste von 3,2 Milliarden Euro
Die Lücke an Arbeitskräften ergibt sich aus der Zahl der offenen Stellen abzüglich passend qualifizierter Arbeitsloser in Bayern. Bereits jetzt gibt es für rund die Hälfte aller offenen Stellen keine passend qualifizierten Bewerber. Der von den Unternehmen wahrgenommene Arbeitskräftemangel dürfte aber noch höher sein, weil es selbst bei passender Qualifikation in vielen Fällen noch andere Vermittlungshürden gibt. Obwohl die Studie eine fortgesetzt hohe Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland sowie eine steigende Erwerbsbeteiligung der heimischen Bevölkerung voraussetzt, verschärfen vor allem die vielen Renteneintritte den Personalmangel bis 2029.
Der Arbeitskräftemangel bleibt für die Gesamtwirtschaft ein Dauerthema
"Auch wenn die Strukturkrise aktuell in vielen Branchen zu Stellenabbau führt, gibt es zahlreiche Betriebe, die unter fehlendem Personal leiden und Anpassungen vornehmen müssen. Konkret sprechen wir von mehr Schließtagen in der Gastronomie, langen Wartezeiten bei qualifizierten Handwerkern und Werkstätten, beim Arzt und im Krankenhaus. Dazu kommen erhebliche Betreuungslücken für Kinder und Senioren. Der jährliche volkswirtschaftliche Verlust durch die ausfallende Wertschöpfung beträgt in Bayern schon jetzt rund 2 Milliarden Euro", so IHK-Präsident Dr. Michael Waasner.
"Die Wirtschaft braucht bessere Instrumente, um Beschäftigung wirksam zu fördern. Dazu zählen stärkere Anreize zur Arbeitsaufnahme ebenso wie ein deutlich verbessertes Betreuungsangebot für Beschäftigte mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen. Gleichzeitig sind gezielte Qualifizierungsmaßnahmen für Erwerbslose notwendig. Darüber hinaus gilt es, die Erwerbsbeteiligung von Älteren und Frauen zu erhöhen - etwa durch lohnsteuerliche Anreize - und auch das Renteneintrittsalter sollte an die steigende Lebenserwartung angepasst werden", fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm. Er weist zugleich darauf hin, dass die Zuwanderung eine immer größere Rolle für den Beschäftigungsaufbau in Bayern spielt. Wenn die Zuwanderung von Arbeitskräften das Niveau der letzten Jahre hält, wird der Anteil von Ausländern an den Beschäftigten im Freistaat bis 2029 auf 22,5 Prozent steigen. 2018 lag diese Quote erst bei 14,7 Prozent. "Wir müssen die Migration in den Arbeitsmarkt forcieren und dürfen sie nicht behindern. Sie hilft, das Fachkräfteproblem zu lösen", so Brehm.
Viele Beschäftigte fehlen laut Studie auf dem Qualifikationsniveau "Fachkraft"
Dabei handelt es sich beispielsweise um Absolventen einer beruflichen Ausbildung. Hier dürfte die Lücke 2029 rund 17.500 Personen betragen. Auf dem Qualifikationsniveau "Spezialist", das sind zum Beispiel Meister, Fachwirte und Bachelor-Absolventen, gibt es 2029 voraussichtlich 5.700 Arbeitskräfte zu wenig. Auf dem Niveau "Experte" mit akademischen Abschlüssen wie Master oder Staatsexamen fehlen 5.000 Arbeitskräfte. Auch bei Helfern gibt es eine Lücke von 2.000 Arbeitskräften.
Blickt man auf einzelne Berufsgruppen, wird es laut der IW-Prognose in Oberfranken bis 2029 die größte Arbeitskräftelücke bei Fachkräften im Verkauf geben, gefolgt von Spezialisten in der Kinderbetreuung, Fachkräften in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie in der Kraftfahrzeugtechnik. Bis 2029 erwarten die Forschenden den größten Beschäftigungsaufbau dagegen in IT-Berufen, im Gesundheitswesen und in der öffentlichen Verwaltung, darunter auch Verteidigung und Sozialversicherung in Bayern.
Prognose 2039 alarmierend
Wie sehr die langfristige Bevölkerungsentwicklung Bayerns Arbeitspotenzial und damit die Unternehmen bedroht, zeigt die Prognose bis 2039: Ohne zusätzliche Potenziale würde sich gegenüber 2024 rein demografisch ein drastischer Rückgang der Beschäftigten um rund 600.000 oder minus 11 Prozent auf nur noch 5,1 Millionen ergeben. "Die Folge wäre eine deutliche Schwächung der bayerischen Wirtschaft", so Waasner. Demgegenüber könnte die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern bis 2039 um rund 180.000 oder plus 3,2 Prozent auf 5,9 Millionen steigen, wenn sich die positiven Beschäftigungstrends bei Frauen, Älteren und durch Zuwanderung wie in den letzten Jahren fortsetzen. "Wir müssen trotz Wirtschaftskrise jetzt die Weichen richtig stellen, um für die Zukunft die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu gewinnen, die unsere Unternehmen dringend brauchen werden", betont der IHK-Präsident.
Quelle und Kontaktadresse:
Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth (IHK), Peter Belina, Leiter(in) Kommunikation, Bahnhofstr. 23-27, 95444 Bayreuth, Telefon: 0921 886-0
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