Industrie sträubt sich gegen Verbindlichkeit gesellschaftlicher Verantwortung / Verhandlungen in Sydney: Neuer Standard soll nachhaltige Produktions- und Konsummuster ankurbeln
(Berlin) - In dieser Woche (KW 5) läuft im australischen Sydney die nächste Verhandlungsrunde zwischen Industrie- und Verbrauchervertretern über eine ISO-Norm zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt den vorliegenden Arbeitsentwurf, der die Verantwortung der Unternehmen für die Einhaltung von Sozialstandards unter anderem auch für deren Vorlieferanten vorsieht. Der Mehrheit der Industrievertreter geht dies zu weit. Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) als Sprecher der deutschen Industrie lehnt soziale und ökologische Mindestanforderungen ab. Zudem fordert sie eine unbeschränkte unternehmerische Handlungsfreiheit.
Im Vorfeld der Verhandlungen hatte die BDA dem Deutschen Institut für Normung (DIN) mit einer Beendigung der Zusammenarbeit gedroht, falls der Arbeitsentwurf nicht ihren Vorstellungen entsprechend angepasst wird.
Der vzbv fordert die Industrievertreter zu mehr Weitsicht auf. "Die Kurzsichtigkeit könnte die Industrie teuer zu stehen kommen. Die Haltung der deutschen Industrievertreter zeigt, dass sie noch nicht verstanden haben, dass deutsche Unternehmen mit einer Norm für das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen Standortvorteile nutzen könnten", kritisierte vzbv-Vorstand Prof. Dr. Edda Müller. Der vzbv erhofft sich von der neuen Norm eine objektiv vergleichbare Messlatte, damit Verbraucher umwelt- oder menschenverachtenden Produktions- und Arbeitsbedingungen die rote Karte zeigen können. Allein die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts sei noch kein Indiz für nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Verhalten. Die Berichte seien oft einseitig und lückenhaft. Zudem weigerten sich viele Unternehmen, die Glaubwürdigkeit der Angaben von unabhängigen Dritten bestätigen zu lassen.
Ziel der Internationalen Standardorganisation (ISO) ist ein Abschluss der Verhandlungen und die Veröffentlichung der neuen ISO-Norm 26000 bis Ende 2008. Die Norm soll Kriterien für das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen festschreiben. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie verbindlich die Vorgaben dieser Norm sind. "In Sydney wird sich entscheiden, ob wir mit der neuen Norm einen zahnloser Tiger oder einen anspruchsvoller Leitfaden erhalten", so Edda Müller.
Unterstützung in seiner Forderung nach einem glaubwürdigen CSR-Standard erhält der vzbv vom Markenverband, der 360 deutsche Markenhersteller vertritt. Deren Hauptgeschäftsführer Horst Prießnitz: "CSR ist gerade für die Marke eine Selbstverständlichkeit. Ein hohes Anforderungsniveau hilft der Marke und ihrer Glaubwürdigkeit und kann ein Instrument zur Abwehr von Billigimporten sein." Neben der Unterstützung eines ISO Standards in diesem Bereich arbeitet der Markenverband derzeit an einem eigenen CSR-Standard für seine Mitglieder.
Quelle und Kontaktadresse:
vzbv Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
Pressestelle
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Telefon: (030) 258000, Telefax: (030) 25800218
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