Intensivierungstrend der Landwirtschaft bedroht einheimische Amphibienbestände / Brandenburger Naturschützer befürchten Artensterben / biologische Vielfalt in der eigenen Region bewahren!
(Potsdam) - Ausgerechnet im Jahr des Frosches haben Brandenburgs Naturschützer schlechte Nachrichten über die heimischen Amphibien zu vermelden. Angesichts des immer größer werdenden Druckes der Landwirtschaft auf sensible Naturräume befürchten sie einen massiven Rückgang dieser besonders bedrohten Tiergruppe.
Norbert Schneeweiß, Sprecher der Feldherpetologen (Amphibien- und Reptilienforscher) im NABU verweist darauf, dass die Amphibien schon jetzt die Aussterbequote innerhalb der Klasse der Wirbeltiere anführen. Beim Treffen der ca. 60 Berliner und Brandenburger Amphibienschützer Mitte April in Senftenberg mussten wir feststellen, dass die Teilnehmer übereinstimmend von einer quantensprungartigen Intensivierung der Landwirtschaft berichteten, so Schneeweiß. Von tiefgreifendem Ausbau der Meliorationssysteme und damit der Trockenlegung der Amphibien-Lebensräume, von der Umwandlung von Wiesen in Intensiv-Äcker, dem großflächigen Einsatz des berüchtigten Pestizids Round up und nicht zuletzt von der landwirtschaftlichen Nutzung bislang stillgelegter Flächen, durch die letzte Refugien zerstört werden, war zu hören.
Dies, so Schneeweiß, geschehe gegenwärtig alles unter dem Vorzeichen des Bioenergiebooms sowie der Nahrungsmittelproduktion. Als entscheidende Schlüsselfaktoren gelten die starke Förderung nachwachsender Rohstoffe, der Wegfall der obligatorischen Flächenstilllegung und die steigenden Preise für Agrarprodukte.
Selbst die wegen ihrer Naturnähe und Artenvielfalt als NATURA-2000 von der EU unter Schutz gestellten Flächen bleiben von dieser Entwicklung nicht verschont. Auf entsprechende Beschwerden reagieren die zuständigen Landwirtschaftsämter in der Regel abweisend und berufen sich auf die von den Landwirten praktizierte, so genannte gute fachliche Praxis.
Der NABU fordert deshalb umgehend mehr staatliches Engagement für den in europäischen Richtlinien (Fauna-, Flora-, Habitatrichtlinie) fixierten Schutz der Lebensräume bedrohter Amphibienarten. Das internationale Jahr der Frösche wäre ansonsten für viele Amphibienpopulationen Deutschlands zugleich ihr letztes. Das Bekenntnis der Bundesregierung für den Erhalt der Artenvielfalt geriete kurz vor der 9. UN-Biodiversitäts-Konferenz in Bonn geradezu zur Farce.
Hintergrund:
Die Weltnaturschutzorganisation IUCN erklärte 2008 zum Jahr des Frosches.
Der Laubfrosch avancierte in Deutschland zur Amphibienart des Jahres.
Als besonders nachteilig für Amphibien wurden folgende, aktuell das Land überrollende Maßnahmen diskutiert:
1. Ausbau und Rekonstruktion der Meliorationssysteme und damit Trockenlegung zahlreicher als Reproduktions- bzw. Jahreslebensraum fungierenden Gewässer und Feuchtgebiete. Die erhöhten Niederschlagsmengen der letzten Monate lieferten der Landwirtschaft und Wasserbehörden hierfür einen willkommenen Anlass.
2. Die Umwandlung von Wiesen und Weiden in intensiv genutztes Ackerland und somit die Vernichtung wertvoller Landlebensräume.
3. Die Expansion landwirtschaftlicher Aktivitäten in abgelegene, aus ökonomischer Sicht bislang unattraktive Flächen. Diesem Vorgang fällt eine Vielzahl kleiner Refugien zum Opfer.
4. Großflächige Anwendung der Giftspritze. So werden Grünlandflächen und Brachen mit dem auch als Amphibienkiller berüchtigten Pestizid Round up tot gespritzt. Danach wird auf den Flächen intensiver Ackerbau betrieben.
Von diesen Maßnahmen besonders betroffen sind in Brandenburg die Rotbauchunke, der Kammmolch, die Knoblauchkröte und die Europäische Sumpfschildkröte.
Vom 19.-30. Mai findet in Bonn die 9. Vertragsstaatenkonferenz zur biologischen Vielfalt statt.
Quelle und Kontaktadresse:
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Pressestelle
Charitéstr. 3, 10117 Berlin
Telefon: (030) 284 984 - 0, Telefax: (030) 284 984 - 20 00
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