Pressemitteilung | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
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„Internationaler Blick unerwünscht!“ / Bildungsgewerkschaft zu Daten des Statistischen Bundesamtes

(Frankfurt am Main) - „Große Teile der konservativen Öffentlichkeit und verantwortlicher Bildungspolitiker haben offenbar vom Blick in den internationalen Bildungsspiegel genug. Sie scheinen große Sehnsucht nach der guten Bildungs-Nachricht zu haben“, sagte Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), mit Blick auf die heute (13. September) veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes und die Reaktionen auf die gestern vorgestellte OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“. Wahrscheinlich würde sich ein großer Teil der politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern gern wie in den siebziger Jahren schon einmal geschehen aus den internationalen Vergleichsstudien zurückziehen.
„Sie ertragen den Blick in den Spiegel nicht mehr – können sich den Ausstieg aber nicht leisten. Deshalb ist im konservativen Lager wohl abgesprochen, Deutschland wenigstens bei den Basisqualifikationen der Gesamtbevölkerung in die Weltspitze zu schreiben und schlechte Nachrichten wie die immer stärkere Abkopplung bei den Hochschulabschlüssen im Kleingedruckten zu verstecken“, betonte Demmer.

Die „äußerst niedrigen“ Hochschulabsolventenquoten in den östlichen Bundesländern gäben zu größter Besorgnis Anlass. „Nur Sachsen erreicht den bundesdeutschen Durchschnittswert, der auf internationaler Ebene lediglich für viertletzten Platz reicht“, betonte die GEW-Vize. „Die östlichen Bundesländer müssen auch aus arbeitsmarktpolitischen Erwägungen dringend umsteuern: Sie müssen die jungen Menschen sehr viel stärker auf akademische Abschlüsse orientieren.“ Sie wies darauf hin, dass akademische Qualifikationen immer stärker an Bedeutung gewännen, die traditionelle berufliche Ausbildung dagegen nur noch für ein kleiner werdendes Arbeitsmarktsegment wichtig sei.

Sie kritisierte, dass die föderalen Zuständigkeiten es „ungeheuer erschwerten“, die Chancengleichheit bei der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. „Nicht nur, dass Deutschland insgesamt bei der Bildungsfinanzierung hartnäckig seinen internationalen Rückstand ‚verteidigt’, nein, der Föderalismus bringt dermaßen ungleiche Entwicklungen hervor, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt: Oder gibt es eine einleuchtende Erklärung dafür, warum zum Beispiel Grundschul-Kinder Ländern wie Nordrhein-Westfalen oder Hessen jährlich 4.100 Euro wert sind, andere Länder wie Hamburg und Thüringen aber 6.000 Euro pro Kind bereitstellen?"

Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Ulf Roedde, Pressesprecher Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201

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