Pressemitteilung | (BDEW) Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

Jahresabschluss-Pressekonferenz 2021: Energiewirtschaft bei den Klimazielen weiterhin auf Kurs

(Berlin) - Stromerzeugung steigt nach Corona-Lockdown-Jahr 2020 wieder / Kerstin Andreae: "Deutschland muss beim Klimaschutz erheblich schneller, digitaler und unbürokratischer werden." / "Oberste Priorität müssen jetzt Flächenbereitstellung, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren haben"

Die CO2-Emissionen der Energiewirtschaft liegen in diesem Jahr nach BDEW-Schätzungen bei 247 Millionen Tonnen CO2 eq. und damit unter dem im Klimaschutzgesetz verankerten Sektorziel für 2022 in Höhe von 257 Millionen Tonnen. Das zeigt der heute veröffentlichte BDEW-Jahresbericht "Energieversorgung 2021". Der Bericht verdeutlicht auch, dass das Vorjahr 2020 aufgrund der einschneidenden Corona-Maßnahmen ein Ausnahmejahr war. So hat der wirtschaftliche Einbruch als Sondereffekt den Stromverbrauch massiv gesenkt und infolgedessen zu deutlich stärkeren CO2-Einsparungen geführt (2020: 221 Mio. t.). Mit dem Einsetzen der konjunkturellen Erholung in diesem Jahr zogen die CO2-Emissionen wieder an, sind in der Langfristbetrachtung jedoch weiterhin fallend. "Die Energiewirtschaft ist bei den Klimazielen weiterhin auf Kurs", sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Im Stromerzeugungsmix bleibt die Windenergie trotz eines schwachen Windjahrs mit einer Stromerzeugung von insgesamt 117,3 Milliarden Kilowattstunden mit Abstand der wichtigste Energieträger im deutschen Strommix. Die geringere Stromerzeugung aus Windenergie und der gleichzeitig gestiegene Strombedarf führten dazu, dass 2021 mehr Strom aus nicht-erneuerbaren Energieträgern produziert wurde. Der wirtschaftliche Aufschwung hat auch die Stromnachfrage und -erzeugung erhöht. So ist die Stromerzeugung von 566,7 Milliarden Kilowattstunden in 2020 auf 582,2 Milliarden kWh in 2021 gestiegen. (weitere Zahlen zum Stromerzeugungsmix finden Sich im letzten Absatz dieser Presseinformation).

Die neue Bundesregierung will die Weichen für einen Anteil von 80 Prozent Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch bis 2030 stellen. "Das ist machbar, aber auch sehr ambitioniert und erfordert ein enorm hohes Tempo in den nächsten Jahren. Ein Beispiel: Schon 10 Gigawatt Photovoltaik-Zubau pro Jahr sind herausfordernd. 2021 hatten wir einen Zubau von voraussichtlich 5,8 Gigawatt. Jetzt müssen es 15 Gigawatt Solar-Zubau pro Jahr werden. Bildlich gesprochen: Es reicht nicht mehr, im Regional-Express zu sitzen und dort das Tempo zu erhöhen. Wir müssen in den ICE wechseln, um die nötige Geschwindigkeit zu erreichen", sagte Andreae.

"Um den Ausbau der Erneuerbaren im notwendigen Maße zu beschleunigen, müssen zunächst müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren massiv beschleunigt werden. Verfahren müssen verschlankt und wo möglich digital durchgeführt werden. Zudem brauchen wir die notwendigen Flächen. Und wir brauchen die Fachkräfte, die eine beschleunigte Energiewende umsetzen", so Andreae.

Die Energiewirtschaft wolle das Tempo, das die Regierung faktisch für die nächsten Jahre vorgibt, aufnehmen und annehmen. "Deutschland muss beim Klimaschutz erheblich schneller, digitaler und unbürokratischer werden. Dazu müssen zentrale Punkte angegangen werden, dann die Energiewende ist mehr als der Ausbau Erneuerbarer Energien. Das gesamte Energiesystem muss angepasst werden. Neben dem Erneuerbaren-Ausbau muss der Netz-aus- und -umbau vorangetrieben werden, die dringend notwendigen wasserstofffähigen Gaskraftwerke geplant und umgesetzt und Speicherlösungen entwickelt werden. Nur so werden wir rechtzeitig aus der Kohle aussteigen können und gleichzeitig die hohe Versorgungssicherheit Deutschlands gewährleisten können.

Es ist klar, dass wir mit Klein-Klein nicht mehr weiterkommen, wir müssen "groß denken" und viel, viel schneller werden."
Strom-Erzeugungsmix für das Jahr 2021 (siehe auch Power-Point-Präsentation zum Download):

Die Anteile der einzelnen konventionellen Energieträger im Stromerzeugungsmix 2021: Erdgas: 15,3 Prozent; Steinkohle: 9,3 Prozent; Braunkohle: 18,6 Prozent; Kernenergie: 11,9 Prozent. Wind, Photovoltaik, Biomasse und andere regenerative Energieträger decken 2021 40,9 Prozent der Bruttostromerzeugung.

Braun- und Steinkohlekraftwerke lieferten nach ersten Zahlen in Summe 20,8 Prozent mehr Strom als im Vorjahr. Aus Kernenergie wurde 7,2 Prozent mehr Strom erzeugt. Gaskraftwerke hingegen produzierten voraussichtlich 5,9 Prozent weniger Strom. Die Stromerzeugung der Photovoltaikanlagen konnte dagegen 2021 weiter zulegen und hatte einen Anteil von 8,8 Prozent an der gesamten Stromerzeugung in Deutschland. Betrachtet man den Verlauf der vergangenen 10 Jahre, hat sich der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung knapp verdoppelt, während der Anteil der Braun- und Steinkohleverstromung um rund 40 Prozent zurückging.

Quelle und Kontaktadresse:
(BDEW) Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. Julia Löffelholz, Pressereferentin Reinhardtstr. 32, 10117 Berlin Telefon: (030) 300199-0, Fax: (030) 300199-3900

(sf)

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