Janzen: Pflichttertial "Allgemeinmedizin" im PJ ist verfehlter Aktionismus
(Berlin) - "Richtige Diagnose - Falsche Therapie" - mit diesen Worten hat der Vorsitzende des Ausschusses Medizinstudenten im Hartmannbund, Constantin Janzen, den niedersächsischen Bundesrats-Vorstoß für die Einführung eines verpflichtenden Ausbildungsabschnittes "Allgemeinmedizin" während des Praktischen Jahres (PJ) kommentiert. Die geplante Änderung der Approbationsordnung (ÄAppO) sieht vor, dass die Studierenden während der PJ-Phase neben der Chirurgie und Inneren Medizin, die bereits jetzt Pflichtelemente bilden, auch die Allgemeinmedizin für zwölf Wochen als Pflichtfach besuchen müssen. "Das müssen wir ohne Wenn und Aber ablehnen", sagte Janzen.
Nach Ansicht Janzens bedeuten zusätzliche Pflichtelemente eine vollständige Verschulung des PJs, die das fachliche Interesse jedes Einzelnen an seiner künftigen ärztlichen Tätigkeit - zu Gunsten einer einzelnen Fachgruppe - außer Acht lässt! Das Berufsbild des Hausarztes wird den Studierenden bereits jetzt vielerorts im Rahmen eines zweiwöchigen Blockpraktikums - und als freiwilliges PJ-Tertial - näher gebracht und ist so ein fester Bestandteil des Studiums. Es sei die gemeinsame Aufgabe von Politik und Selbstverwaltung, den ärztlichen Nachwuchs mit entsprechenden Angeboten während der Aus- und Weiterbildung auf freiwilliger Basis von der haus- und fachärztlichen Patientenversorgung zu überzeugen. "Das gelingt im Übrigen vornehmlich dort, wo die Studierenden und Assistenzärzte die für sie persönlich lebenswertesten Rahmenbedingungen vorfinden", sagte Janzen. Letztendlich liege es also an der Bereitschaft der Kliniken und Praxen, die entsprechenden Anreize für die PJler vorzuhalten, so Janzen weiter.
"Bei allem Respekt für den Mut, neue Wege zur Bekämpfung des Hausärztemangels zu gehen, bringt dieser Vorschlag mehr Probleme als echte Lösungsansätze", so Janzen zusammenfassend. Allein die Tatsache, dass die 270 Studierenden eines Jahrgangs der Medizinischen Hochschule Hannover 90 Allgemeinarztpraxen für bis zu 9 Monate "beschäftigen" könnten, lasse erhebliche Zweifel allein an der organisatorischen Machbarkeit dieses niedersächsischen Vorstoßes aufkommen - ungeachtet der Tatsache, dass letztendlich diese PJler dann wiederum den Krankenhäusern fehlten. Mit Blick auf den eklatanten Nachwuchsmangel im chirurgischen Bereich führe im Übrigen offensichtlich auch dort das entsprechende Pflichtfach im PJ nicht dazu, dass diese oder jene Fachgruppe vom Ärztemangel langfristig verschont bliebe, so Janzen weiter. "Bei der Berufswahl nach dem Studium rächen sich jetzt die jahrelangen Versäumnisse der Politik, den Arztberuf endlich wieder attraktiv zu machen", sagte Janzen abschließend.
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