Pressemitteilung | Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. (BdSt)

Karl-Bräuer-Institut zur Belastung von Arbeitnehmerhaushalten / Leistungsfeindliches Steuer- und Abgabensystem korrigieren

(Berlin) - Die Belastung der großen Mehrzahl der Arbeitnehmerhaushalte mit direkten Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen hat sich seit den 70er Jahren drastisch verschärft. Ohne ein Gegensteuern der Politik wird das Belastungsniveau auch in den nächsten Jahren trotz Steuerreform viel zu hoch bleiben. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Entwicklung der Abgabenbelastung auf Löhne und Gehälter“, die das Karl-Bräuer-Institut des Bundes der Steuerzahler vorgelegt hat.

In der Studie wird anhand neun typischer Arbeitnehmerhaushalte dargestellt, wie sich die Belastung mit Lohnsteuer, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag sowie Sozialversicherungsbeiträgen entwickelt hat. Es zeigt sich, dass nur der Haushalt mit einem Alleinverdiener mit Durchschnittseinkommen und zwei Kindern vergleichsweise gut dasteht. Allerdings kommt dieser Haushaltstyp in der Realität selten vor. Für alle übrigen untersuchten Haushaltstypen hat sich die Belastung verschärft.

In Deutschland gibt es immer mehr Single-Haushalte. Bei diesen Haushalten ist die Belastung enorm angestiegen. Bei einem Ledigen, der über das Durchschnittseinkommen (derzeit 27.060 Euro) verfügt, machten 1970 die direkten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge 38,1 Prozent der Brutto-Arbeitskosten aus. Im Jahr 2003 sind es 50,3 Prozent. Mit anderen Worten: Über die Hälfte von dem, was der Arbeitnehmer brutto erwirtschaftet, fließt derzeit an den Staat. Hinzu kommen dann noch die indirekten Steuern.

Bedenklich ist, dass die Grenzbelastung bei allen untersuchten Haushaltstypen deutlich zugenommen hat. Eine hohe Grenzbelastung ist unter Anreizgesichtspunkten problematisch. Sie sagt aus, wie viel Prozent vom Zuwachs des Bruttoeinkommens ein Haushalt abgeben muss. Teilweise ist die Grenzbelastung heute mehr als doppelt so hoch wie 1970. Wenn bei einem ledigen Durchschnittsverdiener das Bruttoeinkommen wächst, muss er fast zwei Drittel des Einkommenszuwachses an den Fiskus abgeben.

Die Studie legt dar, dass die deutsche Durchschnitts- und Grenzbelastung der Arbeitnehmer im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch ist. Bezogen auf die Belastung mit Steuern und Abgaben hat sich die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert.

Noch ernüchternder stellt sich die Situation dar, wenn man die indirekten Steuern in die Betrachtung einbezieht. Das Karl-Bräuer-Institut weist drauf hin, dass im Jahr 2000 durchschnittlich 8,2 Prozent des Bruttoverdienstes über indirekte Steuern zusätzlich an den Staat abgeführt wurden.

Der Bund der Steuerzahler fordert eine grundlegende Umkehr in der Steuer- und Finanzpolitik. Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Dr. Karl Heinz Däke, sagte: „Die Belastung mit Sozialversicherungsbeiträgen muss runter. Das geht nur über Strukturreformen in den Systemen. Darüber hinaus brauchen wir steuerliche Entlastungen. Das Vorziehen der nächsten Stufe der Steuerreform ist ein Schritt in die richtige Richtung, weitere müssen folgen.“

Quelle und Kontaktadresse:
Bund der Steuerzahler e.V. ( BDSt ) Adolfsallee 22, 65185 Wiesbaden Telefon: 0611/991330, Telefax: 0611/9913314

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