Pressemitteilung | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
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„Kein öffentliches Schulranking“ / Bildungsgewerkschaft zur KMK-Tagung Bildungsmonitoring

(Frankfurt am Main/Berlin) - „Die Kultusminister sollen sich verbindlich gegen ein öffentliches Schulranking aussprechen“, hat Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), anlässlich einer Fachtagung der Kultusministerkonferenz (KMK) am 12. Mai 1006 in Berlin gefordert. Während der Tagung hat die KMK ihre „Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring“ vorgestellt. So lange diese Klarstellung nicht erfolgt sei, wird die GEW flächendeckende Vergleichstests nicht unterstützen. Die Tests, die alle Schüler erfassen, seien im KMK-Konzept am problematischsten. Das Papier der KMK verdiene den Titel „Gesamtstrategie“ nicht: Es beziehe sich nur auf den Schulbereich, zudem fehlten Schlussfolgerungen, wie Schule weiter zu entwickeln ist.

Internationale Erfahrungen hätten gezeigt, dass Rankings zur „Verarmung der Lernkultur“ führen. „Die Schüler werden nur noch auf die Tests gedrillt, selbst vor Betrug wird nicht zurückgeschreckt. Wenn sich alles nur noch um das bestmögliche Abschneiden der Schule dreht, gerät die individuelle Förderung der Schüler in den Hintergrund“, stellte Demmer fest.

Einige Bundesländer seien der irrigen Meinung, dass Wettbewerb und öffentlicher Druck „quasi automatisch zur Qualitätsverbesserung führen“.
Unter dieser Fahne, so das Kalkül der Landesregierungen, könnten sie das Geld für zusätzliches pädagogisches Unterstützungspersonal und bessere Lehrerfortbildung sparen.

Die GEW bewerte die regelmäßige Beobachtung (Monitoring) des deutschen Bildungswesens durch wissenschaftlich hochwertige internationale Vergleichsstudien wie PISA und IGLU (Grundschulstudie) positiv. Auch eine kontinuierliche Bildungsberichterstattung, die unabhängigen Experten als Grundlage für die Weiterentwicklung des Bildungswesens dienen könne-, unterstütze die Bildungsgewerkschaft. Einem Bundesländervergleich auf der Basis der KMK-Standards steht Demmer sehr skeptisch gegenüber. Auch die anderen Instrumente des Monitorings, Überprüfung der nationalen Standards durch einen Bundesländervergleich sowie flächendeckende Vergleichsarbeiten in den Bundesländern, bewertete sie sehr kritisch. Ländervergleiche hätten in der Vergangenheit vor allem der „parteipolitischen Instrumentalisierung zu Wahlkampfzwecken und der teilweise höchst peinlichen Imagepflege von Kultusministern gedient“. „Die Bundesländer sind zu unterschiedlich, um sie sinnvoll miteinander zu vergleichen“, betonte die Schulexpertin. Sie warnte vor einer immer mehr um sich greifenden „Testeritis“. Sinnvoller als auf Tests und Vergleichsarbeiten zu setzen, seien Instrumente zur Selbstbewertung von Schulen, die die individuelle Förderung verbessern.
Das Vorhaben der KMK, den Bundesländervergleich auch für zentrale Abschlussprüfungen zu nutzen, lehnte Demmer strikt ab: „Vor einer Vermischung von Monitoring und Prüfung warnen alle Experten, dann ist ‚teaching to the test’ vorprogrammiert.“

Info: Die vier Elemente der KMK-Strategie sind:

- Teilnahme der Bundesrepublik an internationalen Vergleichsstudien wie PISA und IGLU,
- kontinuierliche Bildungsberichterstattung,
- Überprüfung der nationalen Bildungsstandards durch einen Bundesländervergleich,
- flächendeckende Vergleichsarbeiten in den Bundesländern.

Das Anliegen der GEW unterstützt auch die „Initiative Länger gemeinsam lernen“. Das Bündnis aus 14 Organisationen aus dem Bildungsbereich ermuntert Schulen mit seiner Aktion „Die eigene Schule mit der PISA-Lupe untersuchen“ zu einer Perspektive auf mehr Chancengleichheit. Weitere Infos finden Sie unter: www.laenger-gemeinsam-lernen.de.

Die Stellungnahme der GEW und den Entwurf der KMK „Gesamtstrategie der KMK zum Bildungsmonitoring“ finden Sie in der Anlage oder im Internet unter: www.gew.de.

Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Ulf Roedde, Pressesprecher Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201

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