Keine Ausgrenzung von Hauptschülern / BLLV-Präsident Dannhäuser und die Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Prof. Allmendinger, fordern bessere Förderung an den Hauptschulen
(München) Die desolaten Aussichten von Hauptschülern auf dem Lehrstellen- und Arbeitsmarkt sind ein gesellschaftliches Pulverfass, erklärten die Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Prof. Jutta Allmendinger, und der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Albin Dannhäuser, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch (21. Juni 2006) in München. Um die Ausbildungsfähigkeit und Chancen von Hauptschülern zu verbessern, müsse dringend gehandelt werden. Die Jugendlichen bräuchten eine bessere Vorbereitung auf das Berufsleben als bisher. Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund und deren Eltern müssten noch systematischer von der Bedeutung einer beruflichen Ausbildung überzeugt werden. Allmendinger und Dannhäuser forderten Wirtschaft und Staatsregierung auf, ausreichend Ausbildungsplätze zu schaffen. Beide warnten vor dem gesellschaftlichen Sprengstoff, der entstehe, wenn ein großer Teil junger Menschen ohne berufliche Perspektiven bleibt. Zudem würden alleine die Maßnahmen der Arbeitsagenturen für Jugendliche ohne Ausbildungsplätze jährlich 1,6 Milliarden Euro kosten. Es wäre vernünftiger, bereits vorher in die Ausbildungsfähigkeit von Hauptschülern zu investieren, so Allmendinger und Dannhäuser.
Wenn die Staatsregierung die Hauptschule als eigene Schulart will, muss sie sie mit einem spezifischen Bildungsprofil ausstatten und notwendige Fördermöglichkeiten bereitstellen, damit möglichst alle Schülerinnen und Schüler in der modernen Arbeitswelt Chancen haben, forderte Dannhäuser. Hauptschüler brauchen mehr Zeit und individuelle Förderung, damit solides Grundwissen vermittelt und gefestigt werden kann. Dazu gehören v.a. Kompetenzen in Deutsch, Naturwissenschaften und Informationstechnologien. Der BLLV fordert Lehrpläne mit Bildungsmodulen, aus denen sich die Schüler entsprechend ihren Neigungen eigene Lernschwerpunkte auswählen können. Schüler und Lehrer brauchen vor allem mehr Zeit, um grundlegende Arbeitsmethoden und Arbeitshaltungen anzubahnen, betonte Dannhäuser. So kann durch projektorientiertes Lernen Leistungsbereitschaft geweckt und Teamarbeit geübt werden. Er forderte den bedarfsgerechten Ausbau von Ganztagsschulen. Rhythmisiertes Lernen und individuelle Förderung in überschaubaren Klassen und Gruppen sind der entscheidende Ansatz, um Jugendliche auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Gezielte Anstrengungen sind nötig, um Eltern mit Migrationshintergrund über die Möglichkeiten einer Berufsausbildung zu informieren und zu beraten und sie von der Bedeutung einer Berufsausbildung ihrer Kinder zu überzeugen.
Allmendinger und Dannhäuser warnten: Wenn Politik und Wirtschaft nicht endlich angemessen reagieren, droht die Zunahme von Gewalt, Armut und extremen politischen Gruppierungen innerhalb der Gesellschaft. Der volkswirtschaftliche Schaden wird immens werden. Die sozialen Sicherungssysteme werden weiter durch die steigende Zahl unversorgter und unqualifizierter junger Menschen belastet. Ohne konsequentes bildungspolitisches Handeln verkommt die Hauptschule zur Schule für diejenigen, die am Rande der Gesellschaft leben müssen. Beide erklärten, dass der Staat für die Berufsbildung der Jugendlichen in die Pflicht genommen werden muss. So sollten beispielsweise die schulischen Angebote, die zu einem anerkannten Ausbildungsberuf führen, ausgebaut werden.
Trotz der Anstrengungen im Rahmen des Ausbildungspakts sei bislang keine Trendumkehr bei der Lehrstellensituation zu beobachten, sagte Allmendinger. Die Zahl der Jugendlichen ohne Berufsausbildung steige von Jahr zu Jahr. Bereits vergangenes Jahr nahmen bayernweit fast 45.000 Jugendliche an so genannten Grundbildungsmaßnahmen ohne anerkannten Berufsabschluss teil oder wiederholten in der Haupt- oder Realschule die Abschlussklasse freiwillig.
In diesem Jahr beträgt die rechnerische Lücke zwischen Bewerbern und Stellen für Bayern im Mai 30.000. Bis zum Abschluss des Vermittlungsjahres ist mit einer noch höheren Zahl unversorgter Jugendlicher zu rechnen als im Vorjahr, denn die Ausbildungsplätze nahmen um 11 Prozent ab, die Bewerber jedoch um 9 Prozent zu.
Die schlechtesten Chancen auf dem Ausbildungsstellenmarkt haben Hauptschüler. Eine Studie des BLLV an 381 bayerischen Hauptschulen zeigt: Im Monat Mai hatten erst 33 Prozent aller Hauptschulabgänger einen Ausbildungsvertrag. Fast zwei Drittel standen vor einer beruflich fraglichen Zukunft. Dabei ist die Situation für Hauptschulabgänger in Ballungszentren wie Nürnberg oder Würzburg noch trostloser als in ländlichen Regionen. Beinahe aussichtslos ist die Ausbildungsplatzsituation für Hauptschüler jedoch in München. Obwohl dort der Ausbildungsmarkt am günstigsten ist, verfügten im Mai gerade einmal 14 Prozent der Hauptschüler über einen Ausbildungsvertrag.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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