KI gegen Batteriebrände – bvse fordert mehr Herstellerverantwortung
(Bonn) - Bis zu drei bis vier Brandalarmmeldungen pro Tag bei einem Unternehmen: Lithium-Ionen-Batterien im Siedlungsabfall werden für Recyclinganlagen zunehmend zum Sicherheitsrisiko. Auf dem bvse-DIGITAL-KI-SUMMIT am 4. März zeigte Jörg Schairer, Vertriebsleiter der Korn Recycling GmbH, wie eine KI-gestützte Röntgentechnologie Batterien im Abfallstrom erkennt und automatisch ausschleust, bevor sie Brände auslösen können. bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock forderte anschließend mehr Verantwortung von Herstellern und Politik.
Großbrand veränderte Strategie
Ausgangspunkt für die intensive Beschäftigung der Korn Recycling GmbH mit dem Thema war ein einschneidendes Ereignis: 2009 zerstörte ein Großbrand die damalige Sortieranlage des Unternehmens vollständig. Seitdem steht Brandschutz für Korn Recycling im Mittelpunkt der Investitionen. „Keine Anstrengung war uns zu groß, um die Sicherheit zu gewährleisten“, zitierte Schairer Geschäftsführer Alexander Korn.
Batterieflut nimmt zu
Das Unternehmen verarbeitet an seinen Standorten rund 330.000 Tonnen Abfälle pro Jahr im In- und Output. Die Abfallsortieranlagen verfügen über eine genehmigte Inputmenge von 100.000 Tonnen jährlich und zählen zu den modernsten Anlagen dieser Art in Deutschland. Dennoch nahmen Brandalarme in den vergangenen Jahren deutlich zu – auch durch immer mehr Geräte mit fest verbauten Lithiumbatterien oder einzelnen Akkus im Abfallstrom. „Wir hatten zeitweise drei bis vier Brandalarmmeldungen täglich“, berichtete Schairer. Batteriebrände gelten inzwischen als eines der größten operativen Risiken der Recyclingbranche.
KI-Röntgensystem erkennt Akkus und Batterien im Abfallstrom
Als Konsequenz installierte Korn Recycling im März 2025 gemeinsam mit dem Start-up WeSort.AI das weltweit erste KI-gestützte Röntgensystem zur automatischen Batterieerkennung im Abfallstrom. Die rund 8,5 Meter lange und etwa acht Tonnen schwere Anlage kombiniert Röntgentechnologie mit künstlicher Intelligenz und erkennt Lithium-Ionen-Akkus, Haushaltsbatterien oder Vapes auch dann, wenn sie im Materialstrom verborgen sind. Die identifizierten Batterien werden automatisch ausgeschleust – bevor sie beschädigt werden und sich entzünden können.
Tests zeigen: Tonnenweise Akkus im Müll
Erste Testläufe im Juni 2025 verdeutlichten die Dimension des Problems: In einem Versuch mit 81 Tonnen Inputmaterial in einem Zeitraum von drei Stunden wurden 28,5 Kilogramm Akkus und E-Schrott erkannt. In einem weiteren Test mit 162 Tonnen Material über 9,75 Stunden waren es bereits 121 Kilogramm. Im Regelbetrieb entfernt die Anlage heute durchschnittlich neun bis elf Kilogramm Akkus und Batterien pro Stunde aus dem Abfallstrom.
Hochgerechnet bedeutet das: Pro Monat werden etwa 1,5 Tonnen Lithium-Ionen-Akkus, Batterien und Vapes aus dem Materialstrom ausgeschleust – Stoffe, die zuvor unbemerkt in der Anlage gelandet wären. Gleichzeitig fallen rund 40 Kubikmeter Akkus im E-Schrottbereich an, die gezielt dem Recycling zugeführt werden.
Deutlich weniger Brandalarme
„Der Effekt auf die Betriebssicherheit in der Behandlung ist bereits deutlich sichtbar. Während früher mehrere Brandalarme pro Tag ausgelöst wurden, kommt es heute nur noch etwa einmal in zwei Wochen zu einer Meldung“, erklärte Schairer. Das System bietet eine hohe Sicherheit für die Sortierung, Brände die bereits auf den Sammelfahrzeugen sowie im Lagerbereich entstehen, kann es selbstverständlich nicht verhindern.
Daten für die politische Debatte und ökologische Effekte
Neben der erhöhten Sicherheit liefert das System erstmals belastbare Daten über Art und Menge der Batterien im Abfallstrom – ein wichtiger Baustein für die politische Diskussion über Herstellerverantwortung und Produktdesign.
Zusätzlich ergeben sich ökologische Effekte: Durch die gezielte Rückführung der ausgeschleusten Batterien in spezialisierte Recyclingprozesse ergibt sich laut Berechnungen ein Einsparpotenzial von rund 4.700 Tonnen CO₂ pro Jahr.
Korn lädt ein: Technologie für die ganze Branche
Schairer betonte, dass Korn Recycling die Technologie bewusst transparent mache. „Unser Ziel ist keine Exklusivität, sondern die Sicherheit der gesamten Branche zu erhöhen.“ Deshalb lädt das Unternehmen andere Entsorger ein, die Anlage zu besichtigen und sich ein Bild von der neuen Technologie zu machen.
bvse: Hersteller stärker in die Pflicht nehmen!
bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock griff das Thema in der anschließenden Diskussion auf und richtete einen deutlichen Appell an Politik und Hersteller.
„Dank der Daten und Erfahrungen aus dem von Korn Recycling und WeSort.AI implementierten Systems Battery.Sort liegen nun erstmals belastbare Zahlen vor, die der Verband in der Diskussion um die steigende Zahl von Bränden durch falsch entsorgte Batterien auch am Runden Tisch mit Bundesumweltministerium, Versicherungswirtschaft und Herstellern einbringt. Es kann nicht sein, dass unsere Branche immer der Bügelhalter für alle ist, obwohl die Unternehmen wirklich nichts dafür können“, betonte Rehbock.
Rehbock: „Technik ist nur ein Baustein der Lösung“
Gleichzeitig warnte er davor, technische Lösungen als alleinige Antwort zu verstehen. „Es darf nicht der Eindruck entstehen: Jetzt baut ihr alle solche Anlagen ein und dann ist das Thema erledigt.“ Moderne Detektionssysteme seien wichtig, könnten das Problem jedoch nicht vollständig lösen, da Brände häufig bereits bei Sammlung oder Lagerung entstünden.
Pfand für Batterien weiter im Gespräch
Nach Ansicht des bvse müssen deshalb auch politische Instrumente, wie eine Pfandlösung für Elektro(nik)-Geräte mit Lithium-Akkus; geprüft werden. „Das Thema Pfand wird trotz aller Widerstände in der Diskussion mit uns nicht unter den Tisch fallen“, stellte Rehbock klar.
Für die Branche ist daher klar: Innovationen wie KI-gestützte Röntgentechnik können die Sicherheit deutlich erhöhen und wertvolle Daten liefern. Dauerhaft lösen lässt sich das Problem jedoch nur durch einen ganzheitlichen Ansatz aus Technik, besserem Produktdesign, Rücknahmesystemen und vor allem stärkerer Herstellerverantwortung.
Quelle und Kontaktadresse:
(bvse) Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Michaela Ziss, Referent(in) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Fränkische Str. 2, 53229 Bonn, Telefon: 0228 988490
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