Pressemitteilung | Deutsches Kinderhilfswerk e.V.

Kinderrechte bei der Aufnahme und Integration von gefl├╝chteten Kindern aus der Ukraine umfassend ber├╝cksichtigen

(Berlin) - Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert in der Debatte ├╝ber die Aufnahme von Gefl├╝chteten aus der Ukraine in Deutschland ein besonderes Augenmerk auf die Situation der gefl├╝chteten Kinder und Jugendlichen. "Seit Ausbruch des Krieges sind es vor allem Frauen und Kinder, die sich auf der Flucht befinden. Bereits jetzt sind viele Gefl├╝chtete in Deutschland eingetroffen, viele weitere werden sich noch auf den Weg machen. Diese m├╝ssen wir mit offenen Armen empfangen. Bei den gefl├╝chteten Kindern handelt es sich um eine besonders vulnerable Gruppe, auf die ein besonderes Augenmerk gelegt werden muss. Das gilt insbesondere f├╝r unbegleitete minderj├Ąhrige Gefl├╝chtete", betont Thomas Kr├╝ger, Pr├Ąsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

"Das Deutsche Kinderhilfswerk freut sich ├╝ber die sehr gro├če Hilfsbereitschaft, die sich in den letzten Tagen auf eindrucksvolle Weise gezeigt hat. Die Aufnahme von gefl├╝chteten Kindern ist eine humanit├Ąre Verpflichtung unserer Gesellschaft. F├╝r ihre Aufnahme und Integration gelten die Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention, der Europ├Ąischen Grundrechtecharta und des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Diese normieren eindeutig die Vorrangstellung des Kindeswohls bei allen Entscheidungen von Staat und Gesellschaft sowie das Recht der Kinder auf F├Ârderung, Schutz und Beteiligung. An diesen Eckpunkten muss sich eine staatliche Gesamtstrategie ausrichten", so Kr├╝ger weiter.

Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes ist es notwendig, dass neben ukrainischen Staatsangeh├Ârigen auch Kinder und Jugendliche aus Drittstaaten, deren Eltern beispielsweise in der Ukraine studiert oder gearbeitet haben und dort keinen langfristen Aufenthalt hatten, Aufnahme in Deutschland finden m├╝ssen. Eine Ungleichbehandlung ist mit den Vorgaben der UN-Kinderrechte unvereinbar.

Zur Aufnahme und Integration von gefl├╝chteten Kindern und Jugendlichen sollten sich Bundesregierung und Bundesl├Ąnder baldm├Âglichst auf folgende Punkte verst├Ąndigen und dementsprechende Ma├čnahmen auch finanziell in einer Gesamtstrategie absichern:

/ Gefl├╝chtete Kinder sind in erster Linie Kinder
Sie m├╝ssen Anspruch auf Leistungen der bestehenden Sozialsysteme haben wie andere Kinder in Deutschland auch und d├╝rfen nicht auf die Inanspruchnahme der unzureichenden Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz angewiesen sein.

/ Gefl├╝chtete Kinder brauchen einen schnellen Zugang zu psychosozialen Hilfen
Erfahrungen von Flucht und Gewalt oder die Trennung von Familienangeh├Ârigen sind f├╝r Kinder und Jugendliche besonders belastend. Deshalb braucht es schnellstm├Âglich niedrigschwellige, kinder- und jugendspezifische psychosoziale Unterst├╝tzungsangebote f├╝r die gefl├╝chteten jungen Menschen.

/ Gefl├╝chtete Kinder brauchen einen vollst├Ąndigen Zugang zu ├Ąrztlicher Versorgung
Daf├╝r ist mit Hilfe einer regul├Ąren Versicherungskarte Zugang zur medizinischen Standardversorgung sicherzustellen. Au├čerdem ist eine gute Aufkl├Ąrung der Eltern ├╝ber die Sinnhaftigkeit von Impfungen wichtig, da so der Schutz von Kindern vor krankheitsbedingten Sch├Ąden verbessert werden kann.

/ Kinder geh├Âren nicht in Gemeinschaftsunterk├╝nfte
Gefl├╝chtete Kinder brauchen bedarfsgerechte dezentrale Wohnm├Âglichkeiten. Gemeinschaftsunterk├╝nfte sind keine Orte f├╝r Kinder. Insbesondere die Struktur und Organisation der Unterk├╝nfte, die beengten Wohnverh├Ąltnisse, das Fehlen von R├╝ckzugsm├Âglichkeiten und Privatsph├Ąre, der Mangel an Anregung, die nachteiligen hygienischen Zust├Ąnde und h├Ąufige Unruhe f├╝hren zu gesundheitsgef├Ąhrdenden Faktoren, die zu chronischen Krankheiten und psychischen Dauersch├Ąden f├╝hren k├Ânnen.

/ Solange Kinder in Gemeinschaftsunterk├╝nften untergebracht sind, m├╝ssen Mindeststandards gegen sexuelle Gewalt vorhanden sein
In Gemeinschaftsunterk├╝nften sind gefl├╝chtete Kinder besonders gef├Ąhrdet, Opfer sexueller Gewalt zu werden. Deshalb braucht es Mindeststandards in diesen Unterk├╝nften zum Schutz der Kinder. Schutzkonzepte m├╝ssen sowohl das Personal in den Gemeinschaftsunterk├╝nften als auch Bewohnerinnen und Bewohner in den Blick nehmen, dar├╝ber hinaus aber auch Betreuende, die beispielsweise im schulischen Bereich unterst├╝tzen oder Freizeitaktivit├Ąten anbieten.

/ Der Zugang zu Schulen und Ausbildungsst├Ątten muss sichergestellt werden Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung und Ausbildung - ganz gleich, wo es lebt und welchen Aufenthaltsstatus es hat. Dies wird am besten durch eine umfassende Schulpflicht sichergestellt. Schulen, Sprachlerneinrichtungen und Vorbereitungskurse m├╝ssen f├╝r Kinder aber auch tats├Ąchlich zug├Ąnglich sein, sie m├╝ssen also ├Ârtlich erreichbar sein und die Ausstattung mit den dementsprechenden Ressourcen f├╝r Transportmittel und Lehrmittel muss erfolgen.

/ Gefl├╝chtete Kinder, die noch nicht schulpflichtig sind, sollten die M├Âglichkeit zum Besuch einer Kindertageseinrichtung haben
Nie wieder lernen Menschen so viel und mit so gro├čem Spa├č wie in den ersten Lebensjahren. Dabei kann eine gute Bildung schon f├╝r kleine Kinder die Chancengleichheit in unserer Gesellschaft bef├Ârdern und herkunftsbedingte sowie soziale Unterschiede am besten ausgleichen. Zur Integration von gefl├╝chteten Kindern in den Kita-Alltag braucht es Erzieherinnen und Erzieher, die interkulturelle Kompetenzen und Diagnosef├Ąhigkeiten haben, um die M├Âglichkeiten und F├Ąhigkeiten der Kinder zu erkennen und zu f├Ârdern.

/ Zugang zum Recht f├╝r gefl├╝chtete Kinder
Der Zugang zum Recht ist die Voraussetzung und Grundlage f├╝r die Umsetzung aller anderen Kinderrechte. Daher brauchen gefl├╝chtete Kinder einen effektiven und unmittelbaren Zugang zum Recht. Dazu m├╝ssen sie kindgerechte Informationen ├╝ber ihre Versorgung, ihren Verbleib und dass sie jeweilig betreffende Verfahren erhalten und kindgerecht begleitet werden. Dies gilt f├╝r unbegleitete Minderj├Ąhrige und begleitete Kinder gleicherma├čen.

/ Zugang zu Informationen und Beteiligung gefl├╝chteter Kinder
Zudem sind gefl├╝chtete Kinder in f├╝r sie verst├Ąndlicher Sprache zu informieren und zu beteiligen, dazu braucht es geschulte Fachkr├Ąfte sowie Sprachmittlerinnen und Sprachmittler. Daneben m├╝ssen niedrigschwellige Beschwerde- und Anlaufstellen eingerichtet werden, die den gefl├╝chteten Kindern kindgerechte und kostenfreie Beratung von qualifizierten Expertinnen und Experten sowie Rechtsbeistand bieten.

Um Kindern und Familien zu helfen, die sich zwangsweise auf die Flucht nach Deutschland machen mussten, hat das Deutsche Kinderhilfswerk kurzfristig einen Hilfsfonds f├╝r gefl├╝chtete Kinder und Jugendliche und ihre Familien aus der Ukraine aufgesetzt und mit 100.000 Euro ausgestattet. Hier geht es darum f├╝r junge Gefl├╝chtete kindgerechte Freizeit- und Bildungsma├čnahmen zur Verf├╝gung zu stellen, die der Integration sowie k├Ârperlichen und seelischen Gesundheit dienen. ├ťber den Kindernothilfefonds des Deutschen Kinderhilfswerkes ist eine schnelle und unb├╝rokratische Hilfe m├Âglich, solange staatliche Hilfen noch nicht wirksam werden. Dar├╝ber werden Versorgung, Ausstattung, psychologische Betreuung, ├ťbersetzung, medizinische Versorgung oder eine Schulausstattung finanziert. Das Deutsche Kinderhilfswerk hat daf├╝r zun├Ąchst 200.000 Euro bereitgestellt.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsches Kinderhilfswerk e.V. Uwe Kamp, Pressesprecher Leipziger Str. 116-118, 10117 Berlin Telefon: (030) 3086930, Fax: (030) 2795634

(ss)

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